​Der 1. FC Köln hat sich mit dem 2:0-Sieg im Rhein-Derby gegen Bayer 04 Leverkusen erstmals seit dem 2. Spieltag vom Tabellenende verabschiedet und die rote Laterne an den Hamburger SV abgegeben, der trotz Führung mit 1:2 gegen Hauptstadtklub Hertha BSC verlor. Die Spielweisen der beiden abstiegsbedrohten Klubs machen deutlich, dass man mit zwei unterschiedlichen Ansätzen zum Ziel kommen möchte. Auch wenn der "Effzeh" aktuell die besseren Chancen auf den Relegationsplatz hat, ist eine Entscheidung noch längst nicht gefallen. Eine Bestandsaufnahme.


Der 1. FC Köln zeigte gegen das klar favorisierte Bayer 04 Leverkusen von Beginn an eine ordentliche Leistung und suchte vor heimischem Publikum immer wieder den Weg zum gegnerischen Tor, um möglichst frühzeitig ein Tor zu erzielen und so die Weichen für einen Sieg zu stellen. So war es letztlich auch kein Wunder, dass man bereits in der neunten Spielminute durch den Japaner Yuya Osako in Führung ging. Die offensive Spielweise der Kölner machte den Rivalen vom Rhein deutlich sichtbar zu schaffen und sorgte vor allem bei Stürmer Lucas Alario für einen folgenschweren Aussetzer, der völlig zurecht mit der Roten Karte bestraft wurde. 


Gegen zehn Mann ließ der 1. FC Köln zwar in der Folge mehrere gute bis sehr gute Möglichkeiten aus, kam aber nach einem Katastrophenfehler von Leverkusens chilenischem defensivem Mittelfeldspieler Charles Aranguiz noch zum erlösendenden und entscheidenden 2:0 durch Simon Zoller. ​Neben den Torschützen machte aber vor allem Leonardo Bittencourt auf sich aufmerksam. Der Deutsch-Brasilianer kam von Beginn an über die Linke Seite zum Einsatz und wirkte wie aufgedreht. Neben dem ebenfalls starken Startelf-Rückkehrer Dominic Maroh, der für den verletzten Frederik Sörensen spielte und in der Defensive eine starke Leistung bot, war der flinke Flügelspieler in der Offensive der Dreh- und Angelpunkt der Domstädter und steht wie kein Zweiter für den Glaube und die Hoffnung am Rhein. 


1. FC Koeln v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Sorgte mit seinem Treffer zum 2:0 für den Heimsieg gegen den Rivalen aus Leverkusen: FC-Stürmer Simon Zoller



Insgesamt zeigte der 1. FC Köln wie zuletzt mehrfach eine spielerisch ansehnliche Leistung. Der Unterschied war diesmal allerdings, dass man sich ​endlich auch einmal für den eigenen Aufwand belohnen konnte. Mit nun 20 Punkten stehen die "Geißböcke" erstmals seit dem zweiten Spieltag nicht mehr am Tabellenende und haben bei noch sieben ausstehenden Spielen weiterhin alle Chancen, mindestens den Relegationsplatz zu erreichen. Da man im Saison-Endspurt zudem noch auf die direkten Konkurrenten aus Mainz und Wolfsburg trifft, hat man nach wie vor alles selbst in der eigenen Hand.  


Gleiches gilt zwar auch für den Bundesliga-Dino Hamburger SV, der hat sich mit der 1:2-Niederlage nach eigener Führung gegen Hauptstadtklub Hertha BSC allerdings selbst in die bislang schwierigste Ausgangslage der laufenden Rückrunde befördert. Eigentlich sollte unter Neu-Coach Christian Titz eine Euphorie entstehen, die neue Kräfte freisetzt. Nach dem Spiel ist jedoch klar: Der HSV scheint aktuell immer mehr zu zerbrechen. 


Hamburger SV v Hertha BSC - Bundesliga

Blick nach unten: Der HSV steht vor dem erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga



Gegen die "alte Dame" aus Berlin gingen die Rothosen mit gleich mehreren nominellen Änderungen in die Partie, Leistungsträger und Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos stand ebenso nicht in der Startelf wie die eigentlichen Stammspieler Dennis Diekmeier und Walace. Mit neuem Personal und Rückkehrer Lewis Holtby in der Startelf ging der Hamburger SV durchaus selbstbewusst in die Partie und kam so in der 25. Minute durch Douglas Santos zur nicht unverdienten Führung. Nach dem Treffer des Brasilianers verpassten es die Hanseaten allerdings, nachzulegen. Fehler schlichen sich ein im Aufbau- sowie Offensivspiel, der Gegner aus Berlin wurde so ungewollt aufgebaut und mit zunehmender Spieldauer stärker. Trotz mehr Ballbesitz brachte der HSV in den gesamten 90 Minuten neben dem Tor nur zwei weitere Torschüsse auf den Kasten von Hertha-Schlussmann Rune Jarstein, eindeutig zu wenig im Abstiegskampf. 


Nach dem Seitenwechsel kam es schließlich, wie es kommen musste, wenn es nicht läuft.  Zunächst besorgte der Österreicher Valentino Lazaro den Ausgleich in der 56. Spielminute, nur sieben Minuten später erzielte Salomon Kalou nach mustergültiger Vorarbeit von Hertha-Juwel Arne Maier den Führungs- und Siegtreffer für die Mannschaft von Coach Pal Dardai. Warum es aus Hamburger Sicht so kam, weiß wohl keiner. Obwohl man ohne eigene Torschüsse bekanntlich nicht zum Torerfolg kommen kann, schienen die Hamburger sich auf dem 1:0 ausruhen zu wollen, die zweite Halbzeit war an Harmlosigkeit in der Offensive kaum zu überbieten. Letztlich klappte allerdings nicht mal das Verwalten der knappen Führung. Ein Blick auf die Tabelle ist die Quittung für die schwache zweite Halbzeit.


Hamburger SV v Hertha BSC - Bundesliga

Brachte nicht den gewünschten Umschwung: Neu-HSV-Coach Christian Titz (r.)



Ein Blick auf die beiden Abstiegskandidaten aus Köln und Hamburg macht mehr als deutlich, dass der 1. FC Köln aktuell wieder mehr denn je an sich glaubt und die Hoffnung längst nicht aufgegeben hat. Beim HSV hingegen hat man womöglich zwar den Kampf angenommen und die bedrohliche Lage realisiert, damit umzugehen weiß allerdings kaum einer im Trikot der Elbstädter. ​


Bezeichnend für die ​Unruhe im und um den Klub ist neben der sportlichen Krise auch die jüngste ​Kritik von Abwehrmann Papadopoulos, der sich nach seinem Bankplatz öffentlich gegen seinen neuen Coach äußerte und ihn für so manche Entscheidung kritisierte. Die letzten Spieltage werden zeigen, ob einer der beiden Klubs noch einmal von einem direkten Abstiegsplatz klettern kann. Eins ist jedoch klar: Die besseren Karten hat aktuell eindeutig die Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck, nämlich der 1. FC Köln.