Manchester hui, England pfui - Raheem Sterling legt bei den Skyblues regelmäßig furiose Auftritte hin. Für die Three Lions will es dagegen noch nicht so recht klappen. Seine Entwicklung unter Mentor Pep Guardiola soll sich nun endlich auch beim englischen Nationalteam bemerkbar machen. Ein weiterer Torjäger neben dem derzeit verletzten Harry Kane wird dringend gesucht.


Wenn England am Dienstagabend im Wembley Stadium auf Italien trifft (21 Uhr), wird Raheem Sterling wohl erneut in der Startelf stehen und zu seinem 37. Länderspieleinsatz kommen. Der Außenstürmer von Manchester City hat in seinen 36 Spielen zuvor erst zwei Treffer für die Three Lions erzielt - ein Grund, warum er von den englischen Fans besonders kritisch betrachtet wird.


Seine Torquote steht dabei im krassen Gegensatz zu den Leistungen im Trikot von Manchester City. Bei den Skyblues konnte der 23-Jährige in der laufenden Saison bereits 20 Pflichtspieltreffer erzielen, elf weitere Tore legte er auf. Es zeigt Sterlings enormes Potenzial, das er unter Pep Guardiola regelmäßig abrufen kann. Der katalanische Star-Coach gilt als großer Fan des 23-Jährigen mit jamaikanischen Wurzeln, treibt ihn immer wieder zu Höchstleistungen an. "Ein Trainer wie er holt das beste aus einem heraus", erklärt Sterling vor dem Duell mit der Squadra Azzurra und erinnert sich dabei an das Premier-League-Spiel gegen Crystal Palace an Silvester 2017: "​Er lässt dich wissen, wenn er mit dir unzufrieden ist. Als ich gegen Palace eingewechselt wurde, verlor ich den Ball drei Mal. Ich dachte, ich werde bis zum Ende der Saison nicht mehr spielen, nachdem er mich in der Kabine umgebracht hat."

Guardiola als Mentor: Schon vor seinem Engagement in Manchester nahm er mit Sterling Kontakt auf. Der war gerade mit dem englischen Nationalteam bei der EM 2016 gegen Island ausgeschieden und stand im Mittelpunkt der Fan-Wut. Es gab sogar eine Petition, die für das vorzeitige Rückflugticket des City-Stars bezahlen wollte. Guardiola baute Sterling dagegen wieder auf und gab ihm sein Selbstvertrauen zurück. Er solle der entscheidende Spieler werden, der "Unterschiedsspieler", wie es in Neudeutsch so schön heißt. Effektiver vor dem Tor, zielstrebiger, forderte Guardiola. "Vorher war ich roher, wollte immer jemanden ausspielen, wenn ich den Ball hatte. Jetzt suche ich mir die Momente aus und versuche so oft wie möglich in den Strafraum zu kommen", beschreibt Sterling seine Entwicklung.

Es seien die "kleinen Details", die den Unterschied ausmachen. "Ich stehe jetzt offener zum Spielfeld und versuche mit dem Ball schneller auf meinen Gegenspieler zuzugehen", so Sterling weiter. Guardiola sei ein "großer Trainer und ein guter Mensch". Vor allem den jungen Spielern versuche er immer zu helfen, schwärmt Sterling.


Ohne Harry Kane: Sterling noch mehr im Fokus


Seine Entwicklung soll sich nun endlich auch im Nationalteam bemerkbar machen. Gerade ohne den verletzten Harry Kane braucht England dringend mehr Torgefahr. Der Tottenham-Angreifer erzielte sieben der letzten 13 Tore für die Three Lions. Mehr als ein Treffer gelang seit vergangenen Juni keinem anderen. Gareth Southgate ist guter Dinge, dass Sterling aus den Three Lions bei der WM mehr als nur ein einköpfiges Offensiv-Monster machen kann. "Man sieht sein Selbstvertrauen", so der England-Coach auf der Pressekonferenz am Montag. "Er hat in dieser Woche im Training mehr Tore geschossen, als ich jemals von ihm gesehen habe." Sterling sei entschlossener und gleichzeitig ruhiger vor dem Tor geworden, meint Southgate. Das sei auch der guten Arbeit von Guardiola zu verdanken.


Während es in der Offensive stockt, läuft es defensiv bestens für Southgates Mannen. Seit 537 Minuten hat sich England kein Gegentor mehr gefangen. Auch dank des Systemwechsels zu einer Dreierkette, in der die Three Lions sehr stabil stehen. Schaffen es Sterling und Co. jetzt noch, ihre Offensiv-PS besser auf den Rasen zu bringen, könnte England im Sommer endlich wieder mehr sein, als der belächelte Mitfavorit, der am Ende strauchelt.