​Beim 4:0-Erfolg über Bayer Leverkusen schaffte Borussia Dortmund nach der Derbyniederlage eine Woche zuvor zwar die sportliche Wende, die BVB-Fans aber haben die Pleite gegen den Rivalen noch lange nicht verarbeitet. Die Borussia wird die Leistung vom Wochenende auch die kommenden Wochen bestätigen müssen, um die Gunst der Fans zurückzugewinnen. 


Nach dem Schlusspfiff herrschte schon eine seltsame Atmosphäre. Zwar bejubelten beinahe 80.000 Fans den 4:0-Sieg der Borussia, doch als die Spieler gemeinsam mit der "Gelben Wand" den Erfolg feiern wollten, wurden sie eiskalt zurück geschickt. Die Schmach im Derby hat ihre Spuren hinterlassen. Bereits vor der Partie schmückten Plakate mit Aussagen wie "Den Stellenwert des Derbys nicht verstanden – Versager" oder "Niemand verkörpert Borussia Dortmund so wenig wie ihr" die Tribünen des Signal Iduna Parks.


Einer, der die fehlenden Eigenschaften stets verkörperte, war Sven Bender, der nun bei Leverkusen spielt und nach der Partie vor die "Süd" zitiert wurde: "Das war das einzig Schöne heute", so der langjährige Borusse, der von BVB-Fans gefeiert wurde. "Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich nach so einer Packung in die Kurve gegangen bin."



Die Plakate vor der Partie verfehlten ihre Wirkung nicht und stießen bei Spielern und Trainer gar auf Verständnis: "Die Plakate haben wir natürlich gelesen. Wir haben dafür ein gewisses Maß an Verständnis", so etwa Peter Stöger nach dem Spiel. Auch Mario Götze zeigte sich einsichtig: "Natürlich bekommt man das mit uns liest es auch, gerade beim Aufwärmen", erklärte der Weltmeister gegenüber Bundesliga.de. "Einerseits habe ich ein gewisses Verständnis dafür nach unserer Niederlage im Derby. Auf der anderen Seite war es ein neues Spiel, wir wollen in die Champions League, haben einen starken Gegner – da ist so etwas dann auch etwas schade für die Mannschaft. Aber im Endeffekt haben es die Fans dann während der Partie überragend gemacht. Sie waren in den ersten Minuten sofort wieder auf unserer Seite, die Stimmung war teilweise sensationell. Großes Kompliment!"



Die Kritik der Fans hinterließ wohl Eindruck. Alle elf BVB-Akteure zeigten gegen Leverkusen endlich einmal den unbedingten Siegeswillen. Allen voran Marco Reus ging als Kapitän voran. Dabei hatte sich bereits in Halbzeit eins viel Frust angestaut. Ein Treffer aberkannt, ein Elfmeter verschossen. Dennoch traf Reus doppelt. Die Mentalität macht's möglich: "Es waren richtig Emotionen drin", so der Doppeltorschütze bei Sky. "Den Elfmeter schieße ich ganz schwach. Aber auch danach haben wir gut weitergespielt, am Ende konnte ich der Mannschaft doch noch helfen. Für mich ist es weiter wichtig, in den Rhythmus zu kommen, über 90 Minuten zu spielen und meine Leistung abzurufen."


Borussia Dortmund gelang am Wochenende die richtige Antwort auf die Derbyniederlage. Sollte die Mannschaft am kommenden Spieltag in Bremen aber wieder in alte Untugenden verfallen, dann zählt die Leistung gegen Leverkusen nur noch auf dem Papier. Um die Gunst der Fans zurückzugewinnen, muss das Team die gleiche Einstellung, wie gegen Leverkusen, auch in den letzten drei Saisonspielen auf den Platz bringen. Denn über viele Jahre hatte der BVB ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland - die bedingungslose Liebe seiner Fans. Und diese dürfen die Kicker nicht aufs Spiel setzen.