"Ihr seid spürbar anders" und "so etwas gibt es nur​ in Köln" waren die emotionalen Worte der Effzeh-Spieler an die Fans. Die hatten ihr Team nach dem 2:2-Remis gegen den FC Schalke mit viel Applaus gewürdigt - trotz des nahenden Abstiegs. Einigen Spielern standen die Tränen in den Augen.


Nach dem ​Kölner 2:2 gegen den FC Schalke kam einem sofort das bekannte Sprichwort "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel" in den Sinn. Doch zum Leben ist der Punkt gegen den Tabellenzweiten eigentlich mehr als zu wenig: Der Effzeh ist zwar rechnerisch noch nicht abgestiegen - acht Punkte Rückstand in drei Spielen sind aber wohl noch nicht einmal mehr mit einem "Wunder" aufzuholen.


Dieses Gefühl war bei den Spielern schon direkt nach dem Schlusspfiff am Sonntagabend präsent. Leonardo Bittencourt, Torschütze zum 1:2-Anschlusstreffer, konnte wie viele andere seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Deutsch-Brasiliaer bedankte sich im Anschluss via Twitter beim FC-Publikum. "Danke für alles!!", schrieb Bittencourt und versah seinen Post mit dem Hashtag "ihr seid spürbar anders".

Im Kölner Stadion ging es emotional her. Die Fans würdigten trotz des nahenden Abstiegs ihre Mannschaft, die nach einem 0:2-Rückstand gerade im zweiten Durchgang aufopferungsvoll kämpfte, um sich gegen das drohende Schicksal zu stemmten.


​​Marcel Risse erzielte sieben Minuten vor dem Ende mit einem kuriosen Freistoß-Hammer aus gut 30 Metern den Ausgleich, musste aber nach dem Spiel von Ersatzkeeper Thomas Kessler getröstet werden. "Es ist eines der traurigsten Tore, die ich geschossen habe", meinte Risse nach dem Spiel am Sky-Mikorfon. Einer der spektakulärsten Treffer in der Karriere des 28-Jährigen blieb bittersüß - der Punkt zum (Über-)Leben in der Bundesliga einfach nicht ausreichend.

Das realisierte auch Nationalspieler und FC-Kapitän Jonas Hector, der knapp zwei Monate vor WM-Beginn einen emotionalen Nackenschlag hinnehmen muss. Hector lief wie Bittencourt und Keeper Timo Horn nach dem Spiel mit Tränen in den Augen über den Platz. 

Für den FC-Schlussmann war es "persönlich ein sehr emotionaler Moment". Als echtes Eigengewächs trifft den gebürtigen Kölner der sich anbahnende Abstieg der Geißböcke besonders. Der 24-Jährige zeigte sich nach dem Spiel begeistert über die Leistung gegen Schalke: "Ich bin heute unheimlich stolz auf diese Mannschaft. Als Fast-Absteiger so eine zweite Halbzeit gegen eine Mannschaft wie Schalke abzuliefern - da fehlen mir die Worte! Viele hängen in der Truppe mit dem Herzen am FC", so Horn.

Der war vor allem gerührt über die Reaktion des Publikums: "Dass man bei einem möglichen Absteiger, der auf dem letzten Tabellenplatz steht, nach dem Spiel in die Kurve geht und applaudiert wird, ist schon unbeschreiblich und sehr emotional. So etwas gibt es nur in Köln.“