​Jonathan Klinsmann wechselte vor der Saison von der University of Berkley zur Berliner Hertha. Für die Profis stand der Sohn des früheren Nationalstürmers Jürgen seither lediglich einmal auf dem Platz: Beim sportlich bedeutungslosen Europa-League-Spiel gegen Östersunds BK. Gegenüber dem Kicker hat sein Torwarttrainer Zsolt Petry den 20-Jährigen nun in die Pflicht genommen und erklärt, woran es dem gebürtigen Münchener noch fehlt. 


Die körperlichen Defizite, die Klinsmann im Sommer aus den USA mitbrachte, habe der talentierte Nachwuchskeeper mittlerweile aufgeholt. Auch sportlich stimme das Paket, in einem anderen Bereich herrsche aber noch großer Nachholbedarf: "Das Können hat er, aber er bringt es nicht jeden Tag in der Praxis auf den Platz. Das vermissen wir im Trainerteam alle von ihm. Die vergangenen zwei, drei Monate sind nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Das seriöse, ernsthafte, fokussierte, deutsche Arbeiten hat ihn noch nicht ganz erreicht, das ist noch zu viel Amerikanisch drin."


Neben sportlichen Fähigkeiten müsse ein guter Torhüter auch eine gewisse Ausstrahlung haben, und auch hier muss der 20-Jährige laut Petry noch zulegen: "Die Persönlichkeitsentwicklung ist etwas hängengeblieben. Das siehst du im Training: Er spricht wenig mit den Mitspielern, hat wenig Kontakt, wenig Ausstrahlung, Überzeugung und Entschlossenheit. Mit einem Wort - ihm fehlt noch die Körpersprache. Aber ohne diese Tugend kommst du hier im Fußball nicht durch. Wenn er das hinkriegt, kann er eine Option werden - wenn nicht, wird es schwierig. Er muss es erzwingen, dass er seine Mitspieler coacht. Er muss es erzwingen, dass er bei einem Ball aggressiver aus dem Tor rauskommt. Das ist das, was junge Torhüter in der Bundesliga ausmacht, die es in seinem Alter geschafft haben."


Klinsmann erkennt diese Probleme selbst auch, glaubt aber an Besserung. Die Umstellung von College auf Bundesliga sei ihm nicht leicht gefallen, die Sprachbarriere sei erschwerend dazu gekommen. Jetzt, wo sie überwunden ist, sollte es ihm leichter fallen, den von Petry geforderten nächsten Schritt zu gehen und vom Talent zur Persönlichkeit heranzureifen. Bei seinen bisherigen Einsätzen in Regionalliga und Europa League wusste er schließlich zu gefallen, gegen Östersunds hielt er sogar einen Elfmeter. 


Wenn er nun, um es mit Pal Dardais Worten zu sagen, ein Mann wird, kann er sein ehrgeiziges Ziel, in Berlin die Nummer 1 zu werden, irgendwann erreichen. Wenn nicht, könnte er auch ganz schnell durchs Raster fallen. Aktuell stehen bereits vier Keeper im Hertha-Kader, nach der Saison kehren die verliehenen Marius Gersbeck und Nils Körber zurück - wenn Klinsmann nicht aufpasst, ist sein Traum schnell vorbei.