Hans-Joachim Watzke ist ein Mann, der gerne kernige Aussagen trifft. Und gerade der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs blickt Watzke, wohlwissend das auch sein Klub nicht um das eine oder andere Zugeständnis herumkommt, kritisch entgegen. Nachdem in der jüngsten Vergangenheit allen voran RB Leipzig so einige Breitseiten von Watzke abbekam, widmete sich der BVB-Geschäftsführer nun den englischen Premier-League-Vereinen.


Deren Fans seien in erster Linie „Kunden“ und keine "Mitglieder", gab der 58-Jährige gegenüber BBC Sport zu Protokoll. Als Beispiel nennt der BVB-Boss die Akzeptanz der Briten gegenüber Spielen unter der Woche. Zwar hätte es Proteste in kleinem Rahmen gegeben, aber mit dem ​Aufschrei gegen die Montagsspiele in Deutschland sei dies nicht vergleichbar.


„Die Deutschen wollen nicht die Verhältnisse, wie sie die Engländer aktuell haben“, führte Watzke weiter aus. Aus eben jenem Grund seien knapp 30.000 Fans nicht zum Montagspiel gegen den FC Augsburg erschienen.


„80 Prozent der Fans sind gegen Montagspiele. Natürlich läuft der TV-Vertrag bis 2021, aber man kann nichts gegen 80 Prozent machen, die diese Spiele einfach nicht wollen“, erklärte Watzke, der auch eine Abschaffung der Montagspiele vor 2021 für durchaus möglich hält.



„Wir haben 154.000 Mitglieder. Und jeder davon will ein Teil des Klubs sein, kein Kunde. Das ist ein großer Unterschied gegenüber England“, erläuterte Watzke. Und er legt nach: „Sollten wir irgendwann über eine Abschaffung von 50+1 ernsthaft debattieren, werden die Fanproteste ein Ausmaß erreichen, das man sich kaum vorstellen kann.“


Im Moment sei in England mehr Geld unterwegs, gesteht Watzke. Aber „in 20 oder 50 Jahren wird man möglicherweise sehen, dass unser Weg der bessere war.“ Man dürfe die Meinung der Fans schlicht nicht vernachlässigen. „Es ist wichtig, was die eigenen Anhänger denken“, schließt Watzke.