Jupp Heynckes spricht Klartext. Mit Ablauf der Saison kehrt die Trainer-Ikone in den Ruhestand zurück. Dass der FC Bayern offenbar nach einem deutschsprachigen Nachfolger Ausschau hält, begrüßt er sehr. Favorit Thomas Tuchel traut er dem Job an der Säbener Straße zu - und gerät über den ehemaligen BVB-Coach regelrecht ins Schwärmen.


23 Siege bei nur einem Remis und einer Niederlage - das ist die vorläufige Traumbilanz von Trainer-Ikone Jupp Heynckes bei seiner vierten Amtszeit an der Seitenlinie des FC Bayern. Klar, dass der 72-Jährige Begehrlichkeiten weckt, sein Engagement auch über die Saison hinaus fortzuführen. Präsident Uli Hoeneß wollte ​lange Zeit den Kampf nicht aufgeben, ließ bei einem Fan-Treffen sogar über den Heynckes-Verbleib abstimmen. 


Der hat mehrfach unmissverständlich klar gemacht, dass er ab Sommer zurück in Rente gehen will. Die Fan-Abstimmung befand er im Gespräch mit der Sportbild "zu dem Zeitpunkt nicht ganz glücklich". Sein Verhältnis zu Hoeneß trübe das allerdings nicht. "Ich kenne Uli in- und auswendig und weiß, wie ehrgeizig und ambitioniert er ist", so Heynckes. An seiner Entscheidung ändere das aber nichts.

Heynckes begrüßt Suche nach deutschsprachigem Trainer


So muss der FC Bayern nach einem Nachfolger Ausschau halten. Wie in seiner letzten Amtszeit könnte Heynckes dabei dem neuen Trainer ein schweres Erbe hinterlassen - wenn er erneut das Triple holt. Der Markt bleibt auch so schwierig und eng. Es soll ein deutschsprachiger Trainer her. Heynckes begrüßt das: "Es wurde hier früher meist über internationale Trainer gesprochen, die schon die Champions League gewonnen hatten oder zumindest mit Klubs wie Barça Meister wurden. Nun dreht sich die Diskussion um die deutschen Trainer, und das finde ich gut", spielt er auf die Engagements von Pep Guardiola und Carlo Ancelotti an. "Der Klub weiß, was er will. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die deutsche Sprache für ausländische Trainer nur sehr schwer zu erlernen ist. Die Identität wird durch einen deutschsprachigen Trainer auch besser gewahrt. Diese Erkenntnis hat sich bei den Verantwortlichen durchgesetzt", erklärt der 72-Jährige. In einer Fremdsprache komme man "nie in die Tiefe und an den Menschen ran", findet er. "Das geht auch nicht über Dolmetscher-Kabinen, die es hier einst unter Jürgen Klinsmann gab, als ich interimistisch als Trainer einsprang.“


Favorit auf sein Erbe ist deshalb nach Informationen der Sportbild auch Thomas Tuchel. Heynckes würde die Verpflichtung des ehemaligen BVB-Coach begrüßen. "Ich denke, dass ​Thomas Tuchel die Qualität hat, auch einen FC Bayern zu trainieren“, urteilt er und stimmt danach eine regelrechte Lobeshymne auf seinen 44-jährigen Kollegen an.

"Ich schätze Thomas Tuchel, er hat den Weg in Mainz von den Jugendmannschaften nach oben kontinuierlich zurückgelegt. Das ist die Erfolgsleiter, die man gehen muss: Man lernt die richtige Ansprache, den Umgang mit Menschen. Borussia Dortmund hat dann unter Tuchel einen sehr tollen Fußball gespielt, mit gutem System. Alle modernen Elemente, die zum heutigen Fußball gehören, waren vorhanden. Tuchel wurde Vizemeister, Pokalsieger und ließ attraktiven Fußball spielen. Es hat mir Spaß gemacht, seinem BVB zuzusehen. Deswegen schätze ich ihn und halte ihn für einen sehr guten Trainer.“


Die zwischenmenschlichen Probleme, die in Dortmund zu Tuchels Aus geführt haben sollen, spielt Heynckes herunter. "Ach, was wurde da über mich auch schon alles geschrieben. Als junger Trainer macht man Fehler, mein Gott, das kommt vor. Natürlich wird Thomas irgendwann die eine oder andere Sache anders sehen", befindet er. Das seien aber nur "Kleinigkeiten. Was zählt, ist doch: Seit Tuchel weg ist aus Dortmund, hat der Verein nicht mehr einen so tollen Fußball gespielt“.


Neben Tuchel wurden zuletzt auch Bundestrainer Joachim Löw und ​Freiburg-Coach Christian Streich gehandelt. Kumpel Hoeneß wird den Worten von Heynckes aber genau folgen. Denn was der 72-Jährige sagt, hat Gewicht - und verspricht Erfolg.