Der Niedergang des Bundesliga-Dinos - für Trainer-Ikone Ewald Lienen liegt der drohende HSV-Abstieg vor allem an der verfehlten Personalpolitik der vergangenen Jahre. Man habe die falschen Spieler verpflichtet und diese dann auch noch viel zu gut bezahlt. Verantwortlich dafür macht er den großen Einfluss eines Spielerberaters.


Ewald Lienen ist ein Kind der Bundesliga. 333 Partien absolvierte er als Spieler im deutschen Oberhaus, wurde 1979 mit Borussia Mönchengladbach UEFA-Cup-Sieger. Als Trainer stand er zwischen 1989 und 2017 in 226 Bundesligaspielen an der Seitenlinie, 178 kommen in der Zweiten Liga noch dazu. Insgesamt coachte er 572 Profi-Partien für seine jeweiligen Teams.


Seit dieser Spielzeit ist der 64-Jährige von der Seitenlinie auf die Manager-Position gewechselt. Als Technischer Direktor leitet er die sportlichen Geschicke des FC St. Pauli - und hat dabei auch eine Meinung zum taumelnden Stadtrivalen HSV. Dort sei in den letzten Jahren vieles schief gelaufen, bemängelte er in der TV-Talkrunde Sky 90. Vor allem das Verhältnis von Spielerberater Volker Struth zu HSV-Gönner Klaus-Michael Kühne ist Lienen ein Dorn im Auge. Struth hätte als Kühne-Berater Einfluss auf Entscheidungen des Klubs genommen, glaubt er. 

"Für mich ist es ein No-Go, einen amtierenden Spielerberater am Tisch sitzen zu haben. Ich weiß einiges, was da abgelaufen ist, weil ich zu Bruno (Labbadia) ein gutes Verhältnis habe“, erklärte Lienen. Struth hat mit seiner Berateragentur SportsTotal derzeit fünf HSV-Profis unter seinen Klienten: André Hahn, Bobby Wood, Dennis Diekmeier, Luca Waldschmidt und Arianit Ferati, der vornehmlich in der U21 zum Einsatz kommt.

Durch eben jenen Einfluss habe man sich beim HSV zu hohen Spielergehältern treiben lassen. "Wenn ich in der Europa League oder der Champions League spiele, dann kann ich solche Gehälter bezahlen. Aber ich kann doch nicht sagen, nur weil ich der HSV bin, gebe ich auch solche Gehälter raus“, befand er. Einmal in Rage, lederte er weiter: "Als Dietmar Beiersdorfer zum HSV gekommen ist, habe ich ihn getroffen, da hat er mir gesagt, nächste Saison laufen zehn Verträge aus, das gibt mir einen Spielraum von 25 Millionen Euro.“ 


Das Geld sei dann aber in falsche Spieler investiert worden. "Das ist ein Traditionsklub, das ist eine Großstadt, da sind mehr als 50.000 Zuschauer im Stadion. Da muss ich doch auch ein paar Identifikationsfiguren haben, Leute haben, die wissen, was das für eine Stadt ist. Da kann ich nicht aus der ganzen Welt Leute zusammenholen", führte Lienen aus. Es hätte Spieler mit Persönlichkeit gebraucht, "die den Karren vorwegziehen. Wenn ich für so einen Verein Spieler hole, dann muss ich ein Gerüst haben, sodass sich junge Spieler entwickeln können. Aber dieses Gerüst, das ist nicht da“, so sein vernichtendes Urteil. 


Zustimmung erhielt Lienen von Uli Stein. Die Torwart-Legende des HSV stand 228-mal in der Bundesliga mit der Raute auf der Brust zwischen den Pfosten. Als Aktiver in den 1980er Jahren erlebte der 63-Jährige aber noch die glorreichen Zeiten des Dinos mit. Zwei Meistertitel, einen DFB-Pokalsieg und den Europapokal der Landesmeister gewann Stein mit dem HSV. Gut 31 Jahre nach dem letzten großen Titelgewinn des Klubs, sieht Stein den Klub vor dem Abgrund. "Der HSV ist aus meiner Sicht nicht mehr zu retten. Sie werden auf jeden Fall absteigen", ist er sich sicher. Die Gehälter beim HSV würden in der Zweiten Liga zwangsweise drastisch sinken.


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