Der Frust bei Heiko Herrlich sitzt immer noch tief: Der Bayer-Trainer gibt sich nach Derby-Pleite gegen den 1. FC Köln unversöhnlich. Die Rote Karte gegen Torjäger Lucas Alario schmerzt zusätzlich. Dem Argentinier drohen neben der Drei-Spiele-Sperre und der Geldstrafe durch den DFB weitere interne Sanktionen.


Heiko Herrlich wie man ihn eigentlich gar nicht kennt: mächtig angefressen und noch immer in Rage. Der Grund: Die ​Derby-Pleite gegen den 1. FC Köln vom vergangenen Sonntag. "Das tut richtig weh", blickt der Leverkusen-Coach zurück. So weh, dass nicht mal ein Sieg nach der Länderspielpause gegen den FC Augsburg den Frust vergessen lasse könne. Herrlich spricht von einem "Kollektivversagen" seiner Mannschaft und bezieht sich selbst dabei mit ein. "Kein Spiel war bisher so schlecht", betont der 46-Jährige im Interview auf der Vereinshomepage.


In der Tabelle liegt die Werkself damit weiter einen Punkt hinter Eintracht Frankfurt und Champions-League-Rang vier. Zu große Schwankungen weißt Herrlichs Team in der Rückrunde auf. Mit vier Niederlagen hat man bereits eine Pleite mehr als in der Hinserie auf dem Konto. Weitere sind im Saisonendspurt nicht erlaubt, will man zurück in die Königsklasse. Wohl auch deshalb ärgert sich Herrlich so sehr über den "emotions- und leidenschaftslosen" Auftritt im Rheinderby. "Man kann gegen Köln verlieren - zuletzt hat auch Leipzig diese Erfahrung gemacht  - aber wie wir verloren haben, das geht gar nicht", findet der Bayer-Trainer und betont: "Das darf nie wieder so sein."

Nie wieder passieren sollte auch Lucas Alario ein Aussetzer wie in Köln. Der argentinische Torjäger streckte in der 33. Minute Gegenspieler Dominic Maroh mit einem Ellenbogenschlag zu Boden und flog daraufhin völlig zurecht mit Rot vom Platz. ​Drei Spiele Sperre und eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro bekam der 25-Jährige vom DFB aufgebrummt. Besonders bitter, da sich Alario in den vergangenen Wochen in Topform präsentierte. An sieben der letzten zehn Bayer-Treffer war der Sommer-Neuzugang beteiligt. "So einen Stürmer wünscht man sich. Umso ärgerlicher ist natürlich die Sperre", sagte Herrlich.


Neben der Geldstrafe vom DFB erwarten Alario weitere interne Sanktionen. Das werde in der kommenden Woche geklärt, wenn die Mannschaft nach den Länderspielreisen wieder komplett ist, so Herrlich. "Natürlich weiß er selbst, dass er einen riesen Fehler gemacht hat. Er hat etwas getan, was der Mannschaft schadet", betont der Bayer-Coach. Aber: "Menschen machen Fehler, Lucas leidet am meisten darunter. Wir werden die Dinge vernünftig aufarbeiten und ihn anschließend auch wieder aufrichten", nimmt er seinen Angreifer in Schutz.


Der sei "zuletzt richtig gut drauf" gewesen. "Er hat verstanden, wie wir anlaufen wollen und hat das richtig gut umgesetzt. Und wenn wir den Ball hatten, war er immer anspielbar und vor dem Tor brandgefährlich", lobt er den dreifachen Nationalspieler, der seit seinem Wechsel in die Bundesliga sieben Tore und fünf Vorlagen bei 19 Einsätzen aufzuweisen hat. Für die anstehenden Testländerspiele der Albiceleste gegen Italien und Spanien wurde Alario nicht nominiert.


Und auch in den kommenden drei Partien gegen Augsburg und den beiden direkten Konkurrenten Leipzig und Frankfurt ist der Argentinier zum Zuschauen verdammt. Als Optionen, die Alarios Ausfall auffangen könnten, nennt Herrlich Stefan Kießling und Joel Pohjanpalo. "Wir besitzen allerdings noch andere Alternativen", so der Werkself-Trainer. Die Wahrscheinlichste ist wohl, dass Top-Torjäger Kevin Volland nach seiner Baby-Pause wieder ins Sturmzentrum rückt und dahinter Kai Havertz auf der Zehn und Julian Brandt und Leon Bailey auf dem Flügel die offensive Dreierreihe bilden.