Im diesjährigen Viertelfinale der Champions League trafen mit Juventus Turin und Real Madrid die beiden Vorjahresfinalisten aufeinander. Der spanische Titelverteidiger zeigte sich in einem vor allem in der ersten Halbzeit höchst unterhaltsamen Spiel vor dem gegnerischen Tor effektiver, während man in der Defensive sicher stand. Weltfußballer Ronaldo machte durch seine herausragende Leistung erneut den Unterschied und öffnete bereits im Hinspiel für Real das Tor zum Halbfinale.

​Juve-Trainer Massimiliano Allegri setzte auf eine Viererkette aus De Sciglio, Barzagli, Chiellini und Asamoah. Während im zentralen Mittelfeld Khedira und Bentancur agierten, fanden Douglas Costa und Alex Sandro hinter Dybala und Higuain ihren Platz auf den Flügeln.

Zinedine Zidane hingegen setzte auf dieselbe Startelf wie im vergangenen Champions League Finale von Cardiff mit Marcelo, Varane, Ramos und Carvajal in der Defensive. Im Mittelfeld besetzten Casemiro, Kroos, Modric und Isco die Positionen, Ronaldo und Benzema starteten als Doppelspitze.

Frühe Führung durch Ronaldo

Die Zuschauer sahen von Anfang an eine interessante Partie, in der die Gäste aus Madrid gleich zu Beginn die erste Gelegenheit nutzten: Marcelo spielte Isco auf der linken Außenbahn an. Der Spanier hatte zu viel Platz und brachte den Ball flach nach innen, wo Cristiano Ronaldo im Strafraum an den Ball kam und das Leder per Direktabnahme ins lange Eck beförderte - 1:0 für Real! Buffon war bei dem 13. Tor des Portugiesen machtlos, insgesamt durften sich die Madrilenen zu einfach durch die Reihen der Alten Dame durchspielen.

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       In der Königsklasse gewohnt treffsicher: Cristiano Ronaldo (r.) mit dem frühen                                                                          Führungstreffer

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Die Gastgeber blieben jedoch unbeeindruckt und nahmen in der Folge das Spiel mehr und mehr in die Hand. Viel sollte ihnen jedoch nicht gelingen, da die Defensive Reals sicher stand und bis auf einen Schuss von Dybala, der von Ramos ins Toraus gegrätscht wurde, wenig zuließ (11.). Gegen den Ball agierte die Mannschaft von Zinedine Zidane mit zwei Viererketten, die etwas höher agierten, um die ballführenden Gegenspieler frühzeitig attackieren zu können. Bei Ballbesitz zeigten sich die Königlichen gewohnt passsicher und ließen das Spielgerät durch die eigenen Reihen zirkulieren, Chancen brachten sie zunächst jedoch nicht zustande.

Navas mit starkem Reflex - Kroos an die Latte

Diese waren nur vereinzelt vorhanden: In der 23. Minute brachte Dybala einen Freistoß aus halblinker Position in den Strafraum, wo Higuain in der Luft zum Abschluss kam - Navas zeigte jedoch einen starken Reflex und war zur Stelle. In der 34. Minute versuchte es De Sciglio aus der zweiten Reihe, sein Versuch ging jedoch knapp am langen Pfosten vorbei. Die Gäste, bei denen sich vor allem Isco immer wieder auffällig zeigte, hätten wenige Minuten zuvor jedoch einen Elfmeter erhalten müssen. Außenverteidiger Carvajal ging nach einem Zweikampf mit Asamoah, der den Ex-Leverkusener klar mit dem Arm im Gesicht traf, zu Boden, Schiedsrichter Cakir ließ weiterspielen.

Real hatte etwas mehr Ballbesitz - und kurz vor der Pause auch die größte Chance seit dem Führungstor, als Kroos mit einem gefährlichen Distanzschuss nur die Latte traf (38.). Alles in allem bot die Partie einen hohen Unterhaltungswert, die Hausherren machten nach dem frühen Rückstand Druck auf den Gegner, der jedoch kaum etwas zuließ und durch seine Stabilität in der Defensive herausstach.

Offener Wiederbeginn - Ronaldo artistisch

Die zweite Halbzeit begann erneut offen, die erste Großchance gehörte allerdings - wie im ersten Durchgang - den Gästen aus Madrid: Bei einem Angriff über die rechte Außenbahn kam Ronaldo aus wenigen Metern zum Abschluss, der Schuss des Portugiesen ging jedoch am langen Pfosten vorbei und ins Toraus (50.). In der 56. Minute sorgte Dybala auf der Gegenseite für Gefahr. Der Argentinier bekam einen Freistoß aus knapp 20 Metern zugesprochen, nachdem er von Ramos, der aufgrund zu vieler Gelber Karten im Rückspiel gesperrt fehlen wird, zu Fall gebracht wurde. Der Freistoß wurde von der Mauer abgefälscht und ging im hohen Bogen knapp am linken Pfosten vorbei - Navas wäre machtlos gewesen (56.).

In den ersten Minuten war das Spiel hitziger, immer wieder unterbrachen kleinere Fouls die Partie. Juventus attackierte nun eher, was den Gästen einige Probleme bereitete. Doch in der 64. Minute schlug der Titelverteidiger erneut zu: Nach einem Riesenbock von Chiellini schnappte sich Ronaldo nahe der Grundlinie das Leder und legte für Vazquez auf. Der Joker scheiterte noch an Buffon, doch Carvajal flankte den zweiten Ball ins Zentrum. Dort stieg Ronaldo hoch und veredelte den Angriff mit einem wunderbaren Fallrückzieher - 2:0 für Real! Ein Nackenschlag für die Gastgeber, die diesen Treffer nach dem Bock von Chiellini selbst zu  verantworten hatten.

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       Unnachahmlich! Ronaldo mit dem zwischenzeitlichen Tor zum 2:0 für die Königlichen              

​Kurz darauf kam es noch dicker: Carvajal stieg im Mittelfeld zum Kopfball hoch und wurde vom heranrauschenden Dybala getroffen, der mit einem zu hohen Bein ins Luftduell ging. Der Argentinier erhielt bereits im ersten Durchgang die Gelbe Karte und wurde folgerichtig von Cakir vom Platz gestellt (66.). Allegri reagierte mit einem Wechsel und brachte Mandzukic für Asamoah. Dennoch blieb Real auffälliger, bei den Hausherren war nach dem doppelten Nackenschlag die Luft ein wenig raus - was Real ausnutzte: Marcelo tankte sich auf der linken Außenbahn durch und wurde von Ronaldo angespielt. Der Linksverteidiger brachte den Ball im zweiten Versuch unter und stellte somit die Weichen ganz klar auf Halbfinale - 3:0 für Real!

​Mit der Vorentscheidung trat Real nun ganz souverän auf. Die Madrilenen ließen den Ball nun sicher durch die eigenen Reihen laufen, verwalteten die Führung nach Belieben und hatten in Person des eingewechselten Kovacic sowie Ronaldo noch die ein oder andere Gelegenheit, die Führung weiter auszubauen (87., 90., 92.). Durch den klaren Auswärtssieg braucht es für die Alte Dame, die am Wochenende in der Liga auf Schlusslicht Benevento treffen, ein Wunder, um im Santiago Bernabeu das Blatt zu wenden und doch noch in die Runde der letzten Vier einzuziehen. Real hingegen trifft am kommenden Sonntag im Derby auf Stadtrivale Atletico und dürfte frohen Mutes aus Turin abreisen.