Der 1. FC Köln steht auf eigenem Wunsch mit dem chinesische Club FC Liaoning in Kooperation. Das ist bereits bekannt. Nun gab der Südkurve 1. FC Köln-Zusammenschluss bekannt, dass man der Partnerschaft aber generell kritisch gegenübersteht. Die Bedenken gründen sich in der Furcht davor, dass der Club seine Identität und Werte zu leicht aufgeben könnte.


Seit Anfang der Saison 2016/17 steht der 1. FC Köln mit dem chinesischen Club in Verbindung. Grund für diese Kooperation war es, die Internationalisierungspläne auf dem asiatischen Markt voranzutreiben. Hierfür reiste der Bundesligist im Mai 2017 für vier Tage nach China, um unter anderem ein Testspiel gegen den Kooperationspartner zu bestreiten. Zudem arbeiten die beiden Teams aktuell in den Bereichen Jungendarbeit und Trainerausbildung eng zusammen. 


Die Südkurve meldete sich nun bezüglich dieser Kooperation zu Wort. Grund für die Stellungnahme könnte unter anderem die aktuelle viertätige Reise des FC-Vizepräsidenten Toni Schumacher und Geschäftsführer Alexander Wehrle sein, die dort neben Fußball auch geschäftlich für den Club unterwegs sind. Erst gestern bezeichnete Wehrle China als eine der drei Zielmärkte des DFB. Doch spätestens nach dem Besuch einer chinesischen Regierungsdelegation im Geißbockheim und im Müngersdorfer Stadion sehen sich die Verantwortlichen des Südkurven-Zusammenschlusses gezwungen, ihre Bedenken zu äußern. 


"Es steht fest, dass sich die Verantwortlichen des 1. FC Köln dazu entschieden haben, aus wirtschaftlichen Gründen verstärkt mit chinesischen Institutionen zu kooperieren.

Statt in diesem Kontext jedoch für Werte wie 'Demokratie' und 'Toleranz' einzustehen, setzen die Verantwortlichen die Identität des 1. FC Köln leichtfertig aufs Spiel. Wir stimmen mit dem Vorsitzenden unseres Mitgliederrates vollkommen darin überein, dass 'China (…) eine brutale Diktatur' ist. Diese Kritik stößt bei den Verantwortlichen jedoch auf taube Ohren bzw. wird nicht ernst genommen. Hinzu kommt die Wahl von Britta Heidemann in den Aufsichtsrat, deren Position gegenüber dem chinesischen System mehr als fragwürdig erscheint", heißt es dazu in der Stellungnahme des Südkurve 1. FC Köln e.V..


Des weiteren kritisieren sie stark die aktuelle Politik des Landes, wie zum Beispiel die Verfassungsänderung, die erst im März verabschiedet wurde und China in ein diktatorisches Land verwandelt, wie Kritiker behaupten. Dass der Verein durch ihre wirtschaftlichen und sportlichen Kooperationen diese Aspekte positiv darstellen will, sehen die Verantwortlichen des Zusammenschlusses als naives Unternehmen an. "Vielmehr stützt man das aktuelle Regime durch solche Aktivitäten. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass von chinesicher Seite Testspiele ihrer Nationalmannschaft aufgrund der Präsentation tibetischer Fahnen abgebrochen worden sind", so weiter in der Stellungsnahme. 


Dieses Verbot der chinesichen Regierung gegenüber der Nationalmannschaft sehen die Verantwortlichen der Südkurve besonders bedrohlich. Laut ihnen hat China das Recht auf Meinungsfreiheit verletzt. "Nicht nur, dass ein Bekenntnis zur Meinungsfreiheit obligatorisch sein sollte, so muss auch dieses überaus problematische Vorgehen öffentlich thematisiert werden. In diversen Presseberichten ist zudem schon die Rede davon, dass chinesische Unternehmen und Institutionen Druck auf ihre deutschen Geschäftspartner ausüben, etwaige pro-tibetische Aktivitäten zu unterbinden" so die Anklage. In diesem Zusammenhang weisen sie weiter darauf hin, dass Politik und Fußball nicht zu trennen sind. Stadien seien kein rechtsfreier Ort. "Dies muss insbesondere in diesem Zusammenhang auch für die Meinungsfreiheit gelten. Wirtschaftliche Wachstumsambitionen dürfen nicht jegliche moralischen Mindeststandards unterlaufen. Dies muss insbesondere der Anspruch eines Fußballvereins sein", heißt es weiter in der Stellungnahme. 


Zusammengefasst erwartet der Südkurve 1. FC Köln-Zusammenschluss die Beschränkung der Aktivitäten ihres Clubs auf ein Minimum. Um der Gefahr zu entgehen, dass dem Verein die traditionelle Identität abhanden kommt, verlangen die Verfasser der Stellungnahme vom 1. FC Köln ein klares öffentliches Bekenntnis zu den Werten wie "Demokratie", "Toleranz" und "Meinungsfreiheit".