Manuel Neuer und Marc-Andre Ter Stegen: Die deutsche Nationalmannschaft wird von vielen Nationen um ihre beiden Weltklasse-Torhüter beneidet. Doch für Joachim Löw könnte alsbald eine wichtige, aber ziemlich schwierige Entscheidung bevorstehen. Auf wen setzt der Bundestrainer zukünftig?


Manuel Neuer ist unbestritten der Platzhirsch im Tor der deutschen Nationalmannschaft. Neuer war einer der wichtigsten Trümpfe beim Titelgewinn 2014, hat mit seinem Spielstil das Torhüterwesen revolutioniert. Fit ist der ehemalige Schalker neben seinem Kerngeschäft als Torhüter auch eine Art Libero, der auch die Qualität besitzt knifflige Szenen spielerisch zu lösen. Das eigentliche Plus ist aber die Entscheidungsfindung des 32-Jährigen. Die Kernfragen „Wann positioniere ich mich wo?“, „Laufe ich raus oder bleibe ich im Kasten?“ oder „Langer Ball oder bedächtiger Aufbau“ werden von Neuer intuitiv fast immer richtig gelöst.

Neuer besitzt Fähigkeiten, die in ihrer Gesamtheit dafür sorgen, dass er noch immer der weltbeste Torhüter ist. Mit Sicherheit, auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung gibt es weltweit auch Akteure, die Neuer das Wasser reichen können. Neuer paart aber klassisches Torwartspiel mit modernem Spielstil – und das auf einem Niveau, das seinesgleichen sucht. Wird Neuer noch vor der Weltmeisterschaft fit und bekommt entsprechend Spielpraxis beim deutschen Branchenprimus, dann führt kein Weg an ihm vorbei. Zwar sprach Neuer unlängst davon, dass er „kein junger Spieler sei, der wenig Erfahrung hat.“ Doch auch für den mehrfachen Welttorhüter gilt, dass Automatismen nicht immer von selbst greifen.


Marc-Andre ter Stegen hingegen hat in der laufenden Saison nochmals einen großen Schritt nach vorne gemacht. Gegen Spanien avancierte ter Stegen mit einigen starken Paraden zu einem der Matchwinner der Begegnung. Entsprechend äußerte sich Löw im Nachgang der Begegnung: "Er strahlt Ruhe aus, er hat eine gute Spielauslösung. Das war uns bekannt." Auch ter Stegen spielt ein durchaus modernes Torhüterspiel, will immer als Anspielstation für seine Vorderleute dienen - und auch mit dem Ball weiß der Torhüter des FC Barcelona dann durchaus umzugehen.

Der ehemalige Gladbacher spielt bislang vermutlich die beste Saison seiner Karriere, hat bei den Katalanen in 29 Ligaspielen lediglich 13 Gegentore kassiert. Gleich 19-mal hielt die „weiße Weste“. Neben einem herausragenden Spiel auf der Linie, wo ter Stegen mit Sicherheit zu den Weltbesten gehört, hat sich auch das Positionsspiel des ehemaligen Gladbachers deutlich weiterentwickelt. Für Löw wäre ter Stegen keinesfalls ein Handicap, sollte Neuer tatsächlich nicht fit werden: "Die letzten Spiele waren sehr, sehr gut. Er hat beim Confed Cup eine überragende Rolle gespielt. Auch beim FC Barcelona ist er gewachsen. Er hat einen Reifeprozess gemacht und ist eine Persönlichkeit geworden. Er ist auf alles vorbereitet.“


Doch unabhängig davon, wer schlussendlich in Russland im Tor stehen wird: Auf der Torhüterposition bleibt Deutschlands marktführend. Und die nächste „Generation“ steht ja ohnehin schon in den Startlöchern. Torhüter wie Bernd Leno, Ralf Fährmann, Timo Horn oder Kevin Trapp wären bei vielen Nationen Stammkeeper – in Deutschland kämpfen die Genannten darum, als Nummer 3 mit nach Russland reisen zu dürfen.