​Borussia Dortmund versinkt immer mehr im Mittelmaß. Mittlerweile geht man selbst gegen das - mit Verlaub - europäische Leichtgewicht FC Salzburg als verdienter Verlierer vom Platz. Der BVB bekommt die PS, die ja nachweisbar da sind, nicht auf den Rasen. Im Sommer sollter deshalb der nächste Umbruch anstehen - diesmal aber in agierender Art und Weise.


Die einstige Heimmacht, die unter Thomas Tuchel noch zwei Jahre am Stück daheim ungeschlagen blieb, kassierte am Donnerstagabend die sechste Heimniederlage in dieser Saison. Dabei hießen die Gegner nicht immer Bayern München, Real Madrid oder Tottenham, wie im Spätherbst letzten Jahres, sondern auch Werder Bremen, RB Leipzig oder nun FC Salzburg. Dass im Signal Iduna Park selbst gegen APOEL Nikosia kein Sieg gelang, ist gleichbedeutend mit einer Niederlage.


Erschreckender Leistungseinbruch der Offensive


Lediglich zwei Schüsse aufs Tor markierte der BVB in der gestrigen Partie und das in einem Spiel, in dem es darum ging eine möglichst gute Ausgangslage für das Rückspiel zu schaffen. Eine gute Offensive gewinnt Spiele, eine gute Verteidigung Titel - aktuell besitzt man in Dortmund beides nicht. Trotz Spielern wie Marco Reus, André Schürrle, Mario Götze, Christian Pulisic und Michy Batshuayi gelingt es dem Revierklub nicht, Chancen zu generieren. Sprach man in den letzten Jahren stets von der schlechte Chancenverwertung, steht dieser Tage die geringe Anzahl von Chancen im Fokus.


Borussia Dortmund v FC Augsburg - Bundesliga

Spielt auch mit Dortmund "Effzeh-Fußball" - BVB-Trainer Peter Stöger.



Peter Stöger trat das Amt in Dortmund mit der Aufgabe an, die Defensive zu stabilisieren. Das gelang dem Österreicher auch ganz gut. Allerdings zu Lasten der Offensive, die völlig planlos wirkt. Stöger zeichnete sich in der Vergangenheit nicht gerade durch berauschenden Angriffsfußball aus, sondern galt eher als Spielzerstörer. Dass ihn das aber auch bei einer Mannschaft wie Borussia Dortmund charakterisiert ist verwunderlich. "Selbst ich werde es nicht schaffen hier keinen attraktiven Fußball spielen zu lassen", sagte er bei seinem Amtsantritt. Er sollte Unrecht behalten.


Fehlte ihm bei Köln schlicht das Spielermaterial für ansehnlichen Fußball, trifft Stöger bei seinem jetzigen Arbeitgeber sicherlich das zweitbeste Personal in Deutschland nach den Bayern an. Und dennoch will es nicht so recht funktionieren in der Offensive. In den letzten fünf Partien erzielten die Schwarz-Gelben nie mehr als ein Treffer. Das ist einfach zu wenig.


X-ter Umbruch steht bevor


Im Sommer muss der nächste Umbruch eingeleitet werden - ein Unwort im Dortmunder Umfeld, denn bereits vor drei Jahren wurde dieser nach der Ära Klopp eingeleitet, als Thomas Tuchel übernahm. Denn bereits vor zwei Jahren wurde dieser nach dem Abgang der Achse Hummels-Gündogan-Mkhitaryan eingeleitet, als es Wunderknaben wie Ousmane Dembélé richten mussten. Und auch im letzten Jahr wurde dieser eingeleitet, als man das zwischenmenschliche Problem mit Erfolgstrainer Tuchel als zu schwerwiegend analysierte und die sportliche Leitung an Peter Bosz übertrug - das Ende ist bekannt.


In diesem Sommer aber erfolgt ein Umbruch, der sich gewissermaßen von den bisherigen unterscheidet, denn dieses Mal ist er Aktion, statt Reaktion. Aktion, weil der BVB sich einfach von gewissen gehaltschluckenden, kaderfüllenden und altgedienten Spielern trennen muss und nicht auf den Abgang eines Leistungsträgers reagiert. Aktion, weil die Herren Watzke und Zorc einmal die rosarote Brille absetzen und merken sollten, dass man mit Spielern wie Marcel Schmelzer, Nuri Sahin, Gonzalo Castro, Erik Durm und vielen anderen ehemaligen Klasse-Spielern einfach keinen Blumentopf mehr gewinnt. Diese Spieler haben Großes geleistet für den BVB - keine Frage - allerdings nützt es weder den Spielern, noch dem Verein, wenn die Stars vergangener Tage aufgrund ihrer jahrelang zurückliegenden Erfolge jährlich mitgeschleift werden. 


FBL-GER-BUNDESLIGA-AGM-DORTMUND

Die besten Tage liegen weit zurück - Marcel Schmelzer (l.) und Nuri Sahin (r.).



Auch der Trainermarkt sollte genaustens sondiert werden. Zwar kann der in der Liga noch ungeschlagene Peter Stöger beste Resultate vorweisen. Spielerisch aber, befindet sich sein Team auf dem absteigenden Ast. Spielerisch kann der BVB mit Teams wie Bergamo, Leipzig oder Salzburg kaum noch mithalten - geschweige denn mit den Bayern. Spielerisch ist der BVB in der Liga nur noch Mittelmaß - wenn überhaupt. Und das ist nun einmal dem Trainer zuzuschreiben. Und seien wir ehrlich: Spiele, wie die gegen Köln, Freiburg, Gladbach oder Bergamo hätten mit ein bisschen weniger Glück auch verloren werden können. Und dann sähe die ach so makellose Bilanz des Trainers nicht mehr so rosig aus.


Borussia Dortmund befindet sich nun vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Vertraut man dem aktuellen Personal, läuft man Gefahr sich künftig mit Teams wie Hoffenheim, Hertha oder Gladbach um die Europa-League-Plätze zu streiten. Geht man aber den mutigen, den unangenehmen Weg, nämlich den des erneuten Umbruchs, dann könnte der BVB wieder zu dem werden, was er in den letzten Jahren war. Ein Top-8-Team Europas, ein, zumindest in Eins-gegen-Eins-Duellen, ebenbürtiger Bayern-Gegner, Deutschlands Nummer zwei. Doch dieser Weg wird kein leichter sein.