​Der VfB Stuttgart eilt unter Trainer Tayfun Korkut weiter von Erfolg zu Erfolg und hat mit dem Abstieg, angesichts der schwächelnden Konkurrenz, aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun. Vielmehr schnuppern die Schwaben, mit zwei Punkten Abstand auf den Sechstplatzierten TSG 1899 Hoffenheim, an der ​Qualifikation für die Europa League. Doch ist der Aufsteiger überhaupt reif für eine mögliche Dreifachbelastung? 


Eines vorneweg: Dass man nach 27. Spieltagen überhaupt realistische Chancen auf einen Platz im oberen Tabellendrittel hat, kann und sollte man auch als großen Erfolg für die Stuttgarter bewerten. Noch im Januar hätten wohl nur die kühnsten VfB-Sympathisanten mit einem solchen Aufwärtstrend gerechnet. Doch unter dem zunächst äußerst misstrauisch beäugten Tayfun Korkut holte der VfB zuletzt in sieben Spielen 17 Zähler. Betrachtet man nur die Rückrundentabelle, liegen die Männer mit dem roten Brustring auf dem dritten Platz. Doch heißt das im Umkehrschluss, dass die Stuttgarter reif für den internationalen Wettbewerb sind? 


Um auf diese hypothetische Frage eine möglichst objektive Antwort zu finden, sollte man sich die Faktoren des Stuttgarter Aufschwungs vor Augen führen und schauen, ob eine solche Erfolgswelle auch dauerhaft Bestand haben kann. Dabei kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass die Stuttgarter derzeit das absolute Optimum aus ihren Möglichkeiten herausholen. In den letzten Spielen erarbeitete man sich durch viel Disziplin und Einsatzbereitschaft die nötigen Punkte.

Dabei war ein Faktor des Erfolgs, dass Tayfun Korkut auf eine Stammelf setzte, die mittlerweile sehr gut eingespielt ist und mit Mario Gomez, Christian Gentner und Holger Badstuber sehr erfahrene Spieler in ihren Reihen hat. Junge Spieler, die unter Ex-Trainer Hannes Wolf noch mehr Einsatzzeiten bekamen, spielen unter dem neuen Coach nur eine kleine Rolle. Bei einer Qualifikation für die Europa League wäre der Trainer jedoch gezwungen, angesichts der Mehrfachbelastung häufiger zu wechseln.


Ob die Mannschaft auch in der Breite gut genug besetzt ist, um auf mehreren Hochzeiten erfolgreich zu tanzen, oder ob man entweder in der Liga oder international, oder im schlimmsten Falle in beiden Wettbewerben, nur mit Mühe ein Bein vor das andere bekommen würde, kann zumindest heiß diskutiert werden. Aber auch hier hat die Medaille wie so oft zwei Seiten und so könnten die erfahrenen Spieler im Kader zum einen dafür sprechen, dass man sich clever anstellen würde und den internationalen Aufgaben gewachsen wäre - aber auch dafür, dass man angesichts den prallen Terminkalenders schneller erschöpft ist.


Ein Einzug in die Europa League hätte aber zweifelsohne eine nicht hoch genug einzuschätzende Signalwirkung für Spieler innerhalb des Vereins und auch außerhalb. Der VfB könnte den schwarzen Fleck mit dem Abstieg weiter aufhellen und sich wieder als einer der ambitioniertesten Klubs in Deutschland positionieren. Aufstrebende Talente wie ​Benjamin Pavard, Timo Baumgarl oder Santiago Ascacibar könnten so leichter langfristig an den Verein gebunden werden.

Zudem hat der VfB mit Mercedes Benz und anderen Sponsoren finanzkräftige Unterstützer aus der Region, die den Aufstieg des Traditionsverein, nach der geglückten Ausgliederung der Profiabteilung im Sommer 2017, in Zukunft weiterhin begleiten wollen. Die Stuttgarter wären somit im Falle einer Europa-League-Qualifikation in der Lage, den Kader breiter aufzustellen.


Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob der Sprung vom Aufsteiger zum Europa-League-Teilnehmer für den Verein nicht einen Tick zu schnell kommen würde. Selbst die ehrgeizige Vereinsführung gab zu Saisonbeginn vor, dass es im ersten Jahr ausschließlich um den Klassenerhalt gehe und man sich in den kommenden Jahren sukzessive wieder in die obere Tabellenhälfte arbeiten will. Eine nachhaltige positive Entwicklung könnte durch den Höhenflug der Schwaben somit gefährdet werden.


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