Alexander Merkels Profi-Karriere begann einst verheißungsvoll beim Welt-Klub AC Mailand. Dorthin war der heute 26-Jährige aus der Jugend des VfB Stuttgart gewechselt. Es folgte eine schier unglaubliche Wechsel-Odysee durch halb Europa. Mittlerweile kickt Merkel in Österreich - seinen Wechsel nach Italien bereut er dennoch nicht.


Als Teenager galt Alexander Merkel als großes Talent - spätestens nach seinem Serie-A-Debüt für den ruhmreichen AC Mailand im Januar 2011 wurde er auch in den deutschen Medien als kommender Star gefeiert. Damals spielte der 19-jährige Merkel zusammen mit Weltstars wie Zlatan Ibrahimovic, Andrea Pirlo, Ronaldinho oder Clarence Seedorf. Am Ende der Saison standen für den Mittelfeldspieler sechs Liga-Einsätze zu Buche, alle in der Startelf. In der Königsklasse wurde Merkel zweimal eingewechselt.


Auch wenn es dort gegen Tottenham das Aus im Achtelfinale setzte - es war das bisher letzte Jahr für den AC mit einem großen Titel. Unter Trainer Massimiliano Allegri holte Milan den 18. und vorerst letzten Scudetto. Allegri, der heute Juventus Turin trainiert, galt als großer Förderer des Deutsch-Kasachen. "Ihm habe ich alles zu verdanken. Er hat mich in den Profibereich geholt, mir trotz so vieler Topstars eine Chance gegeben", sagt Merkel im Interview mit Spox. "Hut ab, dafür braucht es Mut. Er hat immer Ruhe ausgestrahlt und zu mir gesagt: 'Mach, was du gut kannst. Und mach dir nicht zu viele Gedanken'", ist er seinem Ex-Coach dankbar.

Dem schnellen Aufstieg folgte eine Wechsel-Odysee


Mit dem sportlichen Niedergang des Weltklubs nach der Meisterschaft 2011 begann auch der Abstieg von Alexander Merkel. Heute steht er nicht mehr mit Ronaldinho und Co auf dem Trainingsplatz, sondern mit Andreas Leitner oder Maximilian Sax bei Admira Wacker Mödling, dem Tabellenvierten der österreichischen Bundesliga. Dorthin verschlug es den mittlerweile 26-Jährigen im Winter, nachdem er beim Zweitligisten VfL Bochum aussortiert worden war.

Zwischen Merkels kometenhaften Aufstieg und dem ebenso schnellen Fall liegt eine wahre Wechsel-Odysee, die auch in einigen schweren Verletzungen begründet ist, wie seine Knieverletzung nach der Meistersaison, wegen der er 18 Spiele verpasste, oder seinem Kreuzbandriss 2015, der ihn über ein halbes Jahr kostete. Damals trug Merkel bereits das Trikot von Udinese Calcio - einer von unzähligen Klubs nach seinem Abgang vom AC Mailand. Schuld an den vielen Vereinswechseln waren vor allem die Transfergebahren in Italien. Mehrere Klubs konnten lange Zeit die Rechte eines Spielers untereinander aufteilten - heute ist das verboten. So ging es für Merkel nach der Meister-Saison ein halbes Jahr zum FC Genua, dann wieder ein halbes Jahr zurück nach Mailand, bevor er erneut eine Halbrunde nach Genua musste. Die beiden Klubs hielten je 50 Prozent der Rechte an Merkel.


Die Tour des gefallenen Talents wird mit Engagements beim FC Watford in England, den Grashoppers Zürich in der Schweiz, dem AC Pisa wieder in Italien, dem VfL Bochum in Deutschland und eben jetzt bei Admira Wacker in Österreich vervollständigt.

"Das Leben läuft nicht immer wie geplant. Im Laufe der Jahre musste ich einige Hürden meistern, aber ich bereue auch nichts. Ich denke, dass ich stärker geworden bin", glaubt Merkel. "Es geht immer weiter und das versuche ich auch jüngeren Spielern zu vermitteln. Ich bin jetzt 26 Jahre alt geworden. Momente, in denen man denkt, es geht nicht mehr schlimmer, helfen auch dabei, die positiven Dinge besser zu erkennen und zu schätzen", blickt er auf seine bisherige Karriere zurück. 


Merkel bereut den Schritt zum AC Mailand nicht


Für den Wechsel im Jahr 2008 aus der U17 des VfB Stuttgart nach Mailand würde er sich heute wieder entscheiden. "Ja, auf jeden Fall. Das war eine tolle Erfahrung. Ich durfte mit 16 Jahren eine neue Kultur erleben, eine neue Sprache lernen, viele schöne Städte sehen. Als Fußballer hat man das Privileg, immer gut aufgenommen zu werden. Viele Menschen können sich Reisen nicht leisten. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, die mich mein Leben lang prägen werden", versichert Merkel. Auf die Zeit beim AC blickt er dennoch etwas wehmütig zurück: "Ja, ich habe meinen Traum gelebt. Aber ich genieße es auch, mit den jungen Kickern bei der Admira in der Kabine zu sein. Ich konnte mir von den Weltstars einige Dinge abschauen, aber in erster Linie geht es um die Person und Respekt."


Den Respekt als Fußballer will er sich in Österreich wieder zurückholen. Sein Vertrag bei Admira  Wacker läuft bis zum Ende der Spielzeit. Bisher kam Merkel in sechs Spielen zum Einsatz - die ersten beiden noch als Einwechselspieler, dann in der Startelf. Zwei Vorlagen gelangen ihm dabei.