Mit der Verpflichtung von Markus Anfang beantworteten die Verantwortlichen des 1. FC Köln jene Frage, die bereits vor geraumer Zeit in den Medien beantwortet wurde. Der gebürtige Kölner freut sich über die Rückkehr in seine Heimat und hofft auf eine erfolgreiche Zukunft. Doch ist er der richtige Mann für den akut abstiegsgefährdeten Traditionsverein?


Der 1. FC Köln hat mit der ​Verpflichtung von Markus Anfang als neuer Cheftrainer ab der kommenden Saison die Weichen für die Zukunft gestellt​. Der 43-Jährige entschied sich unabhängig davon, ob die Domstädter in der kommenden Saison in der ersten oder zweiten Bundesliga antreten werden, für die "neue Herausforderung" und wird es daher verpassen, gemeinsam mit den 'Störchen', sofern der Aufstieg gelingen sollte, mindestens ein Jahr im Oberhaus zu verbringen. 

Holstein Kiel v SG Dynamo Dresden - Second Bundesliga

        Will den nächsten Schritt gehen: Markus Anfang, bald Trainer des 1. FC Köln



Er sei nun mal Kölner, so Anfang laut kicker. "Mir muss also niemand erklären, was es bedeutet, für diesen großartigen Traditionsverein mit diesen Fans zu arbeiten. Unabhängig von der Liga", führte er fort. Laut eines Berichts der ​SHZ sei es für Anfang "etwas Besonderes, in meine Heimat zurück zu kehren und bei einem Traditionsverein wie dem 1. FC Köln als Trainer tätig zu sein." Er "freue" sich schlichtweg auf die Herausforderung.


Anfangs bisherige Bilanz verspricht Positives


Beim 1. FC Köln freut man sich ebenfalls auf die künftige Zusammenarbeit. Anfang sei "ein Trainer, der einer Mannschaft erkennbar eine Handschrift mit auf den Weg geben kann. Das hat er in Kiel bereits unter Beweis gestellt", so Geschäftsführer Armin Veh, der auf die bisherige Rückrunde, in der Holstein Kiel lediglich drei Mal als Sieger vom Platz ging, hinwies: "Gerade in der Rückrunde hat er gezeigt, dass er auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich arbeiten kann und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt."

1. FC Koeln v Hamburger SV - Bundesliga

   In der Vergangenheit waren Peter Stöger und Jörg Schmadtke (v.l.) die Gesichter des                              'Effzeh' - Bilden Anfang und Veh die nächste Generation?



Eben jene Ruhe zeichnete die Kölner in den vergangenen Jahren durch die Zusammenarbeit von Peter Stöger und Jörg Schmadtke aus. Beide brachten den Verein nach dem letzten Abstieg im Jahr 2012 wieder auf die richtige Spur, schafften den Wiederaufstieg und etablierten die Mannschaft Jahr für Jahr in der Bundesliga. Im Herbst vergangenen Jahres ließ die Vereinsführung jene Gelassenheit missen und fiel wieder in alte Muster zurück. Gemeinsam mit Anfang will Veh möglicherweise eben jene Harmonie zurückerlangen, wie sie einst unter Stöger und Schmadtke vorherrschte. 


Die sportliche Bilanz des 43-Jährigen kann sich jedenfalls sehen lassen. In seinen 145 Partien als Trainer des SC Kapellen-Erft, der U17 von Bayer Leverkusen und Holstein Kiel erlangte er 84 Siege bei 40 Unentschieden, 21 Niederlagen, was einem Punkteschnitt von rund zwei Zählern pro Spiel entspricht. Besonders ragt die defensive Stabilität hervor, die den Angriff jedoch kaum beeinflusst: Das Torverhältnis von 292:123 Toren in allen Partien spricht für sich. Aktuell ist Holstein Kiel mit 58 Toren das treffsicherste Team der zweiten Liga, mit 37 Gegentoren stellen die 'Störche' immerhin die sechstbeste Defensive.


Eingespieltes Team - Anfang entwickelt Spieler weiter


Das System passt er dabei auf die Mannschaft an: In Leverkusen variierte er ab und an zwischen einer Dreier- und einer Viererkette, in Kiel hingegen wechselte er rasch von einem 4-3-3 auf ein 4-1-4-1, welches er nur in Ausnahmefällen ändert. Auf Rotation setzt er dabei nur selten: 13 Spieler aus dem 28-Mann großen Kader kommen auf über 20 Einsätze, sieben davon auf mindestens 30. Anfang setzt auf eine eingespielte Formation, die er nur im Notfall abzuändern vermag.


Dabei schafft er es auch, Spieler weiterzuentwickeln. Das vermutlich beste Beispiel hierfür ist Marvin Ducksch: Die Kieler verpflichteten den 24-Jährigen im Januar 2017 auf Leihbasis, im Sommer wird er voraussichtlich zum FC St. Pauli zurückkehren. Denn unter Anfang blüht er auf, kommt in 49 Partien für die 'Störche' auf 22 Tore und 13 Vorlagen. Allein in der laufenden Saison traf Duksch in der Liga 16 Mal und ist kaum aus der Startaufstellung wegzudenken. Auch Spieler wie Dominick Drexler oder Kingsley Schindler konnten ihre Leistungen aus dem vergangenen Aufstiegsjahr bestätigen, wenn nicht sogar steigern.

1. FC Heidenheim 1846 v Holstein Kiel - Second Bundesliga

                Avanciert unter Anfang zum Torjäger: Stürmer Marvin Ducksch



Für die Kieler waren es zuletzt turbulente Jahre. Nach dem verpassten Aufstieg in der Saison 2014/15, als man sich 1860 München in der Relegation geschlagen geben musste, landete die Mannschaft unter dem damaligen Trainer Karsten Neitzel nur auf Platz 14. Unter Anfang gelang der direkte Aufstieg und in der zweiten Liga macht man bis dato da weiter, wo man in der letzten Saison aufgehört hat - ähnlich wie einst Darmstadt 98 unter Dirk Schuster.


In den kommenden Jahren wird der 1. FC Köln aufgrund des voraussichtlichen Abstiegs und den damit verbundenen ​Abgängen vieler Leistungsträger einen Trainer brauchen, der eine Mannschaft nicht nur führen, sondern auch weiterentwickeln kann. Jenen Arbeitsnachweis hat Markus Anfang binnen zwei Jahren in Kiel erbracht. Auch als Trainer der U17 von Bayer Leverkusen konnte er sich beweisen, eines der größten Talente war damals Kai Havertz, der mittlerweile 59 Pflichtspiele für die Profis absolviert hat.