Hans-Joachim Watzke schießt zurück. Der BVB-Geschäftsführer hat mit Verwunderung auf die Kritik von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zur DFL-Abstimmung zum Erhalt der 50+1-Regel reagiert. Er wisse nicht, was an einem demokratischen Beschluss so schlimm sein solle. Die Abschaffung biete enormen sozialen Sprengstoff.


Die 50+1-Regel bleibt auch nach der vermeintlichen ​Grundsatzabstimmung der DFL am vergangenen Donnerstag ein heiß diskutiertes Thema. 18 der 34 anwesenden Vertreter der 36 deutschen Klubs aus der Ersten und Zweiten Liga hatten sich für den Erhalt der Stimmenmehrheit ausgesprochen. Auch nach Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft soll der Stammverein weiter mindestens 51 Prozent der Stimmen halten.


​Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte die Abstimmung ​​scharf kritisiert. Man habe sich den Ast, an dem die Wettbewerbsfähigkeit hängt, ansägen lassen - "und zwar von einem mäßigen Zweitligisten", kommentierte der 62-Jährige im Gespräch mit dem kicker. Der Antrag zur Abstimmung war zuvor von St. Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig gestellt worden.


Während Rummenigge dafür plädiert, jeder Verein solle selbst über den Erhalt der Stimmenmehrheit entscheiden und sich über die wenig rationale Diskussion beschwerte, konterte Rettig mit einer süffisanten "Stellungnahme" über den Twitter-Account des Zweitligisten: "Karl-Heinz Rummenigge war ein erstklassiger Stürmer“, so der 54-Jährige, der zwischen Januar 2013 und März 2015 Geschäftsführer der DFL war.


Von der habe sich Rummenigge "geistig verabschiedet". Er halte die "gesamte Entwicklung im Moment" für "bedenklich". Überrascht zeigte sich der Bayern-Boss auch über die Haltung des BVB, "weil die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA der einzige börsenorientierte Klub in Deutschland ist, mit 94,5 Prozent free floating Kapital [Anteil frei handelbarer Aktien, Anm. d. Red.]".


BVB-Boss Watzke kontert Rummenigge-Kritik


Die schwarz-gelbe Antwort folge prompt. BVB-Geschäftführer Hans-Joachim Watzke sprach sich in einem Interview mit der Welt für den Beschluss aus, die 50+1-Regel zu erhalten. "Was an einem demokratisch herbeigeführten Beschluss so schlimm sein soll, das weiß ich nicht", meinte der 58-Jährige zu der deutlichen Kritik von Rummenigge. "Wir müssen aufpassen, dass wir die Bundesliga nicht so sehr spalten, wie sich gerade die deutsche Gesellschaft zu spalten scheint", so Watzke weiter. 

Denn die Abschaffung dieser Regel berge "enormen sozialen Sprengstoff", warnte er. "Wir haben 153.000 Mitglieder, und ich weiß, dass die meisten von denen 50+1 erhalten wollen. Wollen wir jetzt über deren Köpfe hinweg diese Regel abschaffen?", fragte der BVB-Boss. "Dann fliegt uns das Ganze schneller um die Ohren, als wir gucken können."

Für Watzke scheint klar: "Haben Investoren die Mehrheit, gibt es für diese Leute keine Fans mehr, sondern nur noch Kunden. Daum habe ich große Angst vor der kompletten ideologischen Spaltung des deutschen Fußballs."

Anders als bisher dargestellt, sei die Abstimmung aber keine endgültige Entscheidung zu 50+1 gewesen. Es habe sich lediglich "das Meinungsbild" ergeben, die Regel "grundsätzlich beizubehalten und rechtssicher zu machen", erklärte Watzke. Das bedeute aber nicht, dass es keine Grundsatzdebatte mehr geben werde.