Trotz der 0:1-Niederlage gegen Brasilien und einer durchwachsenen Vorstellung der DFB-Elf war Jerome Boateng glücklich. Der Weltmeister durfte in seiner Geburtsstadt Berlin die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal als Kapitän aufs Feld führen. Sein schmerzhafter Zweikampf mit dem Siegtorschützen blieb wohl ohne größere Folgen.


Serie beendet: Die deutsche Nationalmannschaft muss gegen Brasilien erstmals wieder den Platz als Verlierer verlassen. Die verdiente ​0:1-Pleite gegen den fünffachen Weltmeister war die erste Niederlage nach 22 Partien. Zuletzt mussten sich die DFB-Kicker im EM-Halbfinale 2016 gegen Frankreich geschlagen geben (0:2). Für Jerome Boateng war sein 70. Länderspiel am Dienstagabend im Berliner Olympiastadion dennoch etwas ganz besonderes. In seiner Heimatstadt führte der gebürtige Berliner die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal als Kapitän aufs Feld. Neuer-Stellvertreter Thomas Müller wurde geschont und trat die Reise in die Hauptstadt gar nicht erst an, Sami Khedira saß leicht angeschlagen nur auf der Bank.


"Was für ein Gefühl das DFB-Team in Berlin gegen Brasilien als Kapitän anzuführen. Nicht unsere beste Leistung, aber insgesamt zwei wichtige Tests. Wir müssen weiter hart an uns arbeiten", twitterte Boateng kurz vor Mitternacht nach der Partie.

Boateng trug die schwarz-rot-goldene Binde als Anführer einer deutschen B-Elf. Bundestrainer Joachim Löw hatte seine Startformation im Vergleich zum 1:1 im Test gegen Spanien gleich auf sieben Positionen verändert. Boateng sollte als Abwehrchef in der Innenverteidigung neben Antonio Rüdiger für Stabilität sorgen. Insgesamt waren die vielen Wechsel der DFB-Elf deutlich anzumerken. "Es wäre vermessen zu sagen, dass es zwei gleichstarke Mannschaften geben kann. Heute waren ein paar junge Spieler auf dem Platz, die ihre Erfahrungen gemacht haben und daraus ihre Lehren ziehen werden. Man hat gemerkt, dass wir nicht so ganz eingespielt und harmonisch waren", meinte Löw nach dem Spiel am ZDF-Mikro.


Während seine Kollegen sichtlich Probleme mit den engagierten Brasilianern hatten, war Boateng der beste deutsche Spieler auf dem Platz, zeigte sich sehr zweikampfstark und klärte immer wieder in letzter Not.


Nach 68. Minuten war dann sein erstes Länderspiel als Kapitän beendet. Für Boateng kam Vereinskollege Niklas Süle in die Partie. Gut eine Viertelstunde zuvor hatte Boateng im Duell mit Brasiliens Torschütze Gabriel Jesus einen schmerzhaften Tritt auf die Achillessehne abbekommen. Der 29-Jährige wurde minutenlang an der Aussenlinie behandelt, biss aber zunächst noch auf die Zähne. "Er hat einen Schlag auf den Knöchel bekommen. Einer ist da mit dem ganzen Gewicht auf die Achillessehne drauf gefallen. Ich glaube aber, dass es nicht ganz so schlimm ist. Ich denke nicht, dass da etwas gerissen ist", beruhigte Löw im Anschluss laut Sport 1.

Germany v Brazil - International Friendly

Schmerzverzerrt musste Jerome Boateng einige Minuten behandelt werden. Der DFB-Kapitän kam zunächst zurück ins Spiel, wurde später für Niklas Süle ausgewechselt.


Die Auswechslung des Weltmeister war wohl nur eine Sicherheitsmaßnahme. In den kommenden Wochen geht es für Boateng und Co mit dem FC Bayern in die entscheidende Saisonphase. Am kommenden Dienstag (3.4.) reist der Rekordmeister zum Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales nach Sevilla.