Der FC Schalke 04 hat nach dem gewonnenen, aber kräftezehrenden Derby gegen Borussia Dortmund keine Zeit, zu regenerieren. Das Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt steht vor der Tür. Domenico Tedesco und Christian Heidel präsentierten sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Mittwoch mit breiter Brust.


Die Wochen der Wahrheit beim FC Schalke 04. Nach dem gewonnenen Revierderby konnten die 'Knappen' ihren Anspruch im Pott untermauern und zugleich den zweiten Platz in der Bundesliga zementieren. Allzu lange dürfte die Feier am Sonntagabend jedoch nicht gedauert haben, da am Mittwoch bereits das DFB-Pokalhalbfinale gegen Eintracht Frankfurt auf dem Programm steht. "Es ist natürlich schön, wenn man ein Derby gewinnt und drei Tage später schon wieder ein starkes Spiel wartet. Gegen eine starke Mannschaft. Unsere Brust ist natürlich breit", freute sich Trainer Tedesco trotz des straffen Zeitplans auf die kommende Aufgabe. Warnte aber auch vor zu großer Eurphorie: "Wir müssen [...] höchst konzentriert in das Spiel gehen."


Personell kann Tedesco gegen die Eintracht aus den Vollen schöpfen: "Wir haben keine Blessuren aus dem Derby." ​Und auch ein Einsatz von Breel Embolo, der das Derby verletzt verpasste, liegt im Rahmen des Möglichen. Wie viel Tedesco rotieren wird, steht noch aus, Sorgen um die Fitness seiner Spieler macht er sich trotz intensivem Derby nicht: "Wir haben Vollgas gegeben, ein paar Körner hat das schon gekostet, aber die Spieler sind fit und top motiviert. Die Spieler hatten gestern nach einer Regenerationszeit frei und heute trainieren wir. Es gilt, die richtige Mischung zu finden und es gibt ja auch Spieler, die nicht im Einsatz waren. Ehrlich gesagt weiß ich aber noch nicht, wie viel wir rotieren werden. Eintracht spielt sehr robust und kommt viel über die Zweikämpfe. Wir brauchen also viel Kraft, aber nicht nur."


Welche Rolle spielt das Wechsel-Drama um Niko Kovac?


Tedesco, der als akribischer 'Laptop-Trainer' eingestuft wird, will sich wie schon im Derby von Momenten und Instinkten leiten lassen, sollte das Spiel bis ins Elfmeterschießen kommen: "Auch da habe ich mir, ehrlich gesagt, noch gar keine Gedanken gemacht. Wir sind bislang gut damit gefahren, solche Dinge vor Ort zu klären. Die, die sich gut fühlen, sollen schießen. Jemanden zu verpflichten, kann nach hinten los gehen", sagte der junge Übungsleiter. Dabei ist zumindest eine Verlängerung im Hinblick auf die starke Eintracht-Defensive auf jeden Fall möglich. "Die Eintracht bekommt grundsätzlich nicht viele Gegentore und kann viel das System wechseln. Oftmals sind es auch nur unglückliche Gegentore. Diese Saison zeigt, dass die vergangene kein Zufall war und wir müssen genau hinschauen, wenn wir Schwächen finden wollen."

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Gelingt Domenico Tedesco nach dem Derby-Sieg das nächste Meisterstück?



Während man auf Schalke mit Trainer Domenico Tedesco höchst zufrieden ist, ist das Verhältnis zwischen Trainer und Verantwortlichen in Frankfurt angeknackst, da Niko Kovac am Ende der Saison zum FC Bayern München wechseln wird. Schalke-Manager Christian Heidel will die Unruhen bei der SGE jedoch nicht zu hoch einschätzen. "Wir sind uns ganz, ganz sicher, dass wir aufgrund der Trainer-Thematik nicht auf einen verunsicherten Gegner treffen - leider", verkündete der ehemalige Mainzer auf der Pressekonferenz. "Ich war gestern ja auf der Manager-Tagung und es ging friedlich zwischen Bobic und Salihamazic zu, die sogar nebeneinander saßen. Vielleicht hätte man schon vorher einmal zum Telefon greifen können. Aber ich glaube, dass zwischen den beiden alles ausgeräumt ist."


Goretzka braucht keine "Extra-Motivation" 


Ein Spiel der besonderen Art wird es auch für Leon Goretzka, der im Sommer ebenfalls zum FC Bayern wechselt und somit in Niko Kovac auf seinen zukünftigen Trainer trifft. Auch das will man auf Schalke aber nicht überbewerten: "Leon braucht keine Extra-Motivation", sagte Tedesco. "Er brennt für die Aufgaben und er hat sich enorm über den Derbysieg gefreut. In der Kabine hat er lange und deutlich gestrahlt, es sind kleine Zeichen, die zeigen, wie sehr er noch dabei ist." Voll im Saft steht der deutsche Nationalspieler nach seiner Verletzungspause jedoch noch nicht: "Er hat gegen den BVB am Limit gespielt, am Ende fehlten ein paar Körner. Aber ihm fehlte nach längerer Zeit der Rhythmus, den er jetzt mehr und mehr bekommt."


Am Dienstagabend können sich die 'Knappen' trotz der Anspannung vor dem K.O.-Spiel jedoch noch zurücklehnen und das andere Halbfinale zwischen dem FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen verfolgen. Ans Finale denkt man auf Schalke noch nicht. "Ich werde es mir natürlich anschauen, weil zwei Top-Teams aufeinander treffen. Bayern spielt sowieso gut und Heiko Herrlich macht in Leverkusen einen hervorragenden Job, da macht es Spaß, zuzuschauen. Aber ich schaue es mir nur deswegen an und nicht wegen eines möglichen Final-Gegners", schmunzelte Domenico Tedesco, der am Mittwoch erneut unter Beweis stellen kann, dass auf Schalke etwas Großes heranwächst.