Eine Trainer-Legende bleibt stur. Arsene Wenger will auch nach der jüngsten Pleiten-Serie des FC Arsenal nicht aufgeben. Trotz der immer größer werdenden öffentlichen Kritik und dem schwindenden Rückhalt im Verein, hat der 68-Jährige einen Rücktritt offenbar ausgeschlossen. Wenger glaubt, sein Team aus der Krise führen zu können - und hofft dabei auf die Unterstützung von Eigentümer Stan Kroenke. 


Sechs Niederlagen aus den vergangenen acht Spielen, zuletzt die ​1:2-Schlappe bei Aufsteiger Brighton & Hove Albion. Beim FC Arsenal herrscht trotz der Winter-Deals mit Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan Krisenstimmung. Das angepeilte Minimalziel Platz vier und Rückkehr in die Champions League ist mit 13 Punkten meilenweit entfernt.


Der Schuldige ist schnell gefunden. ​Arsene Wenger steht mehr denn je in der ​Kritik. In den sozialen Medien ist der Hashtag #WengerOut längst Sprachrohr für den Frust der Gunner-Anhänger geworden. Die Trainer-Legende selbst will von alledem aber nichts wissen. Auch nach der Pleite in Brighton glaubt er weiter an die Wende und hält an seinem Job fest. "Ich muss zugeben, es ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ich eine solche Situation erlebe", so der 68-Jährige nach dem Spiel gegenüber Sky Sports UK. "Es ist nicht einfach, doch ich habe genug Erfahrung, um die Wende zu schaffen. Wir müssen zusammenhalten und uns auf unsere Aufgaben fokussieren - es gibt keine andere Möglichkeit."

In den Medien ist man ganz anderer Meinung. Nach 21 Jahren an der Seitenlinie der Gunners wird Wenger Sturheit vorgeworfen. "Wenger hat die Fans, Spieler und den Klub verloren. Das MUSS das Ende für ihn bei Arsenal sein", schrieb etwa der Mirror. Der Independent titelte: "Wenger bleibt trotz seiner Niederlage stur, was seine Zukunft angeht."


Glaubt man einem Bericht der renommierten ​Times, habe der Franzose seinen Trainer-Assistenten gesagt, er werde nicht davonlaufen und der Klub müsse ihn entlassen, sollte seine Zeit bei Arsenal enden. Weiter schreibt die britische Zeitung, Wenger habe die Unterstützung der Klub-Verantwortlichen verloren, hoffe aber auf Eigentümer Stan Kroenke. Demnach wolle Wenger die Beziehung mit dem US-Milliardär stärken und so seine Entlassung verhindern.

Kroenke ist mit einem geschätzten Vermögen von 7,5 Milliarden US-Dollar einer der reichsten Menschen des Planeten. Neben der Mehrheit beim FC Arsenal besitzt der Vorsitzende von Kroenke Sports Enterprise zahlreiche weitere Sport-Klubs. Der 70-Jährige ist unter anderem Eigner des Football-Teams L.A. Rams aus der NFL, der Colorado Avalanche in der NHL, der Denver Nuggets in der NBA und der Colorado Rapids in der US-Fußball-Liga MLS.

Arsenal v Chelsea - The Emirates FA Cup Final

Kroenke (r.) gratuliert Wenger (l.) zum FA-Cup-Gewinn 2017. Der US-Milliadär ist seit April 2007 Miteigentümer des FC Arsenal.


Bislang hielt Kroenke, dessen Ehefrau Erbin der Supermarkt-Kette Wal-Mart ist, stets zu Wenger. Nach der verpassten Qualifikation für die Königsklasse im vergangenen Jahr erhielt der Franzose einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag. Nun zeichnet sich ab, dass die Gunners die Champions League ein zweites Mal in Folge verpassen. Der Gewinn der Europa League dürfte der letzte Strohalm für Wenger und den FC Arsenal sein. In der aktuellen Verfassung erscheint das aber äußerst unrealistisch. 


Im Achtelfinale treffen die Londoner am kommenden Donnerstag (19 Uhr) auf den AC Mailand. Sollte auch das Hinspiel im San Siro daneben gehen, hängt Wengers Zukunft mehr denn je am seidenen Faden. Weitere Rückschläge dürften ihm spätestens am Ende der Saison den Job kosten. Da kann dem gebürtigen Straßburger auch die beste Beziehung zu Kroenke wohl nicht weiterhelfen - die Ära Wenger neigt sich dem Ende zu.