Ein Blick auf die gestrige Aufstellung des FC Bayern München beim Auswärtsspiel in Hannover dürfte bei einigen für Irritationen gesorgt haben. Überraschend war jedoch nicht so sehr das ​Debüt von Nachwuchsspieler Lukas Mai, sondern die neue Rolle von Niklas Süle. Der gelernte Innenverteidiger wurde von Jupp Heynckes in das defensive Mittelfeld versetzt und bot in ungewohnter Rolle eine gute Leistung.


132 Bundesligaspiele absolvierte Niklas Süle in seiner jungen Karriere, 130 davon in der Innenverteidigung, seiner angestammten Position. Doch wie bereits beim 4:0-Auswärtssieg in Freiburg, als der 22-Jährige in der Schlussphase für Arturo Vidal eingewechselt wurde, vertraute Jupp Heynckes auch beim gestrigen 3:0-Sieg in Hannover im Mittelfeld auf Süle.


Dort agierte er in der defensiven Rolle und nahm so den eigentlichen Platz von Javi Martinez ein, der für das kommende Duell in der Champions League gegen Real Madrid geschont wurde. Als letzte Instanz vor der Abwehr bot Süle über 90 Minuten eine gute Leistung, weshalb er in der Presse überwiegend gute Kritiken erhielt. Die ​AZ sah den Auftritt Süles "schwerfällig. Steigerte sich, wurde sicherer und versuchte sich gar als Torschütze. Machte seine Sache gut", so die nüchterne Analyse.


Insgesamt sammelte Süle 115 Ballkontakte und war neben seiner Passquote von 90 Prozent auch wieder durch seine körperliche Robustheit präsent. Dank 62 Prozent gewonnener Zweikämpfe war er ein zuverlässiger Rückhalt in der Rückwärtsbewegung. "Wir haben es ab der ersten Minute sehr, sehr ordentlich gemacht. Man darf nicht vergessen, wir haben am Mittwoch ein wahnsinnig wichtiges Spiel, dadurch hat der Trainer wieder viel rotiert. Das war heute sehr gut", wurde Süle nach der Partie auf der ​vereinseigenen Website zitiert.

Bayern Muenchen v Sevilla FC - UEFA Champions League Quarter Final Second Leg

 Niklas Süle (l.) weiß in seinem ersten Jahr in München zu überzeugen und erhält mehr                                                  Spielzeit als zunächst gedacht


Heynckes war mit der Mannschaftsleistung ebenfalls "hochzufrieden. Insgesamt haben wir exzellenten Fußball gespielt." Die Spieler seien "topfit, egal wer spielt, egal auf welcher Position. Es ist wichtig, dass wir im Fluss bleiben, nicht nachlassen und uns noch steigern können. Wenn man ein Champions-League-Spiel vor der Brust hat, ist es immer wichtig, dass man in der Liga gewinnt."


Auch wenn sich Süle in den wichtigen Partien hinter Boateng und Hummels einreihen muss, blickt er gespannt auf die kommenden Aufgaben: "Jetzt kommen die großen Spiele, die wirklich Spaß machen. Dafür bin ich zum FC Bayern gekommen. Dass ich so etwas in meiner ersten Saison bei Bayern erleben darf, ist natürlich großartig. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir erfolgreich sind und auch das DFB-Pokalfinale gewinnen", so der 22-Jährige laut ​AZ


Nach dem Heimspiel gegen Real Madrid empfangen die Bayern am kommenden Samstag Eintracht Frankfurt. Gegen die Mannschaft des baldigen Trainers, Niko Kovac, wird Heynckes möglicherweise erneut rotieren - und Süle eventuell wieder im defensiven Mittelfeld überzeugen.