Traum-Job Bundesliga-Profi? Per Mertesacker hat mit seinen offenen Worten die Diskussionen über den Leistungsdruck im Fußball neu entfacht. Viele Kollegen pflichten dem Weltmeister bei. So auch Augsburg-Kapitän Daniel Baier. Der Routinier sieht ein gesellschaftliches Problem und glaubt nicht, dass sich an der aktuellen Situation etwas bessert - im Gegenteil.


​242 Spiele in der Bundesliga, 145 Partien in der Zweiten Liga hat Daniel Baier absolviert. Der 33-jährige Kapitän des FC Augsburg gehört zu den erfahrensten Spielern im deutschen Profi-Fußball. Groß geworden ist er beim TSV 1860 München, bevor Baier 2007 zum VfL Wolfsburg wechselte - für eine Ablöse von 450.000 Euro. Nur ein Jahr später ging es weiter per Leihe nach Augsburg, es folgte die halbjährige Rückkehr zum VfL, bevor er sich im Januar 2010 fest den Fuggerstädtern anschloss.


Dort gilt Baier schon lange als Gehirn der Mannschaft im zentralen defensiven Mittelfeld. Im Herbst seiner Karriere nennt der Routinier im Gespräch mit t-online offen die Veränderungen im Profigeschäft seit seiner Anfangszeit zu Beginn des Jahrtausends und erklärt, welche ​Auswirkungen das auf die Spieler hat. Eine Diskussion, die nach den Aussagen von Per Mertesacker und kurz darauf auch ​von Barça-Profi Andre Gomes wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist. Baier kennt die Problematik, glaubt aber nicht, dass sich durch Mertesackers Worte etwas verändern wird. 

"Es gibt mit Sicherheit weitere Spieler, die ähnliche Probleme wie Per Mertesacker haben. Das große Problem ist aber, dass sie damit nicht an die Öffentlichkeit gehen können. Das würde dem jeweiligen Spieler als Schwäche ausgelegt werden und könnte seiner Karriere schaden. Daher ist die Hemmschwelle, offen über derartige Themen zu sprechen, entsprechend hoch", meint Baier. 


Er hoffe, dass die Aussagen des Weltmeisters die Öffentlichkeit für das Thema 'Druck im Profi-Fußball' sensibilisieren, bleibt aber skeptisch. Man habe in der Vergangenheit nach dem Selbstmord von Robert Enke und dem Suizid-Versuch von Schiedsrichter Babak Rafati einen anderen Umgang gefordert, "elementar verändert hat sich aber in der Öffentlichkeit nichts", findet der 33-Jährige.


Baier sieht gesellschaftliches Problem


Zwar seien "in den Vereinen vermehrt Angebote zur Unterstützung der Spieler, auch im Nachwuchsbereich, geschaffen" worden, die Bedingungen hätten sich seither aber noch einmal verschärft. "Es ist alles noch schnelllebiger und noch leistungsorientierter geworden. Der psychische Druck, den diese Entwicklung erzeugt, wird aber nach außen hin weitgehend tabuisiert", glaubt Baier. 


Ein Problem, das der Fußball nicht exklusiv habe, sondern in der gesellschaftlichen Entwicklung begründet liege. "Versagensängste und Drucksituationen sind ständige Begleiter geworden, wahrscheinlich in allen Berufsgruppen und Lebenslagen", so der FCA-Kapitän. Ein generelles Rezept gebe es dabei aber nicht. Man müsse "das Thema differenziert betrachten. Das hängt immer vom jeweiligen Typ ab". Er selbst habe "diese extremen Ausmaße nicht erlebt, andere offensichtlich schon. Das ist wie im normalen Leben auch. Jeder Mensch reagiert auf Drucksituationen unterschiedlich", erklärt Baier.