Versöhnung oder Abschied. Sollte sich Schalke-Manager Christian Heidel nicht bald mit Meyer-Berater Roger Wittmann aussprechen, scheint der Abgang des 22-Jährigen unausweichlich. Schlimmer noch: Der Streit könnte sich auch auf die Zukunft von Thilo Kehrer auswirken. Der wird ebenfalls von Wittmann beraten und blockt derzeit Vertragsgespräche kategorisch ab.


Die Fronten sind verhärtet. Im Poker um Max Meyer scheint der FC Schalke 04 schlechte Karten zu haben. Eine Vertragsverlängerung des Schalker Eigengewächses ist in weite Ferne gerückt. Die Frist für ein zweites Angebot hatte der 22-Jährige verstreichen lassen und ​auf seine persönliche Deadline um den 20. März verwiesen. Meyers ​Berater Roger Wittmann legte vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC vergangenen Freitag nach


"Zwei E-Mails reichen nicht, um einen Schalker Jung vom Verbleib zu überzeugen“, ließ der 58-Jährige gegenüber Sky wissen. Schalke-Manager Christian Heidel fiel darauf aus allen Wolken und wollte "​kaum glauben, dass er das gesagt hat". Der Streit zwischen Wittmann und Heidel war spätestens zu diesem Zeitpunkt eskaliert.


Die beiden sollen schon seit Heidels Zeit in Mainz ein angespanntes Verhältnis haben. In den Verhandlungen mit Meyer wurde dieses nun offensichtlich und erreichte eine neue Stufe. Heidel sagte gegenüber der Bild zwar, "ein Gespräch wird an mir nicht scheitern". Wittmann will allerdings stur bleiben und sich nicht beim Schalke-Manager melden. Er habe die Eskalation nicht zu verantworten, findet der Meyer-Berater.


Er und sein Klient sind dem Vernehmen nach ohnehin enttäuscht über die mangelnde Wertschätzung des "Schalker Jung". Das Angebot entspricht nicht den Vorstellungen - insgeheim hatten die beiden wohl auf die frei gewordenen Goretzka-Millionen spekuliert. Heidel kündigte dagegen an weiter gesprächsbereit zu sein. Eine neue, verbesserte Offerte kann Meyer aber nicht erwarten. Königsblau dürfte auf das vorliegende 22-Millionen-Euro-Paket über vier Jahre beharren. Heidel hatte zuletzt betont, dass man nicht mehr lange auf eine Entscheidung von Meyer warten möchte, um die neue Saison planen zu können.

Eine Trennung im Sommer deutet sich deshalb mehr und mehr an. Am Sonntagabend wurde Meyer mit Wittmann in einem Restaurant in Berlin gesichtet. "Ja, wir haben uns dort getroffen und natürlich über die Zukunft von Max gesprochen“, wird der 58-Jährige von der ​Bild zitiert. Dabei ging es wohl um die vielen Möglichkeiten seines Klienten. Der ablösefreie U21-Europameister steht bei vielen Top-Klubs in Europa auf dem Zettel. Seinen neuen Arbeitgeber kann sich Meyer aus einem großen Topf aussuchen: Der FC Arsenal, die Mailänder Klubs, der FC Barcelona und Atletico Madrid sollen darin sein.


Die Schalke-Anhänger müssen sich also damit anfreunden, dass ein weiteres Talent aus der Knappenschmiede den Verein ablösefrei verlässt und die besten Jahre der Karriere bei einem anderen Klub verbringen möchte. Die Crux an der Meyer-Causa: Berater Wittmann plant auch die Karriere von Innenverteidiger Thilo Kehrer. Dessen Vertrag läuft ein Jahr später aus - ​Kehrer blockt derzeit Verhandlungen über einen neuen Vertrag kategorisch ab.

Ob dahinter Wittmann steckt, bleibt Spekulation. Sein Streit mit Heidel dürfte die Chancen der Knappen auf jeden Fall nicht verbessern. Sollte sich auch Kehrer für einen Wechsel entscheiden, wäre das für den Klub der Super-Gau. Zumindest droht aber ein ähnliches Szenario wie in der laufenden Spielzeit bei Goretzka und Meyer. Angesichts des sportlichen Aufschwungs könnte sich Königsblau so sein eigenes Haus wieder einreißen. Es wäre vor allem schade für die treuen Anhänger, die einen weiteren Gesichtsverlust der Schalker Mannschaft hinnehmen müssten.