​Sind die Tage von Yann Sommer bei Borussia Mönchengladbach gezählt? Das Verhältnis zwischen dem Keeper und den eigenen Fans ist zerrüttet. Immer wieder musste sich der Schweizer zuletzt Anfeindungen gefallen lassen. Wie schwer wiegt diese Situation? Zwei ehemalige Keeper der Gladbacher nehmen den Schlussmann in Schutz.


"Da hat es einige Ausdrücke gegeben, die sich nicht gehören. Das tut unserem Torhüter nicht gut, und das ist natürlich auch ein Thema in der Kabine", so VfL-Coach Dieter Hecking nach dem 2:1-Sieg(!) seines Teams über Hertha BSC, als Gladbach-Anhänger den Rasen betraten und den eigenen Torhüter beschimpften.

Auch an Sommer geht die Situation nicht spurlos vorbei: "Wir haben nicht gut gespielt. Alle wissen, dass die Leute unzufrieden sind. Wir sollten versuchen, in den verbleibenden vier Spielen mit einem guten Gefühl in die Pause zu kommen."


Vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg spekuliert die WAZ, dass sich der schweizerische Nationalkeeper nicht wie üblich vor der Nordtribüne, sondern auf der anderen Seite aufwärmen wird, um der eigenen Fan-Kurve nicht zu nahe zu kommen. Eine Situation, die an Absurdität kaum zu überbieten ist. Absolviert Sommer nun seine letzten vier Spiele im Kasten der Fohlenelf?

Die Fans suchen einen Sündenbock für die sportliche Talfahrt. Bei 48 Gegentoren (die drittmeisten in der Liga) liegt es nahe, sich auf den Torwart zu stürzen. Ein Unding, meint auch Ex-Gladbach-Keeper Jörg Stiel: "Das sind traurige Gestalten. Sie schiessen sich warm, befriedigen in der Kurve mit ihrem Benehmen ihr Ego. Weil sie ein mittelmässiges bis unterdurchschnittliches Leben führen, welches sie selbst verursachen", so der 50-Jährige in einem Interview mit dem Schweizer Blick. "Ich denke, das sind drei, vier Menschen, allerhöchstens zehn. Das wird Yann wegstecken."


Vereinslegende Wolfgang Kleff, fünfmaliger Deutscher Meister mit den Fohlen, nahm im selben Gespräch auch die Mannschaftskollegen Sommers in die Pflicht: "Yann hat aber massenhaft Fehler seiner Kollegen korrigiert mit einer Parade. Ich sehe das Problem eher in der ganzen Mannschaft", so der Ex-Keeper. "Von außen habe ich den Eindruck, dass ihr der Mumm fehlt, sich zu wehren. Yann Sommer wird auch dann und wann alleine gelassen. Es fehlt vielen Spielern im Moment das Selbstvertrauen."


​Der Vertrag des 29-Jährigen Schlussmanns läuft noch bis 2021. Bisher gibt es keine Gerüchte über einen Vereinswechsel. Sollte sich die Situation aber nicht beruhigen, wird sich der Torhüter diesem Druck wohl nicht mehr lange aussetzen wollen.