Im Prozess gegen den Attentäter des Dortmunder Bombenanschlags war Thomas Tuchel am Montag als Zeuge vor Gericht geladen. Dabei bekräftigte er, dass die Partie gegen Monaco nur 24 Stunden nach der Bombenattacke auf den BVB-Bus nicht hätte stattfinden sollen. Im Anschluss habe sein Verhältnis zu Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stark gelitten. Tuchel geht davon aus, ohne die traumatischen Ereignisse vom April 2017 noch heute auf der BVB-Trainerbank sitzen zu würden.


Am 11. September 2017 wurde die Mannschaft von Borussia Dortmund Opfer eines Terroranschlages von Sergej W. Durch die Detonation der drei Splitterbomben erlitt der damalige BVB-Verteidiger Marc Bartra auf dem Weg zum Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals einen Bruch des Unterarms, ein Polizist wurde ebenfalls verletzt. "Marc ist immer wieder ohnmächtig geworden, wir haben das Handgelenk abgebunden. Es war sehr viel Blut da. Das fand ich sehr erschreckend“, berichtete BVB-Physiotherapeutin Swantje Thomßen, die beim Anschlag mit im Bus saß.


Am Montag ging der Prozess gegen den Attentäter vor dem Dortmunder Landgericht weiter. Neben Thomßen, den Spielern Sven Bender, Felix Passlack und Roman Weidenfeller wurde auch Ex-Trainer Thomas Tuchel als Zeuge befragt. Zuvor bekräftigte Sergej W., er habe zwar ein großes Medienecho erzeugen wollen, habe die Bomben aber so sicher wie möglich gebaut, um niemanden ernsthaft zu verletzen. Vorbild seien die Terrorattacken von Paris gewesen, berichten die Gerichtsreporter der Ruhr Nachrichten von den Aussagen des Attentäters.

Im November 2015 waren in der französischen Hauptstadt bei den Bombenanschlägen unter anderem beim Testländerspiel zwischen Frankreich und Deutschland im Stade de France 130 Menschen ums Leben gekommen, 683 wurden verletzt.


Monaco-Partie am Tag danach für Schmelzer und Bender falsch


Es ist ein weiteres Indiz dafür, wie traumatisch der Abend des 11. April für die BVB-Profis gewesen sein mag. Die Spieler bestätigten das mit ihren Zeugenaussagen. Roman Weidenfeller erklärte noch heute psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Innerhalb der Mannschaft sei der Anschlag weiterhin ein Thema, so Weidenfeller.


Die größte Diskussion entstand damals darüber, die Partie einen Tag später stattfinden zu lassen. Für Kapitän Marcel Schmelzer eindeutig ein Fehler: "Absolut. Ich glaube, kein Spieler hat in der Nacht geschlafen. Allein die Busfahrt am nächsten Tag zum Stadion war einfach nur schlimm.“  ​​Lars Bender bewertete das vor Gericht ähnlich: "Im Nachhinein haben wir da wohl alle einen großen Fehler gemacht. Ich glaube, wir hätten nicht spielen sollen“, so der Verteidiger, der mittlerweile das Trikot von Bayer Leverkusen trägt.


Hochbrisante Aussagen von Thomas Tuchel


Die beiden bestätigten damit die Meinung von Thomas Tuchel. Der damalige BVB-Coach wurde nach seinen Ex-Spielern in den Zeugenstand gerufen - und seine Aussagen lassen aufhorchen. "Zu 100 Prozent" hätte man nicht spielen dürfen, meinte der 44-Jährige vor dem Dortmunder Gericht. Ob er heute ohne den Anschlag noch Trainer des BVB wäre? "Davon würde ich ausgehen, ja!“ - Rums. Die Worte von Thomas Tuchel sitzen.

Und es ging weiter. Tuchel berichtete von einem gestörten Verhältnis zu Klubboss Hans-Joachim Watzke infolge der Attacke. Die Beziehung zwischen ihm und dem BVB-Geschäftsführer habe stark gelitten, so Tuchel. Der 44-Jährige habe von Anfang an klar gemacht, dass er die Neuansetzung des Monaco-Spiel nicht für gut heiße. Watzke dagegen galt als Befürworter, die Partie 24 Stunden später auszutragen.

"Ich glaube, dass der größte Dissens zwischen Aki Watzke und mir gewesen ist, dass ich im Bus saß und er nicht“, legte Tuchel nach. Deftige Worte, die wohl bald eine Antwort von Watzke erwarten lassen.