​In Niedersachen herrscht Chaos. Nach dem geplatzten Wechsel von Hannover-Manager Horst Heldt zum VfL Wolfsburg stehen beide Seiten als Verlierer da. Die Wölfe haben sich mitten im Abstiegskampf in eine peinliche Lage manövriert. Bei 96 fragt man sich, wie Heldt seine Arbeit nun fortführen will. 


Mit einer überraschenden Meldung hat Hannover 96 das Hickhack um Horst Heldt (vorerst) beendet. "​Horst Heldt bleibt bei Hannover 96. Ein Wechsel des Managers zum VfL Wolfsburg wird nicht stattfinden", teilte der Verein am Donnerstagnachmittag mit.

Zuvor schien alles auf einen Wechsel des 48-Jährigen zu Niedersachen-Konkurrent VfL Wolfsburg hinzudeuten. Heldt hatte sich mit den Wölfen bereits geeinigt und wollte auch seinen Sportlichen Leiter Gerhard Zuber mit in die Autostadt nehmen. In Hannover sollte Martin Andermatt die sportliche Leitung interimsweise übernehmen, bevor ein neuer Manager installiert werden sollte. Spekuliert wurde bereits über Jörg Schmadtke, der Ex-96-Profi Jan Schlaudraff mit ins Boot holen sollte.


Am Donnerstag habe es dann ein ​telefonisches Gespräch zwischen 96-Boss Martin Kind und VfL-Aufsichtsratschef Frank Witter gegeben. Die beiden wollten sich über eine Ablösesumme für das Duo Heldt und Zuber einigen. Das gelang widererwartend nicht - Heldt muss in Hannover bleiben, Wolfsburg steht dumm da.


Auswirkungen für den VfL verheerend 


Sportlich steckt der VfL drei Spieltage vor Saisonende mitten im Abstiegskampf. Sportdirektor ​Olaf Rebbe sitzt längst schon auf gepackten Koffern. Nach den medial breitgetretenen Verhandlungen mit Heldt ist der 39-Jährige nicht mehr zu halten und könnte den Verein noch vor Saisonende verlassen. So war wohl auch der Plan bei den Wölfen - nur eben, dass mit Horst Heldt ein Nachfolger parat steht.

Der Plan schlug krachend fehl. Der VfL hat sich im Existenzkampf einen verheerenden Nebenkriegsschauplatz aufgemacht und steckt nun in einer peinlichen Situation. Zum einen droht die Stimmung in der Autostadt zu eskalieren und die Mannschaft noch mehr als ohnehin schon zu verunsichern, zum anderen haben sich die Wölfe-Verantwortlichen in eine katastrophale Ausgangsposition auf der Suche nach einem neuen sportlichen Leiter manövriert. Jeder neue Kandidat darf sich nun als B-Lösung sehen - seine Autorität ist von Beginn an geschwächt.


In Hannover sind alle nur noch genervt


Auf der anderen Seite steht auch die weitere Zusammenarbeit zwischen Hannover und Horst Heldt auf wackligen Beinen. Ob der Manager auch weiterhin "mit dem Herzen in Hannover" ist, wie 96-Coach André Breitenreiter erklärte, darf mehr als bezweifelt werden. Im November 2017 wollte Heldt zu seinem wirklichen "Herzensklub" Köln abwandern, nun forcierte er seinen Abgang zu den finanziell betuchten Wölfen. 

Hamburger SV v Hannover 96 - Bundesliga

Böses Omen? Der "kleine HSV" eifert immer mehr dem HSV aus Hamburg nach. So einig wie hier waren sich 96-Boss Martin Kind (l.) und Horst Heldt (r.) in letzter Zeit selten.


Die bittere Realität für den 96-Manager: Sein Vertrag an der Leine läuft noch bis 2020. Dort muss er sich weiter mit Klubboss Kind rumschlagen. Der hatte ihm zwar eine Beförderung zum Geschäftsführer angeboten, Heldt aber die gewünschte Transfer-Allmacht ausgeschlagen. Nun fragen sich in Hannover alle, wie eine weitere Zusammenarbeit möglich sein wird. 


Trainer, Mannschaft und Fans sind ausgelaugt vom Streit zwischen Kind und den Anhänger und den ständigen Unruhen um ihren Manager.


Am Ende bleibt festzuhalten: Im Heldt-Poker gibt es nur Verlierer. Der 96-Manager ist erneut mit seinen Wechselabsichten gescheitert. Wie sollen Spieler Heldt bei Vertragsgesprächen noch ernst nehmen, wenn der Vereinsverantwortliche selbst am liebsten einen Abgang machen würde? Kind muss sich dagegen fragen, ob er wirklich weiter um seinen Manager kämpfen soll oder ob es nicht besser wäre, ihn nach dem Motto "Reisende soll man nicht aufhalten" ziehen zu lassen. Die Querelen im Klub sind ohnehin schon groß genug und dürften mit Heldt in nächster Zeit nicht kleiner werden.


Wolfsburg steckt noch schlimmer in der Krise: Neben der sportlichen Talfahrt verkommen die Wölfe auch auf Verantwortlichen-Seite zu einem Chaos-Klub.