Wenn Peter Bosz dieser Tage seine BVB-Amtszeit Revue passieren lässt, wird der Niederländer unweigerlich auch an die Begegnung gegen RB Leipzig denken müssen. Nach unfassbaren 41 Bundesliga-Heimspielen in Serie mussten sich die Westfalen den Sachsen mit 2:3 geschlagen geben. Für Peter Bosz war die Begegnung der „Anfang vom Ende“.


Am kommenden Samstag ist es wieder soweit. Vizemeister gegen amtierender Pokalsieger, Werner gegen Batshuayi, Osten gegen Westen – Leipzig gegen Dortmund. Doch rund viereinhalb Monate nach dem offenen Schlagabtausch im Signal-Iduna-Park haben sich die Vorzeichen gedreht.


Galt der BVB bis zum Hinspiel gegen die „Roten Bullen“ noch als Vollgastruppe, die zuvor einen Gegner nach dem anderen nach allen Regeln der Kunst auseinander gespielt hatte, haftet ihr 17 Spieltage später das Image der schnöden Minimalisten an.


Was sich im ersten Moment schlecht anhört, ist auf den zweiten Blick eine durchaus respektable Entwicklung. Im Hinspiel scheiterte der BVB vor allem deshalb, weil er gegen das schnelle Leipziger Konterspiel keine Antworten fand. Die unter Bosz hochstehende BVB-Hintermannschaft lief sprichwörtlich „ins Verderben“, als Augustin, Poulsen, Bruma und Co. ein ums andere Mal schonungslos aufzeigten, dass die Fußballidee des niederländischen Übungsleiters in der Bundesliga in dieser Form kein langes Haltbarkeitsdatum haben würde.


Defensiv ist der BVB dieser Tage gefestigter, wenngleich noch weit von Perfektion entfernt. Und doch: Es ist zu erwarten, dass die Hasenhüttl-Truppe deutlich größere Schwierigkeiten im Kreieren von Torchancen haben wird, als noch im Oktober. Betrachtet man dann die Abschlussschwäche der Sachsen, die zuletzt gegen den 1. FC Köln zu tragen kam, könnten die Aussichten auf einen BVB-Coup durchaus schlechter stehen.


​Problemfeld der Stöger-Elf bleibt indes das Offensivspiel. Was gegen den Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach aufgrund herausragender individueller Qualität noch gut ging, wurde gegen den FC Augsburg schonungslos aufgedeckt. Den Dortmundern fehlen im letzten Drittel die Lösungen. Bezeichnend, dass die jüngsten Treffer von Schmelzer bei Atalanta Bergamo und Reus gegen den FCA jeweils von gegnerischen Akteuren aufgelegt wurden.


Es ist wahrscheinlich, dass die Begegnung in der Red Bull Arena die Antithese zum Hinspiel bilden wird. Kein offener Schlagabtausch, dafür modernes „Rasen-Schach“, mit temporären Highlights. Ganz so, wie es Peter Bosz retrospektiv wohl hätte angehen sollen.