​RB Leipzig zwischen Europa-Euphorie und Liga-Frust. Der Vizemeister kann gegen Zenit St. Petersburg den "historischen" Viertelfinal-Einzug in der Europa League schaffen. In der Bundesliga droht dagegen nach vier sieglosen Spielen der Fall aus dem ersten Tabellendrittel. Für RB-Coach Ralph Hasenhüttl sind die wechselhaften Ergebnisse nur logische Konsequenz der Klub-Philosophie.


13 Spiele hui, 13 Spiele pfui - so ähnlich könnte man die zweite Bundesliga-Saison von RB Leipzig beschreiben. In der ersten Hälfte konnte der Vizemeister mit acht Siegen, zwei Remis und drei Niederlagen die hohen Erwartungen erfüllen, die die Leistungen aus dem Vorjahr geweckt haben. Seit dem 14. Spieltag gab es aber nur noch drei weitere Erfolge bei je fünf Niederlagen und Punkteteilungen. Auf Rang sechs liegen die Roten Bullen gerade noch so auf dem anvisierten Europapokal-Platz.


Ein Grund für die Inkonstanz ist die gestiegene Belastung durch Champions League und jetzt der Europa League. Dazu kommt Verletzungspech und ein knapp bemessener Kader mit 20 Feldspielern. Mit Dayot Upamecano, Ibrahima Konaté, Konrad Laimer, Ademola Lookman und Jean-Kévin Augustin sind gleich fünf Profis noch im Teenager-Alter oder gerade erst 20 Jahre alt geworden.


Es ist Teil der Philosophie der Vereine des Brause-Imperiums auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzten, auch vor dem Hintergrund diese später für einen satten Gewinn weiterverkaufen zu können. Für die Leipziger ist das nach der Vizemeisterschaft zum Problem geworden. Naby Keïta wird den Klub im Sommer bereits sicher gen Liverpool verlassen, Emil Forsberg ist viel umworben, ebenso Timo Werner und Upamecano. Spieler wie Marcel Sabitzer oder Jean-Kevin Augustin könnten sich ebenfalls bald zu höheren Aufgaben berufen fühlen.


Alles eine Frage der Perspektive


Für Trainer Ralph Hasenhüttl ist die aktuelle Entwicklung nur logische Konsequenz. Beinahe gebetsmühlenartig verweist er auf das schwierige zweite Bundesliga-Jahr und die Konkurrenz um Schalke, Dortmund und Leverkusen. "Vor der Saison haben wir gesagt, wenn wir es irgendwie schaffen, uns wieder für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren und noch dazu zu überwintern, wäre das überragend“, meint der Österreicher. Intern werde die Situation etwas anders gesehen als extern, behauptet der 50-Jährige. Der RB-Weg heißt eben auch einem A-Jugendlichen wie Ibrahima Konaté ​in Stuttgart 90 Minuten Spielzeit zu geben, findet er.

Es sei eine Frage, "die sich der Verein grundsätzlich stellen muss. Wenn man die Saison aus der Perspektive des Erfahrung sammeln sieht, war sie glaube ich sehr wichtig für meine junge Mannschaft. Es ist eine komplett andere Grundvoraussetzung, unter der wir gestartet sind, das haben wir immer gewusst. Das richtig einzuordnen, dabei helfe ich meinen Jungs gerne“, sagte der RB-Coach vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League. 


Am kommenden Donnerstag gegen Zenit St. Petersburg (19 Uhr) biete sich die "historische Möglichkeit“ ins Viertelfinale einzuziehen. RB geht mit einem ​2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel in Leipzig in die Partie.