Mit den Abgängen von Felix Klaus und Salif Sané wird für Horst Heldt und Hannover 96 die kommende Transferperiode wieder zu einer Herkulesaufgabe.


Hannover braucht gute und billige Spieler, kann sich aber weder im ersten, noch im zweiten Regal bedienen.


Wäre der Profifußball ein Supermarkt, würden die Bayern in der Feinkost-Abteilung shoppen, Dortmund und Schalke auf Augenhöhe und Hoffenheim knapp darunter.


Für 96, Mainz und Co. bleibt da nicht mehr viel übrig. Vielleicht ein Start-Up-Drink, der noch nicht so ganz fruchtete. Oder einfach gesagt: Ein Produkt für die Durchschnitts-Familie.


Zuletzt schaffte Hannover diesen Spagat mit einer befriedigenden B-Note. Korb, Schwegler und Ostrzolek zeigen nach dem Wechsel an die Leine wieder ansprechende Leistungen und Flitzer Bebou lässt sein großes Potenzial schon in der ersten Saison aufblitzen.


Will Hannover aber auch im zweiten Bundesliga-Jahr sorgenfrei spielen, muss das Transfer-Zeugnis von Horst Heldt in der kommenden Saison mindestens an der Note 2 kratzen.


Kann 96 den Verlust von Defensiv-Mauer Sane und Wirbelwind Klaus nicht kompensieren, drohen am Maschsee unruhige Zeiten. Der Wegfall von Sané stellt Hannover vor arge Probleme und erinnert in der Bedeutung stark an den Wechsel von Lars Stindl vor drei Jahren.


Damals konnte 96 das Vakuum im offensiven Mittelfeld nicht schließen und stieg am Ende der Saison ab.


Was bei Stindl schon zum Tragen kam, setzt sich auch bei Sané fort: Beide Publikumslieblinge nutzten ihre Ausstiegsklauseln.


Waren es bei Stindl 2015 nur lumpige drei Millionen, erhalten die Roten für Sane immerhin acht Millionen Euro. Besonders viel haben die Hannoveraner damit aber nicht in der Hand – erst recht nicht bei der aufgepumpten Marktlage.


Horst Heldt ist also gefordert und muss mit weniger Geld für gleichviel Qualität sorgen. Wie schwierig dieses Unterfangen sein kann, zeigt der Fall Jonathas: 96 zahlte für den brasilianischen Stürmer die Rekordablöse von neun Millionen Euro und erhoffte sich so eine Lebensversicherung á la Anthony Modeste. Mit diversen Verletzungen und Leistungsschwankungen konnte Jonathas jedoch nur bedingt weiterhelfen. Statt des Brasilianers rettete 96 vielmehr das Gesamtkonstrukt und der Teamspirit. 


Ob Heldt wie gewohnt auf Eigengewächse der Bundesliga zurückgreifen kann, ist unsicher. Schon allein die Marktwerte von Vergleichsspielern wie Johannes Geis (FC Sevilla) und Josuha Guilavogui (VfL Wolfsburg) liegen bei acht und sieben Millionen Euro.