​In seinem neuen Buch "Mit den Händen sehen: Mein Leben und meine Medizin", aus dem exklusive Auszüge in der Bild abgedruckt werden, äußert sich der frühere Mannschaftsarzt des FC Bayern München, Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, über den Disput mit dem ehemaligen Bayern-Trainer Pep Guardiola. So gesteht er unter anderem auch, bei der Aussprache mit Guardiola die Beherrschung verloren zu haben.


Zwischen 1977 und 2015 war Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt - mit einer Ausnahme von rund sechs Monaten - Mannschaftsarzt des FC Bayern München. Seit 1996 betreut er zudem die deutsche Nationalmannschaft. Dass es nach einer solch langen Zeit zur Trennung kam, lag an akuten Meinungsverschiedenheiten mit Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola. "Unter Pep Guardiola veränderte sich das Klima beim FC Bayern München, und es wurde mehr und mehr deutlich, dass er mir und meinem Team kein Vertrauen schenkte", so Müller-Wohlfahrt.


"Er sah mich offenbar in der Rolle eines Befehlsempfängers, über den er jederzeit verfügen konnte. Anfangs täuschte er sich wohl in mir und glaubte, es sein ein Leichtes, sich gegen mich durchzusetzen. Als er aber merkte, wie groß mein Rückhalt bei der Mannschaft und im Verein war, wurde er nur noch ungehaltener", erklärt der Doc. Mehrere Male soll es zwischen Guardiola und dem Mannschaftsarzt Streit gegeben haben.


"Fünf Minuten Aufwärmen im Schnelldurchlauf, das musste reichen"


Dabei kritisiert er nicht nur den menschlichen Umgang seitens Guardiola, sondern auch den Katalanen direkt: "Guardiola wurde damals in den Medien gerne als innovativer, wenn nicht revolutionärer Trainer dargestellt. Beim FC Bayern München aber drehte er die Uhr gewaltig zurück. Es ging sogar so weit, dass er unser medizinisch durchdachtes, jahrelang bewährtes Vorbereitungsprogramm vor dem eigentlichen Fußballtraining auf den Kopf stellte." Unter anderem soll auch das von Guardiola gewünschte Aufwärmprogramm ein Grund für Meinungsverschiedenheiten gewesen sein. "Fünf Minuten Aufwärmen im Schnelldurchlauf, das musste reichen. Doch das konnte nicht gut gehen", sagt der Arzt. "Das konnte nicht gut gehen", so er weiter. Dementsprechend hoch war die Verletztenliste, die eben darauf zurückzuführen sei.


Wenn es nach Guardiola geht, sei jedoch Müller-Wohlfahrt an dem hohen Verletztenstand Schuld gewesen. So soll Guardiola dem Arzt gesagt haben, dass es nicht sein könne, "dass die Verletzungen bei uns sechs Wochen dauerten und in Spanien nur 14 Tage". Alles in allem führte diese Situation dazu, dass sich der Arzt, der mittlerweile in leicht veränderter Form wieder beim deutschen Rekordmeister aktiv ist, sich zurückzog. Eine Persönlichkeit, die diesen Disput zu verhindern gewusst hätte, ist Uli Hoeneß. "Ich glaube, wäre ich damals nicht verhindert gewesen, hätte ich den Konflikt zwischen Mull und Pep Guardiola moderieren können", so Hoeneß, der zu dieser Zeit jedoch im Strafvollzug saß und sich selbst damals als fehlenden Puffer sieht.

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Scharfe Kritik an Guardiola


Müller-Wohlfahrt geht in seinem Buch sogar so weit, dass er den aktuellen Trainer von Manchester City sehr direkt scharf kritisiert. "Ich halte Pep Guardiola für einen Menschen mit einem schwachen Selbstbewusstsein, der alles dafür tut, um andere darüber hinwegzutäuschen. Er scheint deshalb in ständiger Angst zu leben, nicht so sehr vor Niederlagen sondern viel mehr vor dem Verlust von Macht und Autorität", so der 75-Jährige.


Als es zu einer Aussprache zwischen Müller-Wohlfahrt und Guardiola kommen sollte, platzte dem Arzt der Kragen. Er habe den Coach angeschrien und mit der Faust auf den Tisch gehauen. "Ich konnte nicht begreifen, dass ein Trainer, der so viele Lebensjahre zählte wie ich Berufsjahre bei den Bayern, mir und meiner Erfahrung keinerlei Gehör schenkte", so der Ex-Bayern-Arzt.