​Nach dem peinlichen Aus in der Europa League dürfte Peter Stöger über den Sommer hinaus keine Zukunft bei Borussia Dortmund haben. Nach Peter Bosz zündete auch die zweite Trainerentscheidung der Saison nicht wirklich. Die Konsequenzen des Rauswurfs von Thomas Tuchel im Sommer werden immer drastischer. Der Druck auf Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc wächst. Doch welchen Trainertyp braucht der BVB überhaupt?


Beim Auftritt in Salzburg wurde eines wieder klar: Borussia Dortmund hat kein Offensiv-Konzept. Plan- und Ideenlos verebbte beinahe jeder Angriffsversuch. Peter Stöger scheint allein auf die individuelle Klasse seiner Angriffsspieler zu setzen. Eine Taktik? Fehlanzeige. Dies ließ sich auch schon in Köln beobachten, als Stöger von Ausnahmekönner Anthony Modeste profitierte. Nach dem Abgang des Franzosen spielten die Domstädter eine beispiellos schlechte Hinrunde. Und nun? Bei der Borussia hat Stöger gleiche mehrere Spieler à la Modeste - und er profitiert zumeist lediglich von diesen Einzelkönnern. Beispiel: Michy Batshuayi. Alleine drei Spiele gewann der BVB aufgrund der überragenden Qualität der Leihgabe des FC Chelsea. Beispiel: Marco Reus. Der Rückkehrer sorgte in einigen Partien im Alleingang dafür, dass der BVB unter Stöger in der Liga noch ungeschlagen ist. 


Ein System, ein Konzept hat der BVB nicht. Die guten Resultate in der Liga lassen sich nicht unbedingt auf Stöger zurückführen. Der Faktor Glück spielte zuletzt eine viel zu große Rolle. Spielerisch war der BVB keine einzige Partie unter dem Österreicher dominant. Und das als Borussia Dortmund. Die Tage von Stöger scheinen gezählt. Doch wer soll auf den 51-Jährigen folgen?

Die letzten beiden Erfolgsgaranten waren Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, die in ihrer Art aber unterschiedlicher kaum sein könnten. Klopp ist ein Kumpeltyp, ein Motivator. Er knüpft an die Emotionen seiner Spieler an und ist weniger ein Taktikfuchs. Er ist ein Menschenfänger - wie es so schön heißt. Und das passte zum BVB. Aus einer Nobodytruppe formte er eine fast unschlagbare Einheit, die zweimal in Folge Deutscher Meister wurde. Doch auch während dieser Hochkonjunktur offenbarten sich ein paar Schwächeperioden, auf die 'Kloppo' meist keine Antwort parat hatte. 

Borussia Dortmund v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Klopp (l.) und Tuchel (r.) führten den BVB je zu einem Pokalsieg



Nachfolger Tuchel ist eher kühl im Umgang mit seinen Spielern, ist jedoch ein Taktik-Genie. Er verkörpert den Prototyp des modernen Trainers. Doch zwischenmenschlich eckte er gerne einmal an. So sehr, dass Watzke im Sommer keinen anderen Ausweg sah, als den Erfolgscoach (Tage zuvor gewann man den DFB-Pokal) vor die Tür zu setzen. Ein schwerwiegender Fehler, wie man nun weiß. 


Seither sucht der BVB seine Form, die weder Peter Bosz (der dies zumindest ansatzweise schaffte), noch Peter Stöger zurückbringen konnte. Der BVB benötigt nun einen Mix aus Tuchel und Klopp. Jemanden, der die Spieler motivieren kann, aber auch taktische Raffinessen mitbringt. Jemanden, der die Spieler emotional mitnimmt, ihnen aber auch einen Plan mit auf den Rasen gibt. Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc zerbrechen sich (hoffentlich) bereits den Kopf und sondieren den Markt. Die nächste Wahl muss sitzen.