Rund zwei Jahre coachte ​Louis van Gaal den FC Bayern. Von Juli 2009 bis April 2011 war der 'Tulpengeneral' als Cheftrainer des deutschen Rekordmeisters im Amt. Sein damaliges Verhältnis zu Vereinspräsident Uli Hoeneß gilt als nicht einfach. Der Niederländer enthüllt einige Ungereimtheiten mit dem Bayern-Oberhaupt.


Das Double aus Meisterschaft und Pokal holte Louis van Gaal im Sommer 2010 mit dem FC Bayern. In München hätte der mittlerweile 66 Jahre alte Fußballlehrer gerne weitergemacht. Doch im Hintergrund gab es immer wieder großen Streit mit Vereinschef Uli Hoeneß. Van Gaal gewährt in einem Interview mit der Sport Bild erstmals Einblicke.


Das Team sei für van Gaal immer wichtiger als das Individuum, so der Niederländer. „Das war auch der Grund, warum ich immer mit Uli Hoeneß Probleme bekam.“ Der Bayern-Präsident habe zu einigen Spielern ein spezielleres Verhältnis gepflegt, sich mit ihnen ausgetauscht und sich für ihre Belange eingesetzt. Als Beispiel nennt van Gaal Franck Ribéry, der laut Hoeneß „immer spielen musste. Das ist meiner Meinung nach für die Arbeit eines Trainers nicht gut.“

CFR Cluj v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League

Der „Rotwein-Frieden von Cluj“


Van Gaal fügt nochmals an, dass das Team das Wichtigste sei und nicht der individuelle Spieler. In dieser Hinsicht würden sich er und Hoeneß unterscheiden. Dann kommt der „Rotwein-Frieden von Cluj“ zur Sprache. Hintergrund: Das Verhältnis zwischen van Gaal und Hoeneß galt schon lange als nicht einfach. Im November 2010 feierten die beiden Streithähne den 4:0-Champions-League-Erfolg beim CFR Cluj mit einem guten Glas Rotwein. „Ich habe Herrn Hoeneß die Hand gegeben“, sagte van Gaal damals, „dann haben wir ein Stößchen gemacht.“


Es war aber offenbar gute Miene zum bösen Spiel. „Es gab das Gespräch“, bestätigt der Ex-Trainer der Sport Bild und führt aus: „Aber es war kein gutes.“ Seine Frau habe ihm danach gesagt, wenn es wahr sei, was in dem Gespräch gesagt wurde, „musst du beim FC Bayern aufhören.“ Van Gaal habe jedoch weitergemacht, weil er den Klub liebe. Die deutsche Mentalität sei auch seine Mentalität, „hart trainieren, bis zum Ende kämpfen, niemals aufgeben.“ Die Mannschaft sei damals „unglaublich“ gewesen. Die Rolle „war mir wie auf den Leib geschrieben“, sagt er.


Keine Rückkehr zu den Bayern


Dass van Gaal die Bayern nochmals übernimmt, kann er sich aber derzeit nicht vorstellen. „Solange Uli Hoeneß im Klub ist, würde ich dort nicht arbeiten“, betont er. Um was es damals genau im Gespräch in Cluj ging, will van Gaal nicht im Detail erzählen, sagt aber: „Ich glaube, wenn ich das erzähle, ist es nicht gut für Bayern, nicht gut für Uli Hoeneß, nicht gut für mich.“ Es würde reichen, wenn er schildere, welche Kämpfe er mit der Bayern-Führung austragen musste. Als Beispiel nennt er Philipp Lahm.


Wegen dem mittlerweile Ex-Spieler gab es Zwist mit Hoeneß. Van Gaal: „Philipp Lahm spielte damals Linksverteidiger, erst ich habe ihn auf rechts gestellt. Daraufhin hatte ich einen riesigen Streit mit Hoeneß, der Lahm weiter links haben wollte.“ Die Geschichte gab van Gaal recht. Lahm wurde als rechte Außenverteidiger letzten Endes Champions-League-Sieger und Weltmeister.