Vor dem Duell mit Jugendklub Hannover 96 spricht Marcel Halstenberg über seine Fortschritte nach seinem Kreuzbandriss im Januar. Der Linksverteidiger von RB Leipzig will die Partie in der Heimat "gemütlich im Stadion" verfolgen. Groll gegen 96 hege er nicht. In Hannover hatten sie ihm den Sprung zum Profi nicht zugetraut.


​Wenn RB Leipzig am kommenden Samstag in der AWD-Arena auf Hannover 96 trifft (15.30 Uhr), wird Marcel Halstenberg in seiner Heimat auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Der 26-jährige Linksverteidiger ​riss sich Ende Januar das Kreuzband und arbeitet seither an seinem Comeback. "Bisher läuft alles richtig gut. Es sind ​neun Wochen seit der OP und das Knie fühlt sich fast schon wieder ganz normal an. Mein Reha-Therapeut, der sich in Leipzig täglich um mich kümmert, meinte auch: So wie es bisher verlaufen ist, ist es optimal", ist Halstenberg im Gespräch mit Sportbuzzer vor dem Duell gegen seinen Jugendklub optimistisch. In der Vorbereitung auf die kommende Saison wolle er wieder auf dem Platz stehen.

Dann soll es möglichst so weitergehen wie vor seiner schweren Knieverletzung. Seit seinem Wechsel vom FC St. Pauli nach Leipzig im Sommer 2015 hat Halstenberg analog zu seinem Klub eine rasante Entwicklung genommen. Zunächst der Aufstieg in die Bundesliga in seiner Debüt-Saison bei RB, dann die Vizemeisterschaft als Bundesliga-Neuling. Halstenberg ist als Stammspieler auf der linken Abwehrseite im großen Fußballgeschäft angekommen. Mit Leipzig durfte er in der Champions-League-Gruppenphase ran, im November vergangenen Jahres ging mit der Einladung für die deutsche Nationalmannschaft ein weiterer Traum in Erfüllung. Halstenberg durfte im Test gegen England 90 Minuten spielen.

In Hannover traute man ihm den Sprung zum Profi nicht zu


Eine Karriere, die man ihm in Hannover so nicht zugetraut hatte. In Laatzen, knapp 20 Kilometer vom Hannover-Stadion entfernt geboren, trug Halstenberg seit seinem achten Lebensjahr das 96-Trikot. Der Durchbruch zu den Profis gelang ihm bei seinem Heimat-Klub aber nicht. Stattdessen ging es über die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund zu St. Pauli in die Zweite Liga und schließlich nach Leipzig. "Da schwingt keine Genugtuung mit gegenüber meinem ehemaligen Verein", versichert er. "Damals war Mirko Slomka Trainer bei den Profis, bei ihm hatten junge Spieler es schwerer, sich durchzusetzen", erklärt Halstenberg.


Im Nachhinein ein Glücksfall: "Da habe ich mich mit meinem Berater zusammengesetzt für einen Tapetenwechsel. Das hat ja zum Glück ganz gut geklappt.“ Als er für St. Pauli im Unterhaus überzeugte, habe auch Hannover den Fehler bemerkt und Halstenberg zurückholen wollen. "Ich habe mich für den besseren Weg entschieden. Es ist ein Traum, wie rasant sich für uns und mich alles nach oben entwickelt hat. So darf es gerne weitergehen“, ist er froh über seine Entscheidung für Leipzig.


Auch deshalb drückt er kräftig die Daumen, dass seine Teamkollegen in den letzten sieben Bundesligaspielen so viele Punkte wie möglich einfahren. "Ich hoffe natürlich, dass wir uns wieder direkt für die Champions League qualifizieren. Jetzt haben wir zum ersten Mal internationale Luft geschnuppert, das will man natürlich nur allzu ungern missen nächste Saison.“ Es wäre der nächste Schritt für die Roten Bullen, um in der Zukunft das ganz große Ziel von Halstenberg wahr werden lassen zu können: "Irgendwann einmal in meiner Karriere eine deutsche Meisterschaft zu gewinnen, wäre natürlich auch ein Traum“, so der 26-Jährige, der vor knapp zwei Wochen seinen ​Vertrag in Leipzig bis 2022 verlängert hatte.


Am Samstag will er mit seiner "Familie in Ruhe im Stadion das Spiel schauen“. Dann, aus Sicht von Halstenberg, hoffentlich mit dem besseren Ende für RB. Nicht aus Groll gegen seinen alten Klub, sondern um dem Traum vom großen Wurf ein Stück näher zu kommen.