Aktuell wird das Thema "Schiedsrichter und der SC Freiburg" heiß diskutiert. Aus Freiburger Sicht war das Spiel gegen den HSV das dritte Match hintereinander, in der die jeweiligen Schiedsrichter mehr als fragwürdige Entscheidungen getroffen haben. Ob sich dahinter eine Verschwörung verbirgt? Christian Streich glaubt das mittlerweile.


Trainer Christian Streich ist mit seinem Latein am Ende. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen den HSV (0:1) gibt er sich resigniert und erschöpft. "Ich sage nichts mehr", so der 52-jährige auf die Frage, wie er die Entscheidungen des Schiedsrichter bewertet. "Sie sollen mit uns machen, was sie wollen. Es ist jede Woche das Gleiche." So kennt man Christian Streich eigentlich nicht. Gewöhnt ist man von ihm, dass er brüllt und fuchtelt und alles dafür tut, dass seiner Mannschaft Gerechtigkeit zukommt und nicht wie Freiwild für die Schiedsrichter wirkt. Seine jetzige Ruhe wirkt, als hätte er aufgeben.


Doch womöglich ist es auch nur ein Trick, den Schiedsrichtern ein schlechtes Gewissen einzureden. Schaut man auf die letzten Partien, so waren es nämlich tatsächlich die Entscheidungen der Schiedsrichter, die das Todesurteil der Freiburger besiegelt haben. Da wäre zum Beispiel das Spiel gegen Schalke 04 am 28. Spieltag. Man könnte es auch den Beginn der Misere der Breisgauer nennen. Tobias Stieler, der beim Hinspiel gegen Stuttgart schon patzte und fälschlicherweise Abwehrmann Caglar Söyüncü vom Platz stellte, machte auch bei diesem Spiel alles falsch. Nachdem er eine Schwalbe als Foul bewertete und den Schalkern einen Elfmeter zusprach, zückte er kurze Zeit später irrtümlich die Rote Karte gegen Torjäger Nils Petersen. Wie bereits berichtet, wurde diese Karte vom Sportgericht wieder zurückgenommen und Petersen frei gesprochen, doch das Spiel war trotzdem verloren. Streich rastete komplett aus und musste von drei Männern gehalten werden, um nicht auf den Platz zu rennen. Als Strafe für seine Beschimpfungen in Richtung Stieler muss er nun 15.000 Euro zahlen. 


Hamburger SV v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Christian Streich hadert mit den Schiedsrichter-Entscheidungen in den vergangenen Wochen 


Seither haben die Freiburger kein Glück mehr mit den Unparteiischen. Im Spiel gegen Mainz 05 war es die Entscheidung des Schiedsrichter, auf seine Kollegen in Köln zu hören und nach dem Abpfiff zur Halbzeit die Spieler nochmal aus der Kabine zu holen und einen Elfmeter zu geben. Der Elfmeter war berechtigt, doch für die Freiburger Elf eine demotivierende Aktion. Für sie war das Spiel danach gelaufen. Auch beim letzten Spieltag gegen den HSV war es Benjamin Cortus, der den Badenern einen Strich durch die Rechnung machte. Dieses Mal stellte der Unparteiische Söyüncü vom Platz, obwohl eher der Türke vom HSV-Stürmer Kostic gefoult wurde, als umgekehrt. In Unterzahl war das Spiel dann auch nicht mehr zu retten. Auf der Gegenseite ließ Cortus dann den mit Gelb vorbelasteten Steinmann nach einem Foul am eingewechselten Frantz ungestraft weiterspielen.


Es ist somit verständlich, dass Christian Streich mit den Schiedsrichtern auf Kriegsfuß steht. Doch Streich hat aus dem Debakel auf Schalke gelernt. "Auf Schalke sind ja auch schon Dinge passiert. Es war eine ziemlich schlimme Situation und ich habe mir vorgenommen, ich lasse diese Dinge über mich und die Mannschaft einfach ergehen. Wir thematisieren das nicht und versuchen das zu beeinflussen, was wir können." Auf die Frage hin, wie er über die Entscheidung, Söyüncü vom Platz zu stellen, denkt, antwortete Streich: "Sollen sie einfach machen, was sie machen wollen. Es gibt Leute, die das entscheiden. Deswegen heißen sie Schiedsrichter. Sie entscheiden das und wir haben das zu akzeptieren." 


Einem aufmerksamen Zuhörer wird dabei jedoch aufgefallen sein, wie wenig Streich seinen eigenen Worten glaubt. Für ihn dürften die Entscheidungen der Schiedsrichter in den vergangenen Spielen einem Komplott nahe kommen, denn fakt ist: Die Unparteiischen haben eingegriffen und der SC Freiburg hat verloren. Doch im Endeffekt kann Christian Streich nicht viel dagegen machen und wahrscheinlich rührt seine Resignation zu der Erkenntnis: Mit uns kann man es ja machen.