Rafael van der Vaart trägt die Raute im Herzen - sagt der Niederländer. Der drohende Abstieg "seines HSV" wäre für den 35-Jährigen "eine einzige Katastrophe". Es fehle an Führungsspielern im Team, das Heimspiel gegen Mainz sei die letzte Chance. Sollte es nicht gelingen, den Dino in der Bundesliga zu halten, hätte er bereits den richtigen Trainer parat. Und auch er selbst würde dem HSV gerne helfen.


​Wenn sich Ex-Spieler über die aktuelle Lage ihres ehemaligen Vereins äußern, ist das meist ein Zeichen, dass der Klub besonders erfolgreich ist oder eben in der Klemme steckt. Für den HSV gilt Letzteres. ​Nach David Jarolim spricht nun auch Rafael van der Vaart über die Situation beim Bundesliga-Dino. 


Im Interview mit ​Sport1 beurteilt der ehemalige HSV-Kapitän die "schlimme Situation" an der Elbe. "Ich habe das in meinen Jahren als Spieler beim HSV auch zwei Mal erlebt. Das ist kaum auszuhalten. Es gibt gerade überall im Verein Probleme, die Fans sind unzufrieden und die Spieler trauen sich nichts mehr zu", meint der 35 Jahre alte Niederländer.


Van der Vaart hat Angst vor dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte. "Man muss die ganze Situation realistisch betrachten. Wenn es dieses Jahr nicht passiert, wann dann, sagen die Kritiker", so der Spielmacher, der von 2005 bis 2008 und von 2012 bis 2015 in Hamburg unter Vertrag stand. Man habe sich die Situation in den vergangenen Jahren immer wieder schön geredet, eigentlich wäre der Verein jetzt mal fällig, glaubt er. "Nur 17 Punkte aus 24 Spielen, das ist einfach schlecht", lautet sein vernichtendes Urteil.

An die Rettung müsse man dennoch weiter glauben, solange die Möglichkeit besteht. Sollte es am kommenden Samstag gegen Mainz allerdings nicht zum ersten Sieg seit November reichen, würde auch van der Vaart die Hoffnung aufgeben. "Die Spieler müssen jetzt den Kopf hochhalten und Eier zeigen", fordert er vor allem von "Topspielern" wie Filip Kostic. Der Mannschaft fehle aber "ein Führungsspieler auf dem Platz. Früher gab es Heiko Westermann, Marcell Jansen oder mich." Sie hätten zwar auch oft "scheiße gespielt", aber den Druck von den Mitspielern weggehalten. Heute gebe es dagegen beim HSV keinen Leader. "Und jeder ist mal schuld", empfindet der 35-Jährige.


Van der Vaart von Hollerbach-Verpflichtung überrascht


Den neuen Trainer Bernd Hollerbach nimmt er dagegen aus der Schusslinie. "Er kann am wenigsten für die Krise. Es ist für ihn eine unglaublich schwere Situation", meint van der Vaart. Er habe sich aber gewundert, warum sich sein Herzens-Klub für einen so unerfahrenen Chefcoach entschieden habe. "Hollerbach jetzt zu entlassen, das wäre total falsch", glaubt er dennoch.


Sollte die Bundesliga-Uhr am Ende der Saison im Volkspark ablaufen, wäre das für ihn "eine einzige Katastrophe." Meinungen, wonach der Gang in die zweite Liga dem HSV guttun würde, bezeichnet er als "totalen Blödsinn." So oder so, der Klub müsse "sich komplett neu aufstellen. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder teure Spieler geholt, aber es hat nichts gebracht. Der aktuelle Kader ist zu schlecht. Einen Neuanfang sollte man lieber mit jungen, hungrigen Spielern machen", empfiehlt der Niederländer, der derzeit noch beim FC Midtjylland in Dänemark aktiv ist.

FBL-FC MIDTJYLLAND

Derzeit in Dänemark aktiv: Rafael van der Vaart kann sich eine Rückkehr zu seinem Herzens-Klub gut vorstellen.



Und van der Vaart hätte auch schon den richtigen Trainer für einen Neuaufbau parat: "Thomas Doll. Er hat mich damals zum HSV geholt und hat wie ich die Raute im Herzen. Und Dolli würde die positive Energie und Arroganz zurückbringen. Er wäre der Richtige für die Mission Wiederaufstieg." Dabei bringt er sich für ein mögliches drittes Engagement an der Elbe in Stellung. "Ich würde sehr gerne helfen, es wäre mir egal, ob es die zweite Liga wäre. Es wäre eine Ehre. Ob als Spieler oder in einer anderen Funktion. Der HSV ist mein Verein und ich verdanke diesem Klub eine große Karriere", schwärmt er.


Thomas Doll als neuer Chefcoach mit Rafael van der Vaart als rechte Hand auf dem Platz - eine Konstellation, die wohl einige Anhänger mit Sicherheit begrüßen würden. Dann aber wohl nur in Liga zwei.