Milot Rashica war für viele der ​"Mann des Abends" bei Werders 3:1-Sieg gegen Köln. Mit seinem Premierentor leitete der Winter-Neuzugang den so wichtigen Heimerfolg ein. Für Werder-Coach Florian Kohfeldt war aber Max Kruse "fast der beste Mann", auch wenn der Ex-Nationalspieler eher unauffällig blieb. Kohfeldt lieferte eine logische Begründung.


Es war ein ganz wichtiger Sieg für Werder Bremen im Montagabend-Spiel gegen Schlusslicht 1. FC Köln. Mit nun fünf Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz konnte sich das Team von Florian Kohfeldt weiter von den Abstiegsrängen lösen. Beim ​3:1-Heimerfolg sorgte Winter-Neuzugang Milot Rashica mit seinem Premierentreffer im Werder-Dress für die vorentscheidende 2:1-Führung. Und das, obwohl der 21-jährige Außenstürmer zunächst gar nicht für die Startelf vorgesehen war. 


Vier Minuten vor dem Anpfiff musste sich Philipp Bargfrede übergeben, Rashica rückte für ihn ins Team. Bei der ​kurzfristigen Umstellung bewies Kohfeldt einmal mehr ein gutes Händchen, auch wenn der Werder-Coach es scherzhaft als "Bauchgefühl von Bargi" bezeichnete. Der Nationalspieler des Kosovo dankte es mit seinem ersten Bundesliga-Tor und einer überzeugenden Leistung. Für Frank Baumann keine große Überraschung: Er habe immer gesagt, "dass Milot auch in dieser Saison schon Spiele entscheiden wird. Er musste sich gedulden, musste sich bei uns erst hinten anstellen. Wir haben aber nie an seinen Qualitäten gezweifelt“, versicherte der Werder-Manager gegenüber der ​Deichstube.


Kohfeldt ist von seinem jungen Flügelstürmer ebenso überzeugt: "Im Eins-gegen-eins ist Milot auch im Training nicht zu halten.“ Gegen den FC zeigte der 21-Jährige das schon im ersten Durchgang, vergab seine Großchance kurz vor Ende der ersten Halbzeit aber deutlich. "Das wird schon“, munterte sein Trainer ihn in der Pause noch auf. Es folgte die Bestätigung im zweiten Abschnitt.

Sturm-Kollege Max Kruse muss dagegen weiter auf sein sechstes Saisontor warten. Der Werder-Angreifer ist nun schon seit fünf Partien ohne eigenen Treffer. Gegen den FC kam für den 29-Jährigen auch keine weitere Torvorlage hinzu. Sieben hat er in der laufenden Bundesliga-Saison auf dem Konto. Dennoch war der Ex-Nationalspieler für seinen Trainer "fast der beste Mann auf dem Platz". Man müsse Kruse inzwischen anders bewerten, betonte Kohfeldt.

"Max wird verfolgt - und zwar quer über den Platz“, erklärt Kohfeldt das "große Handicap" seines Star-Spielers. Schon vor dem Auswärts-Auftritt in Gladbach dachte der Werder-Coach deshalb öffentlich darüber nach, Kruse in Zukunft in einer anderen Rolle auflaufen zu lassen, um ihm so mehr Freiheiten zu geben. Das geschah teilweise schon am Montagabend. "Gegen Köln hat er irgendwann sogar auf der Acht gespielt - und auch diese Aufgabe erfüllt er. Max ist halt ein sehr intelligenter Spieler“, lobte der 35-Jährige.

Kruse

Die Heatmap zeigt: Max Kruse war gegen Köln überall auf dem Platz zu finden (Spielrichtung von links nach rechts). Quelle: Squawka.com



Auch wenn Kruse für seine Verhältnisse eher unauffällig blieb und an keinem der drei Treffer direkt beteiligt war, hatte er dennoch großen Einfluss auf das Werder-Spiel. So wie im ersten Durchgang, als er seine größte Torchance aus dem Mittelfeld selbst einleitete und mit einem Fernschuss an FC-Keeper Timo Horn scheiterte. 58 Ballaktionen hatte der 29-Jährige insgesamt, 57 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich - eine gute Quote für einen Offensivspieler. Und auch seine Abspielgenauigkeit war mit 77 Prozent gut, da Kruse sich oft auch für einen Risikopass entschied.


Kohfeldt sah das ähnlich. Kruse öffne das Spiel, auch wenn er eng bewacht wird, "hat Aktionen, findet Räume. Wir haben immer darüber geredet, dass wir die Räume, die sich dann öffnen, besser anlaufen müssen“, meinte der 35-Jährige. Rashica und Maximilian Eggestein gelang das bei den Toren zum 2:1 und 3:1 in Perfektion. Kohfeldt habe aber die Hoffnung, dass man irgendwann dahin komme, "dass sich die Gegner nicht mehr nur auf Max konzentrieren können“. Bis dahin bleibt Kruses Bedeutung für Kohfeldt groß: "Die ist weiterhin immens für uns. Wie Max alles organisiert, auch defensiv, das ist stark", hebt er hervor.