Bei Borussia Mönchengladbach will man eine höchst durchwachsene Saison im Sommer aufarbeiten. Die Anhänger sind verärgert über die leidenschaftslosen Auftritte der Fohlen. Manager Max Eberl hat das Problem bereits erkannt: Er will zur neuen Saison einen Führungsspieler á la Martin Stranzl oder Granit Xhaka verpflichten, prognostiziert aber, dass das schwierig werden wird.


Am Niederrhein gibt es im Sommer viel zu tun: Die Fohlen drohen die aktuelle Saison im Bundesliga-Mittelmaß zu beenden und damit zum zweiten Mal in Folge die europäischen Plätze zu verpassen. Gladbach-Manager Max Eberl hatte zuletzt angekündigt, nach der Spielzeit die Situation bei der Borussia genau analysieren zu wollen.


Auf der Agenda steht dann neben der Zukunft von Trainer Dieter Hecking, der in sein letztes Vertragsjahr geht, auch die Planung des Kaders. Es werden dringend Nachbesserungen benötigt - das machte die laufende Spielzeit deutlich. Zum einen, weil die Fohlen auf manchen Positionen dünn besetzt sind und so nicht auf Verletzungen und Formschwächen reagieren konnten. Zum anderen fehlt ein echter Leader im Team.


Das monierten auch die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung am Montag. Dort ließen sie ihrem Frust über die sportliche Situation freien Lauf. Vor allem die oftmals leblosen Auftritte der Mannschaft standen im Kreuzfeuer der Kritik. Seit dem Abgang von Granit Xhaka und dem Karriereende von Martin Stranzl fehlen dem Team Führungsfiguren, die in schlechten Phasen die Ärmel hochkrempeln. 

VfL Borussia Moenchengladbach v Hamburger SV - Bundesliga

Schmerzlich vermisstes Führungsduo: Die Ex-Gladbacher Martin Stranzl (l.) und Granit Xhaka (r.)


Dem ist sich auch Eberl bewusst: "Es ist unser Ziel, im Sommer einen Führungsspieler mit der Mentalität von Xhaka oder Stranzl zu verpflichten. Das wird schwierig - aber wir werden es versuchen”, wird er von der Bild zitiert. Im Kader tummeln sich derzeit viele junge, talentierte Spieler. Etwa die beiden Sommer-Neuzugänge Denis Zakaria und Mickaël Cuisance. An den beiden lässt sich das unterdurchschnittliche Abschneiden in der Bundesliga sicherlich nicht festmachen. Es zeigt aber das Dilemma am Niederrhein.

Neben Kapitän Lars Stindl sucht man nach einem Spielertypen wie Xhaka oder Stranzl im Aufgebot vergeblich. Während der Nationalspieler in dieser Saison oft genug mit sich selbst zu tun hat, sind etwa die beiden Weltmeister Matthias Ginter oder Christoph Kramer nicht die lautstarken Typen, die Gladbach gut zu Gesicht stehen würden.


Stindl und Sommer sehen Mannschaft in der Pflicht


Das sieht auch Stindl so: "Ich glaube, dass man solche Persönlichkeiten immer gebrauchen kann. Aber wir haben auch Potenzial und Tugenden im Team, kriegen das leider im Moment nicht so auf den Platz.” Torhüter Yann Sommer stimmt ein: "Wir haben gute Charaktere im Team, die das stemmen können - auch stemmen müssen. Aber wir haben natürlich auch viele junge Spieler, die da erst reinwachsen müssen." 


Der Schweizer kann zwischen den Pfosten nicht den großen Einfluss auf seine Vorderleute nehmen, nimmt sich und die älteren Kollegen aber in die Pflicht: "Natürlich sind wir Spieler mit mehr Erfahrung jetzt verantwortlich, die Mannschaft zu führen. Wir müssen es schaffen, dass der ​Funke wieder vom Platz zum Publikum überspringt”, meint der 29-Jährige.


Schon am Freitag müssen Sommer und Co. ihren Worten Taten folgen lassen. Nach dem 1:5-Debakel in München will Gladbach​ im Borussia-Park gegen den VfL Wolfsburg Wiedergutmachung betreiben (20.30 Uhr). Eine Mini-Chance auf die Europa League gibt es schließlich immer noch. Und auch wenn das nicht gelingen sollte - mit guten Leistungen und Ergebnissen im Endspurt gehen die Analysen in der Sommerpause sicherlich leichter von der Hand.