Müsste man eine „Überraschungsmannschaft“ der Saison benennen, käme man nicht umher, den FC Schalke 04 zumindest in die engere Auswahl zu nehmen. Klar, angesichts des starken Kaders und der Historie der „Königsblauen“ ist der derzeitige zweite Platz fernab einer Sensation – und doch leisten Domenico Tedesco und seine Mannschaft derzeit herausragende Arbeit.


Im Interview mit Der Westen zog Tedesco nach rund einem dreiviertel Jahr auf Schalke ein Zwischenfazit. „Nun ja, wir stehen auf Platz zwei und im Halbfinale des DFB-Pokals, und auch wenn wir aktuelle Platzierungen nicht überbewerten, weil sie noch gar nichts zu sagen haben – damit konnte man nicht unbedingt rechnen“, erklärte der 32-Jährige. Und weiter: „Wir haben eine Mannschaft, die sehr fleißig ist, die Spieler hören zu und saugen alles auf. Das ist auch nicht selbstverständlich, ich kannte sie ja vorher nicht.“

Als Erfolgsformel nannte Tedesco die taktische Flexibilität seiner Mannschaft, die auch daher komme, dass die Spieler Einfluss auf den jeweiligen Matchplan nehmen können. „Die Mannschaft glaubt mehr an den Plan, wenn sie ihn mitentwickelt. Wichtig ist, dass man sie nicht überfrachtet, das wäre kontraproduktiv“, erläuterte der Erfolgstrainer.


Zum Thema Max Meyer erklärte Tedesco, dass dieser stets betont hat, sich in Gelsenkirchen wohlzufühlen. „Aber da gibt es eben auch noch andere Faktoren, das muss man akzeptieren“, führte der ehemalige Aue-Coach weiter aus. In jedem Fall werde S04 aber zweigleisig planen. „Wir dürfen ja nicht am Ende ohne einen Ersatz dastehen“, erklärte Tedesco.

Um schnellstmöglich auf Schalke anzukommen, holte sich Tedesco auch diverse Ratschläge von S04-Ikonen. „Ich will hören, was Schalke-Kenner wie Martin Max, Mike Büskens, Ebbe Sand, Gerald Asamoah oder die Kremers-Zwillinge zu sagen haben, die Erfahrung dieser Leute kann ich doch gar nicht haben“, sagte Tedesco, der auch im stetigen Austausch mit Jahrhunderttrainer Huub Stevens steht: „Huub Stevens hat mir gerade noch nach unserem Sieg gegen Hertha geschrieben, dass es besonders gut ist, wenn man auch schlechte Spiele gewinnt, und dass die Null stehen muss.“


Die Chance, für die „Königsblauen“ arbeiten zu dürfen, bezeichnet Tedesco als „Traum“. Gerade die Fans des Traditionsklubs haben es dem Deutsch-Italiener angetan: „Kürzlich habe ich bei minus acht Grad zu meinem Co-Trainer gesagt: Heute wird wohl mal kein Fan beim Training sein. Und dann gehen wir raus und sehen: Alles voll wie immer.“