Mit einer 180-Grad-Drehung soll die Wende gelingen. Christian Titz macht beim HSV alles neu. Er will den Dino wieder spielen lassen - mit mehr Ballbesitz und Offensivfußball. Der Interimscoach hat dazu ein neues Spielsystem im Gepäck und schürt vor seinem Debüt gegen die Hertha den Konkurrenzkampf. 


Die Uhren auf null - das soll nicht für die Bundesliga-Uhr im Volkspark gelten, sondern für die Spieler des HSV. Der neue Interimscoach Christian Titz versucht, zusammen mit seinen Co-Trainern Soner Uysal und Matthias Kreutzer, von Beginn an eine Art ​Aufbruchsstimmung beim Dino zu erzeugen. Gelingen soll das mit einem Paradigmenwechsel: Weg vom Zerstörer-Fußball unter Bernd Hollerbach und der Hau-Ruck-Taktik von Markus Gisdol hin zu offensivem Ballbesitzfußball.

"Ich stehe für eine eigene Spielidee, mit der ich vor drei Jahren hier im Nachwuchsbereich angetreten bin und die ich dann bis in die U21 getragen habe. Jetzt hat der Verein entschieden, diese Spielidee auch im Profibereich zu installieren", verkündete der neue HSV-Coach bei seiner Vorstellung am Dienstag. Mehr Ballbesitz und mehr Lösungen in der Offensive will der 46-Jährige finden. "Zu allererst: Wir haben Spieler mit Qualität. Und wenn wir sehen, dass sich bestimmte Dinge nicht umsetzen lassen, werden wir sie natürlich anpassen", bekräftigte Titz.


Gelingen soll das zum einen mit einer Systemumstellung: Der gebürtige Mannheimer will auf ein 4-1-4-1-System setzen, das ihn mit der U21-Regionalligamannschaft an die Tabellenspitze verhalf. Zum anderen schürt er den Konkurrenzkampf im Team mit frischem Blut aus der Regionalliga und der U19. Gleich ​sechs neue Spieler dürfen sich bei den Profis präsentieren. 

Sie sollen vor allem helfen, die neue Spielidee schnellstmöglich zu implementieren. Die Zeit bis zum ersten Spiel am Samstag gegen die Hertha (15.30 Uhr) ist knapp. Die Beförderten hätten aber auch "grundsätzlich Qualität" und so die Chance "den Sprung in den Kader zu schaffen", sagte Titz. Ab Donnerstag werde der ​Kader von 33 Spielern auf 22 reduziert"Was gewesen ist, interessiert uns nicht mehr. Jeder der Jungs, die jetzt dabei sind, hat die Möglichkeit durch die Tür zu gehen", betonte er. Das gelte auch für Christian Mathenia und Julian Pollersbeck. Titz will nach den Trainingseindrücken entscheiden, wer sich als "der Bessere herauskristallisiert“.

Die Hoffnung hat Titz trotz des Sieben-Punkte-Rückstands auf den Relegationsplatz noch nicht aufgegeben: "Es ist eine sehr schwierige Lage, ich kann schon die Tabelle lesen. Trotzdem hat sie keinen großen Einfluss. Denn ich weiß, dass wir am Samstag ein Spiel bekommen, in dem wir noch einmal vieles herumreißen können", gibt er sich kämpferisch. Gegen die Hertha soll das vor allem mit neuen, spielerischen Mitteln gelingen.