Bei der 0:3-Heimpleite von Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC steht der Videobeweis erneut im Vordergrund. Schiedsrichter Sascha Stegemann gibt auch nach Studium der Bilder einen Strafstoß zur Führung der Gäste und bringt die Eintracht damit in Rage. Auf der anderen Seite wird den Frankfurtern ein Elfmeter verweigert.


​Eintracht Frankfurt im Wechselbad der Gefühle: Nach der deutlichen Pleite in Leverkusen setzte es drei Tage nach dem umjubelten Einzug ins Pokalfinale die nächste herbe Niederlage in der Bundesliga. Gegen Hertha BSC verlor die Eintracht mit 0:3 und hat nun in den verbliebenen drei Ligapartien die ​schlechteste Ausgangsposition der Europapokal-Anwärter inne. Mit vier Zählern Rückstand auf die viertplatzierten Leverkusener scheinen sich die Champions-League-Träume in der Main-Metropole nicht zu erfüllen. 


"Diese Niederlage war natürlich nicht eingeplant. Wir werden jetzt alles daran setzen, noch Fünfter oder Sechster zu werden. Ich habe immer gesagt, die Saison ist nicht nach 30, sondern 34 Spieltagen vorbei", sagte ein frustrierter Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

Eintracht Frankfurt v Hertha BSC - Bundesliga

Schiedsrichter Stegemann schaut sich die Strafstoßszene im Videobereich an - und bleibt beim Elfmeterpfiff.


Nach der Partie war der Frust groß. Vor allem der umstrittene Elfmeter vor dem 1:0 der Gäste erregte die Gemüter. "Diese Szene hat alles entschieden", befand Bobic. Er sprach von einem "Wahrnehmungsfehler" von Schiedsrichter Sascha Stegemann, der nach knapp einer Stunde auf den Punkt zeigte. Den könne er zwar verstehen, so Bobic weiter, "aber wenn einer sich ganz in Ruhe das Ganze noch mal anschaut und dann das Gleiche sieht, dann hat er diese Entscheidung exklusiv", ärgerte er sich.

Stegemann hatte sich das vermeintliche Foulspiel von Makoto Hasebe an Hertha-Stürmer Davie Selke nach Rücksprache mit dem Videoassistenten auf dem Monitor angeschaut - blieb aber bei seiner Entscheidung. Ein Kontakt lag vor, Hasebe traf Selke am Knie, der danach aber sehr theatralisch zu Boden ging.


"Heute hat der Schiedsrichter meiner Meinung nach daneben gelegen", meinte auch Eintracht-Coach Niko Kovac. An seiner generellen Einstellung wollte er aber festhalten: "Ich bleibe dabei, der Videobeweis ist wichtig." Bei hochsommerlichen Temperaturen in der Frankfurter Arena sei "das 0:1, das haben alle gesehen, sicherlich der entscheidende Punkt", gewesen. 


Eintracht vergibt zwei 100-prozentige Chancen im ersten Durchgang


In Führung hätte Kovac' Team eigentlich längst schon in der ersten Halbzeit gehen müssen. Doch Luka Jovic und Mijat Gacinovic vergaben nach haarsträubenden Hertha-Patzern das 1:0 trotz bester Einschussmöglichkeiten. "Natürlich sind wir enttäuscht vom Ergebnis. Berlin wollte vom Spiel eigentlich nichts wissen. Wir hatten zwei überragende Chancen zu Beginn, davon müssen wir eine nutzen. Hertha schießt drei Mal aufs Tor und trifft drei Mal", haderte Bobic im Anschluss.


Der Elfmeter habe "das Spiel gedreht", auch wenn man "die Schuld nicht auf den Schiedsrichter schieben" wolle. Der Ärger über die Entscheidung wollte beim SGE-Sportchef dennoch nicht ganz abklingen. "Ich dachte mir, super, das ist kein Elfmeter. Selbst die Hertha-Fans neben mir mussten schmunzeln", berichtete er. "Ich muss meine Emotionen zurückhalten", versuchte er sich zu beherrschen. 


Außenverteidiger Timothy Chandler gab sich zunächst selbstkritisch: "Wir haben kein gutes Spiel abgeliefert. Wir haben zu lässig, zu fahrig und zu langsam gespielt", kritisierte er. "Wer aber bei dem Wetter mit 1:0 in Führung geht, hat Vorteile. Ich habe sein Spiel nicht als Elfer für die Berliner gesehen. Der Schiedsrichter hat es sich sicher nicht umsonst nochmal angeschaut. Aber vielleicht war die Sonne auf dem Bildschirm“, hatte er eine sarkastische Begründung für den Strafstoß-Pfiff parat.

Eintracht Frankfurt v Hertha BSC - Bundesliga

Hasebe (u.) und Selke gerieten im Verlauf der Partie häufig aneinander.


Doppeltes Pech hatten die Hausherren nach der umstrittenen Hertha-Führung. Jovic wurde nach einer Eintracht-Ecke in der 73. Minute von Per Skjelbred im Strafraum zu Boden gerissen - die Pfeife von Stegemann blieb allerdings stumm und auch der Videoassistent griff nicht ein. Statt Elfmeter zum möglichen Ausgleich, machte die Hertha in der Folge alles klar. Zu allem Überfluss musste auch noch Hasebe mit Rot vom Platz. Der Japaner ließ seinem Frust freien lauf und wurde nach einem Ellenbogenschlag zum Duschen geschickt - dieses Mal völlig unumstritten.