​Wer wird der Nachfolger von Jupp Heynckes beim FC Bayern München? Keine Frage bewegt die Bundesliga und die deutschen Medien gerade so, wie die Trainerfrage in München. Schließlich war diese Frage von den Vereinsbossen immer möglichst früh und deutlich geklärt worden: Guardiola war schon als Trainer bekannt gegeben worden, als Heynckes noch im Amt war. Umso auffälliger ist es nun, dass die Stelle derzeit noch vakant ist. Besonders nach den Gerüchten um Thomas Tuchel.


Heynckes will seine Karriere endgültig beenden, Tuchel muss sich offenbar noch zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Arsenal entscheiden. Jürgen Klopp befindet sich beim FC Liverpool in einer langfristigen Liebesbeziehung. Julian Nagelsmann soll nach ersten Flirts kein Thema mehr sein. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit soll der nächste Coach deutschsprachig sein. Das grenzt den Kandidatenkreis ein: Hasenhüttl, Kovac, Wenger? Oder eben doch einer, der die Sprache erst erlernen muss? Jardim, Pochettino?

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Könnte Favre die Münchner Stars managen? Mit Mario Balotelli kommt er zurecht.



Sollte der Rekordmeister kein Ass aus dem Ärmel zaubern, macht eine diskutierte Lösung von außen betrachtet wohl am meisten Sinn: Lucien Favre! Der 60-Jährige scheint aufgrund verschiedener Faktoren die beste Wahl für die Heynckes-Nachfolge zu sein.


1. Nationale und internationale Erfahrung

Favre kennt die Bundesliga aus seiner Zeit bei Berlin und Mönchengladbach bestens, müsste sich nicht an ein neues Umfeld gewöhnen. Als Coach der 'Fohlen' sammelte er in Play-off-Spielen und Partien der Europa League immerhin etwas internationale Erfahrung. Er wäre kein junger Trainer, sondern eine etwas ältere, erfahrenere Lösung, die im Falle Heynckes ja schon gut funktioniert hat. Seine Qualitäten hat er in Deutschland jedenfalls unter Beweis gestellt, wie auch die dreimalige Auszeichnung zum Trainer der Saison bewies.


2. Die Arbeitsweise

Favre gilt als akribischer Arbeiter, als Taktik-Genie und Trainerfuchs mit einer Vorliebe für schnelles Kurzpass-Spiel. Dies könnte sich wunderbar mit dem Spielstil des FC Bayern ergänzen, denn dieser Stil hat den Einfluss des van Gaal'schen und Guardiola'schen Ballbesitzfußballs gepaart mit dem Kurzpass-Spiel immer noch in sich. Favre wäre damit irgendwie ein Mix aus Guardiola und Heynckes, der Spieler entwickeln und auch junge Spieler fördern kann, wie die Beispiele Reus, ter Stegen, Xhaka und Kramer zeigen. Ein erklärtes Ziel des FC Bayern ist es bekanntermaßen, auch eigene Nachwuchsspieler an den Kader heranzuführen. Etwas, das Favre in München umsetzen könnte. Aufgrund seiner perfekten Französisch-Kenntnisse wäre er zudem ein guter Ansprechpartner für die Franzosen im Kader: Ribéry, Tolisso und Coman.

FC Bayern Muenchen v Hertha BSC Berlin - Bundesliga

Eine Meinung zu Favre gäbe es für Uli von Bruder Dieter Hoeneß. Karl-Heinz Rummenigge kennt den Schweizer bereits bestens.



3. Das Verhältnis zu Rummenigge

Lucien Favre gilt als kein einfacher Charakter, hatte in Mönchengladbach mehrfach seinen Rücktritt angeboten, den er letzten Endes auch durchzog. Solche Probleme will man sich in München wohl nicht machen. Eines könnte jedoch den Ausschlag geben: Bereits das gute Verhältnis von Rummenigge zu Ancelotti war bei dessen Verpflichtung nicht unerheblich. Der Vorstandsvorsitzende der Bayern spielte ab 1987 mit Favre bei Servette Genf in der Schweiz zusammen. Beide kennen und schätzen sich, die Wege zwischen den beiden wären so äußerst kurz.


Favre wäre dem Vernehmen nach für drei bis fünf Millionen Euro zu haben, die Bayern bekämen einen Taktikfuchs mit Bundesliga-Erfahrung, der aus einem Abstiegskandidaten einen Anwärter für die internationalen Ränge machte. Dies würde weniger Lärm erzeugen als ein Hasenhüttl-Wechsel vom direkten Rivalen, zumal sich Ralf Rangnick und Co. gegen einen möglichen Transfer auch stemmen dürften.