Ilkay Gündogan mit bemerkenswerten Worten. Der Nationalspieler kritisiert die sich wiederholende Standard-Leier in den Interviews im Profi-Fußball. Der 27-Jährige wünscht sich mehr Spontanität und Offenheit seiner Kollegen und regt die Journalisten dazu an, "vielleicht auch mal andere Fragen zu stellen".


Nationalspieler Ilkay Gündogan fordert mehr Ehrlichkeit und Spontanität im Zusammenspiel zwischen Profis und Medien. Der Mittelfeldmann von Manchester City kritisiert die sich immer wiederholenden Fragen der Journalisten und die oftmals vorgegebenen Standard-Antworten der Spieler. "Ich würde mir wünschen, dass es manchmal ein bisschen mehr Ehrlichkeit gibt und dass man Dinge offen besprechen kann", meinte der 27-Jährige im Interview mit DAZN.


"Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr sehen, wenn man nach dem Spiel dasteht, immer die gleichen Fragen gestellt bekommt und vorprogrammierte Antworten abgibt", so Gündogan. Er glaube auch nicht, dass die Zuschauer "irgendetwas Neues" daraus ziehen würden, wenn sie das "zum x-ten Mal" anschauen. "Ich selbst kann das zumindest nicht und ich habe solche Interviews schon zigfach gesehen und selber auch schon gegeben."

"Vielleicht mal andere Fragen stellen"


Er wünsche sich "einfach ein bisschen mehr. Diese ganzen Interviews wirken nicht gestellt, aber vorprogrammiert und vorhersehbar", bekräftigte der 27-Jährige. Oft könne man als Spieler "aber auch gar nicht viel anderes sagen". Er wisse nicht, ob das zu viel verlangt sei. Aber man könne sich "ja mal Gedanken machen" und "vielleicht mal andere Fragen stellen". Gündogan habe zumindest "kein Problem damit, Fragen ehrlich zu beantworten oder auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen und private Fragen zu beantworten", versicherte er.


Auf der anderen Seite sollten die Spieler versuchen, nicht so zu antworten, wie man zuvor "von jemanden aus der Medienstelle" vorbereitet wurde. Er selbst wolle deshalb vor dem Gespräch "gar nicht wissen, was man mich fragt". Statt zu sagen "Ilkay, das sind die zehn Fragen hier, ließ sie dir durch", fordert Gündogan mehr Spontanität. Denn: "Spontan ist ja meistens ehrlich. So hat man aber gar nicht mehr die Möglichkeit, zu 100 Prozent ehrlich zu sein und aus dem Bauch heraus zu antworten."


Es sei "meistens ein bisschen vom Kopf gesteuert und das finde ich ein bisschen schade, weil ich finde, dass ganz, ganz viele Fußballer auch mehr zu bieten haben", sagte der 27-Jährige. Eine Einstellung, die viele Kollegen mit ihm teilen würden. "Manche wollen das zwar nicht, das muss man auch respektieren. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass viele offen dafür wären. Und gerade die Leute, die zu Hause sitzen, würden sich darüber bestimmt nicht beschweren. Im Gegenteil", ist er sich sicher.

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Für Gündogan das Paradebeispiel: Die offenen Worte von Per Mertesacker zum Druck im Profi-Fußball.



Sein ehemaliger Nationalelf-Kollege Per Mertesacker habe es mit seinem Spiegel-Interview vorgemacht wie es anders gehen kann. Gündogan fand "es toll, dass er so offen damit umgehen kann. Das können viele wahrscheinlich nicht", meinte er zu Mertesackers Aussagen über den Druck im Profi-Fußball. "Es sollte eigentlich nicht viele Tabuthemen geben", befand er. 


Dass es diese aber noch gibt, haben die hohen Wellen nach Mertesackers Offenbarungen deutlich gemacht. Ob die meisten seiner Kollegen einen solchen Wirbel verursachen wollen bleibt fraglich. Schließlich hatte der Weltmeister selbst auch bis zum Ende seiner Karriere damit gewartet. Wahrscheinlicher bleibt wohl, dass sich Gündogan und die Zuschauer im geschulten Medienumfeld mit der gegenwärtigen Situation abfinden müssen.