Vor rund zwei Wochen legte Martin Schmidt überraschend sein Amt als Trainer des VfL Wolfsburg nieder. Erstmals nach dem Rücktritt bei den Wölfen spricht der Schweizer über die Beweggründe seines vorzeitigen Ausstiegs.


Beim VfL Wolfsburg brennt mal wieder der Baum. Nur einen Punkt Vorsprung haben die Wölfe auf den Relegationsplatz, auf dem die Niedersachsen schon die letzte Saison beendeten. Martin Schmidt, der das Traineramt an den Allerwiesen erst im September 2017 übernommen hatte, ​schied vor kurzem aus eigenem Anlass aus.


„Aus mei­ner Sicht“, erklärt der Schweizer in der Bild, „zeich­net sich eine Füh­rungs­per­sön­lich­keit auch da­durch aus, dass sie weiß, wann sie den Weg frei­ma­chen muss.“ Es würde auch zu seiner Verantwortung als Trainer gehören, die Hand zu heben, wenn das Gefühl bestehe, das Team folge seiner Linie nicht mehr zu einhundert Prozent. Ein wichtiger Punkt war offenbar auch das bevorstehende Spiel gegen seinen Ex-Klub Mainz 05 (1:1).

Hannover 96 v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Martin Schmidt schied vor Kurzem als Wölfe-Coach aus


„Ich wuss­te zudem, dass vor dem Mainz-Spiel sich alles auf mich fo­kus­sie­ren würde und die­sen Ruck­sack woll­te ich der Mann­schaft ab­neh­men“, führt Schmidt weiter aus. „Ich denke immer, man muss sein Ego unter die Sache stel­len.“ In der Rückbetrachtung gesteht der Fußballlehrer aber auch eigene Fehler ein. Beispielsweise hätte er manche Dinger früher ansprechen sollen, was er schlichtweg versäumt habe.


800.000 Euro Abfindung trotz Rücktritt


Im Abstiegskampf gehe es jedoch nicht um Einzelschicksale, sondern um den Klub. Für Schmidt sei es keine leichte Entscheidung gewesen, „im­mer­hin sind wir hier mit der Idee an­ge­tre­ten, eine län­ge­re Zeit etwas auf­zu­bau­en“, sagt er. Doch nach nur fünf Monaten Dienstzeit räumte der Eidgenosse freiwillig seinen Spind. Versüßt wurde ihm sein Abgang letzten Endes aber wohl doch: ​Dem Vernehmen nach ​kassierte Schmidt 800.000 Euro Abfindung.


Bereut hat Schmidt seinen Rücktritt in keinem Fall. Aktuell hält er sich im Schweizer Wallis auf. Von der Mannschaft hat er sich bisher noch nicht verabschiedet, wolle das aber baldmöglichst nachholen. Es seien intensive Monate gewesen, sagt er. Die galt es erst mal zu verarbeiten. „Jetzt mit etwas Ab­stand – auch räum­lich – muss ich fest­stel­len, dass meine Ent­schei­dung ab­so­lut rich­tig war.“ Dem VfL wünscht er, dass er so schnell wie möglich die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einfährt.