​Jupp Heynckes überraschte mit seiner Startelf gegen den FC Sevilla durchaus. Denn während mit einer Aufstellung des robusten Arturo Vidal gerechnet werden konnte, war eher erwartet worden, dass James, wie schon äußerst erfolgreich gegen Borussia Dortmund, mit Javi Martínez das Mittelfeld besetzt. Prompt überraschte Heynckes mit Thiago Alcántara, was auch andeutete, dass der Trainer seine potenzielle 'Triple-Elf' noch nicht gefunden hat.


Jupp Heynckes ist ein stolzer Mann, der sensibel auf Lob reagiert und in seiner Trainerkarriere äußerst viele Misserfolge erlebt hat. Da wären Entlassungen als Trainer, Morddrohungen in seiner Heimat Mönchengladbach, ein Vize-Triple mit dem FC Bayern München oder auch ein Rausschmiss in Madrid trotz Champions-League-Titel. Vielleicht konnte er nur deshalb letzten Endes der erste deutsche Trainer werden, der das Triple gewann.

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Südamerikaner unter sich: Eine erste Elf des FC Bayern scheint nur mit dem Chilenen oder dem Kolumbianer möglich zu sein.



Heynckes weiß, wie er mit seinen Spielern und auch mit den Medien umzugehen hat. "Das Triple in diesem Jahr zu gewinnen, wäre eine Sensation", so oder so ähnlich hatte sich der 72-Jährige geäußert. Es sei bis dahin noch viel Arbeit. Der Trainer stapelt tief, sorgt dafür, dass niemand mit dem ultimativen Gewinn rechnet und fährt gut damit. Doch er selbst wird sich sicherlich nicht als Ziel ausgegeben haben, nach einem möglichen Halbfinaleinzug in der Königsklasse plötzlich die Arbeit einzustellen, oder im eventuellen Finale des Pokals freiwillig zu resignieren. Heynckes hat bereits gegen PSG gezeigt, dass den Bayern unter seiner väterlichen Führung einiges zuzutrauen ist.


Die "perfekte Elf", die "Triple-Elf", sollte es sie denn geben, hat er indes aber noch nicht gefunden, denn ein Platz ist noch offen. In den großen Spielen sollten Neuer, Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba, Martínez, Müller, Ribéry, Robben und Lewandowski gesetzt sein. Es verbleibt ein Platz für drei Top-Spieler: James, Thiago und Arturo Vidal. Jeder Spieler drückt dem Bayern-Spiel einen völlig anderen Stempel auf. Gleichzeitig verleiht es Heynckes Möglichkeiten, andererseits aber auch Kopfzerbrechen. 

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Zum Abschied das erneute Triple? Noch will Heynckes von diesem Szenario nichts wissen.



Einem Süle, Rafinha, Bernat, Tolisso, Wagner oder Rudy Einsätze in der Liga versprechen, auf Geduld spielen, trösten - das beherrscht der väterliche Heynckes. Doch die Frage "Thiago, James oder Vidal?" ist eine sportliche Frage, eine Frage der Interpretation, die bisher noch ungelöst scheint. Vidal verleiht dem Spiel mehr Robustheit, Thiago strahlt Passsicherheit und technische Feinheit aus. James glänzte zuletzt mit Offensivdrang und starken Standards. Einige Wochen haben Heynckes und Co. noch Zeit für ihre Antwort auf die Startelf-Frage in den 'wirklich wichtigen' Spielen. Und am Ende könnte er das zweite Triple seiner Karriere gewinnen - entgegen aller Erwartungen, die er selbst niedrig gehalten hatte.