Die Bedeutung von Lars Stindl für Borussia Mönchengladbach lässt sich nicht nur in Toren messen. Auch deshalb ist der Fohlen-Kapitän nach 1.255 torlosen Minuten weiter unumstritten. Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen sprach der Confed-Cup-Sieger über seine Torflaute, die öffentliche Kritik an Dieter Hecking und "das Besondere an der Borussia". Der 29-Jährige glaubt, die Schnelllebigkeit im Fußball ist ein gesellschaftliches Problem.


Nach der Hinrunde standen am Niederrhein die Zeichen klar auf Rückkehr nach Europa. 28 Punkte hatte Borussia Mönchengladbach nach 17 Spieltagen auf dem Konto und war damit auf Rang sechs punktgleich mit dem dritten BVB. Der Start in die zweite Halbserie der Saison verlief dann aber alles andere als gut. In den sieben Spielen nach der Winterpause mussten sich die Fohlen fünfmal geschlagen geben und stehen dadurch auf Platz sieben vier Zähler hinter dem angestrebten Europapokal-Platz.


Für Kapitän Lars Stindl lief es in dieser Phase auch persönlich äußerst unglücklich. Zwischendurch blieb die Borussia in vier Partien in Folge ohne eigenen Treffer. Der Confed-Cup-Sieger wartet sogar schon seit ​1.255 Minuten auf ein Erfolgserlebnis. Am vergangenen Samstag folgte der ​erlösende 1:0-Erfolg in Hannover. In einem Interview mit Eurosport sprach der Fohlen-Stürmer vor dem ​Heimspiel am Freitagabend gegen Werder Bremen (20.30 Uhr) über die erfolglose Zeit, seine persönliche Torflaute und die wachsende Kritik an Trainer Dieter Hecking.

"Natürlich nimmt man die mediale Aufmerksamkeit wahr", meinte Stindl in Bezug auf seine Torlosigkeit. Der Borussen-Kapitän hat in dieser Saison noch keine Pflichtspielminute verpasst. In 27 Partien kommt er auf vier Tore und vier Vorlagen. Für die Ansprüche des 29-Jährigen zu wenig, auch wenn er sich "nicht nur auf den Torerfolg beschränke, was meine Leistung angeht", wie er betonte. Auf dem Platz habe er ohnehin "überhaupt keine Zeit, darüber nachzudenken", bekräftigte Stindl.


Rückendeckung für Hecking


Die öffentliche Kritik am Trainer sei kein Thema innerhalb der Mannschaft. "In der Kabine gab es nie eine Diskussion über diese Personalie", versicherte der 29-Jährige. Und auch die Verantwortlichen würden weiter an Hecking festhalten: "Gladbach ist ein Verein, der sehr großes Vertrauen ausstrahlt und das dem Trainer auch schenkt. Max Eberl ist bekannt dafür, dass man auch schwierige Situationen zusammen übersteht." Für Stindl ist das ein besonderes Merkmal am Niederrhein, denn "aus schweren Phasen kann auch etwas Besondres entstehen - wie hier schon 2010", so der zehnfache Nationalspieler. 


Die heutige Zeit sei sehr schnelllebig. "Sehr schnell wird etwas infrage gestellt, was man sich hart erarbeitet hat. Das ist auch der generellen Entwicklung in der Gesellschaft geschuldet", glaubt er. "Hier bei der Borussia" sei man aber sehr nüchtern und klar in der Analyse. Der Trainer stehe deshalb nicht zur Debatte. 


Vielmehr hofft der Kapitän, dass man den "kleinen Erfolg vor allem hier am Freitag fortführen" könne. Mit einem Sieg gegen Werder Bremen könnten die Fohlen zumindest über Nacht bis auf einen Zähler an RB Leipzig und Bayer Leverkusen heranrücken. Vielleicht sogar mit einem Treffer von Stindl, damit die Minutenzählerei auch beim Kapitän endlich aufhört.