Julian Weigl ist eines der größten Juwele von Borussia Dortmund. Der 22-Jährige überzeugt durch seine Qualitäten im Aufbauspiel, die er schon früh in seinem ersten Jahr unter Thomas Tuchel unter Beweis stellte, doch aktuell hat der fünffache Nationalspieler mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sprach Weigl über seine derzeitige Form und die Rolle von Tuchel in seiner Entwicklung.


Am 30. Spieltag dieser Bundesliga-Saison ist es wieder so weit: Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 elektrisiert für 90 Minuten das Ruhrgebiet und verpasst auch den Akteuren auf dem Platz eine zusätzliche Portion Motivation und Anspannung, wie Julian Weigl offenbarte: "Die Motivation ist ja immer hoch. Dann noch Derby, die Erinnerungen an das 4:4 im Hinspiel. Wir wissen genau, was diese Begegnung unseren Fans bedeutet. Und mit einem Sieg wären wir wieder vor Schalke. Das muss unser Ziel sein."

Borussia Dortmund v FC Schalke 04 - Bundesliga

    4:0 nach 26, 4:4 nach 90 Minuten - das jüngste Revierderby bleibt den Fans des BVB                                                          nur ungerne in Erinnerung



Vom völlig verrückten Hinspiel im Signal Iduna Park, ​als der BVB eine 4:0-Pausenführung verspielte und der heimliche Verlierer des Prestigeduells wurde, wolle man sich jedoch nicht blenden lassen. Stattdessen gehe es um wichtige Punkte im Kampf um die Qualifikation für die Champions League: "Es wäre ein weiterer Schritt", so Weigl. Für die zuletzt eher schwach auftretende Mannschaft des BVB gehe es darum, sich "kleine Erfolgserlebnisse zu holen, auf denen man aufbauen kann. Beim Derby können wir als Mannschaft viel gewinnen."


Tuchel als großer Förderer 


Doch neben den Resultaten der Mannschaft stehen auch einzelne Spieler immer wieder in der Kritik - darunter auch Julian Weigl. Der defensive Mittelfeldspieler bestreitet seine dritte Saison in Dortmund, gleichzeitig wohl auch die schwierigste. Auf seiner Position soll er durch sein Passspiel gefährliche Angriffe einleiten und seine technischen Stärken zum Ausdruck bringen. 


"Es ist sicher schwieriger, die Leute wieder von sich zu überzeugen, wenn man keine Tore schießt oder knackige Grätschen setzt. Aber das war nie mein Spiel, und ich werde jetzt auch nichts künstlich inszenieren", so Weigl. Um wieder zu alter Stärke zurückzufinden müsse er seine "Automatismen und sein Gefühl fürs Spiel wiederfinden." Doch selbst dann bestehe die Gefahr, nicht gleich wieder die dieselbe Anerkennung wie in seinem ersten Jahr zu erhalten. 

1899 Hoffenheim v Borussia Dortmund - Bundesliga

        Julian Weigl absolvierte in seinem ersten Jahr in Schwarz-Gelb 51 Pflichtspiele



Dabei sei er sich zunächst nicht sicher gewesen, ob er in Dortmund auf Anhieb den Durchbruch schaffen würde: "Ich wusste zwar, was ich kann, trotzdem habe ich erst mal gestutzt und gedacht: Ob ich das wohl schaffe bei so einem Topklub, ob das nicht zu früh kommt?" Doch speziell Ex-Trainer Thomas Tuchel habe in der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle gespielt: "Ich hatte schnell das Gefühl, dass sich die Verantwortlichen und der damalige Trainer Thomas Tuchel intensiv mit mir auseinandergesetzt haben. Ich wusste bald: Das ist ein Abenteuer, aber die haben da Lust auf mich. Das will ich machen."


Er habe früh gemerkt, dass der 44-Jährige, ​der Medienberichten zufolge im Sommer neuer Trainer von Paris St. Germain wird, viel Potenzial in ihm sehe. "Es ist ja bekannt, dass Thomas Tuchel besonders perfektionistisch ist, und speziell von mir wollte er immer das Beste sehen. Er konnte dann auch laut und deutlich werden, wenn im Training mal ein Pass verrutscht ist." Zwar würde man als Spieler zunächst darüber hinwegsehen, doch eben jener Perfektionismus von Tuchel habe Weigl in seiner Entwicklung geholfen: "Es war vielleicht genau der Pass, den er für wichtig hält, und hinterher merkt man schon, wie wichtig diese Akribie für die eigene Entwicklung ist."


Ringen nach alter Stärke


Insgesamt sei Tuchel "sehr anspruchsvoll", so Weigl, doch ein Problem habe er mit ihm nie gehabt: "Ich bin mit ihm immer sehr gut ausgekommen. Und ich habe viel gelernt." Doch in diesem Jahr stockt es ein wenig, was besonders mit der Zeit unter Peter Bosz zusammenhänge: "Zu Beginn dieser Saison war es kompliziert, ich war verletzt, und unter Peter Bosz gab's völlig neue Aufgabenstellungen. Am Anfang lief ja alles gut, aber als es auf einmal bergab ging, kam ich nach langer Verletzung in eine Mannschaft, die mit sich zu kämpfen hatte." 


Peter Stöger, der die Mannschaft voraussichtlich nur noch bis zum Saisonende betreut, gebe ihm jedoch wieder mehr Freiheiten. Weigl: "Mir kommt das entgegen." Dennoch brauche der 22-Jährige Zeit: "Es gibt zwar wieder Momente, in denen ich merke, dass der alte Flow zurück ist, dass die Zeit im Spiel schnell vergeht, weil alles selbstverständlich ist. Es sind aber noch zu viele Schwankungen da. Mein Ziel ist, den Leuten zu zeigen: Ich bin wieder da!"