Ottmar Hitzfeld ist davon überzeugt, dass Niko Kovac der passende neue Bayern-Trainer ist. Der 69-Jährige lobt dessen "hervorragenden Charakter" und hebt Kovac' Bayern-Vergangenheit hervor. Zu Sportdirektor Hasan Salihamidzic habe er schon ein "super Verhältnis" gehabt, als beide unter Hitzfeld beim Rekordmeister spielten. Die Trainer-Ikone warnte aber auch vor drei Problemstellen, die auf Kovac zukommen.


​Er muss es ja wissen: Ottmar Hitzfeld kennt die neue sportliche Führungsriege beim FC Bayern ganz genau. Zwischen 2001 und 2003 spielten Sportdirektor Hasan Salihamidzic und der künftige Coach Niko Kovac gemeinsam unter der Trainer-Ikone beim Rekordmeister. "Niko war damals wie Hasan Salihamidzic: Beide sind Teamplayer mit einem hervorragenden Charakter. Sie hatten schon ein super Verhältnis, als sie meine Spieler waren“, erklärt der 69-Jährige gegenüber der Sportbild die Freundschaft zwischen den beiden.

Die Entscheidung für ​Niko Kovac als neuen Bayern-Trainer sei aber nicht nur wegen der besonderen Beziehung zu Salihamidzic vielversprechend. "Bayern hat aus meiner Sicht eine gute Wahl getroffen. Er kennt den Druck bei Bayern als Spieler und die Menschen Hoeneß und Rummenigge", sieht Hitzfeld den Vorteil in Kovacs Münchener Vergangenheit. "Er kennt das Umfeld, die Erwartungshaltung, auch den Druck. Das sind wichtige Faktoren“, so Hitzfeld weiter. Er sei sich sicher, dass der Schritt für Kovac von der Seitenlinie in Frankfurt zum Rekordmeister zu wechseln, nicht zu groß ist. 

FUSSBALL: UEFA SUPERCUP 2001, FC BAYERN MUENCHEN - FC LIVERPOOL 2:3

Niko Kovac (l.) mit Trainer Hitzfeld (2. v. l.), Hasan Salihamidzic (2. v. r.) und Bruder Robert Kovac (r.) nach dem verlorenen Supercup-Finale 2001 gegen den FC Liverpool



Kovac habe schon als Spieler besondere Eigenschaften ausgezeichnet: "Mich beeindruckte, dass er ein Leader war, obwohl er keinen Stammplatz hatte. Er hat von der Bank die Spieler immer angespornt, er ist charakterlich einwandfrei", befindet der 69-Jährige.


Hitzfeld sieht drei Problemfelder auf Kovac zukommen


Hitzfeld warnte aber auch vor den Problemstellen bei den Bayern. Die größte seien die beiden Altmeister Arjen Robben und Franck Ribery, die ihre Verträge in München um ein weiteres Jahr verlängern sollen. "Es ist für einen Trainer eine undankbare Aufgabe, wenn man Leistungsträger hat, deren Karriereende in Sicht ist. Diese dann auch mal auf die Bank zu setzen, ist nicht einfach“, glaubt der ehemalige Bayern-Coach. Kovac sei aber durchaus in der Lage das zu moderieren: "Damit dich Spieler akzeptieren, brauchst du kein bestimmtes Alter oder viele Titel: Es geht um das konsequente Auftreten. Das wird Niko Kovac mit Überzeugung und menschlichen Qualitäten machen“, ist sich Hitzfeld sicher.

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Nach Meinung von Hitzfeld die drei "Problem-Spieler" für Kovac: Lewandowski (l.), Robben (m.) und Ribery (r.)



Ein wichtiger Erfolgsfaktor für den 46 Jahre alten künftigen Bayern-Trainer sei es auch, Torjäger Robert Lewandowski von einem Verbleib zu überzeugen. Der ​Pole kokettiert seit geraumer Zeit mit einem Wechsel zu Real Madrid - trotz seines laufenden Vertrages bis 2021. Es liege auch an Kovac, bei diesem Thema keine Unruhe aufkommen zu lassen, glaubt Hitzfeld.


Der sieht auch Konfliktpotenzial im Umgang mit den Vereinsbossen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Vor allem in der Beziehung Mannschaft-Trainer-Vereinsführung. Diesen Spagat, an dem einige Vorgänger gescheitert sind, müsse Kovac hinbekommen. Ein möglicher Triple-Gewinn und die große Anerkennung für Jupp Heynckes machen das aber nicht unbedingt leichter.