Vielleicht ist es gar nicht Kingsley Coman sondern Franck Ribery 2.0? Bayerns Dribbelkönig wirkte in den letzten Wochen jedenfalls wie die junge Version des französischen Altmeisters. Mit seinem Tempo und Stärke im Eins-gegen-Eins gab Coman dem Bayern-Spiel eine neue Dimension. Nach seinem wahrscheinlichen Saisonaus muss es nun wieder Ribery richten. Die Triple-Hoffnungen der Bayern könnten einen herben Dämpfer erhalten haben.


Am vergangenen Samstag verließen die Bayern zum ersten Mal im Jahr 2018 den Platz nicht als Sieger. Gegen Hertha BSC kam der Rekordmeister nicht über ein torloses Unentschieden hinaus. Der sechste Meistertitel in Serie ist dennoch nicht in Gefahr.


Das Team von Jupp Heynckes wird dem verpassten Sieg deshalb nicht lange hinterher trauern. Vielmehr bereitete eine Verletzung von Kingsley Coman Sorgen. Der Franzose wurde gegen die Hertha erst in der 68. Minute eingewechselt und knickte in der Schlussphase in einem Laufduell um. Am Sonntag folgte die Schock-Diagnose: ​Der 21-Jährige hat einen Syndesmosebandriss erlitten - das Saisonaus droht. Bereits am Montag wurde Coman in Tübingen erfolgreich operiert.

"Rennpferd" Coman - Bayerns Dribbelkönig über links


Für die Bayern ist das ein herber Rückschlag. Coman konnte spätestens unter der Regie von Heynckes aus dem Schatten von Landsmann Franck Ribery treten und überzeugte mit starken Leistungen. Endlich wurde deutlich, warum die Bayern den 15-fachen französischen Nationalspieler im vergangenen Sommer für 21 Millionen Euro fest von Juventus Turin verpflichteten. Der Hochveranlagte wirkte spritzig und agil wie noch nie im Bayern-Trikot. Zu seinem enormen Tempo und der Qualität in Eins-gegen-Eins-Situationen kam in der laufenden Spielzeit auch die lange geforderte Effektivität hinzu. Hierzulande suchen nur die Leipziger Naby Keita und Bruma sowie der Dortmunder Christian Pulisic öfter den offensiven Zweikampf. 4,2 Mal setzt sich "Rennpferd" Coman dabei im Schnitt durch. Zum Vergleich: Robbery gelingt das durchschnittlich nur einmal.


Vor allem in der Champions League glänzte der Ribery-Erbe. In sechs Einsätzen gelangen ihm zwei Tore und drei Vorlagen. Im Achtelfinal-Hinspiel bekam Coman über den linken Flügel den Vorzug - die Altmeister Ribery und Arjen Robben schmorten auf der Bank. Der 21-Jährige dankte es mit einem starken Auftritt und dem wichtigen Treffer zum 2:0.


Bayern nach Coman-Ausfall: Triple-Traum stark in Gefahr


Sein Ausfall trifft die Bayern nun doppelt schwer. Zum einen, weil Coman in der aktuellen Verfassung auf dem linken Offensiv-Flügel die klare Nummer eins war. Dort wirkte er zuletzt wie die jüngere und auch bessere Version von Ribery. Zum anderen stehen mit eben jenem Ribery und Robben nur noch zwei echte Außenstürmer im Kader der Bayern. Der Luxus-Situation für Heynckes ist ein ​Engpass auf dem Flügel gewichen. Zumal Thomas Müller, wenn über die Außen, viel lieber über die rechte Seite kommt - so wie Arjen Robben.

Ribery bleibt somit allein auf der linken Seite. Real-Leihgabe James Rodriguez kann dort nur eine Not-Lösung sein. Heynckes muss nun notgedrungen wieder auf den 34 Jahre alten Franzosen setzen. Im Vergleich zur 2018er Coman-Version ist das eher ein Downgrade für die Bayern. In Liga und Pokal kann das wohl locker aufgefangen werden - die spannende Frage wird bleiben, ob die Hoffnungen auf das Triple durch Comans Ausfall stark sinken.


Es ist anzunehmen. Denn gegen Madrid, Barcelona, Manchester und Co. braucht es die Lösungen in den direkten Duellen umso mehr. Dribblings, die Coman immer erfolgreicher zeigt und dem Bayern-Spiel eine neue Dimension geben. Lösungen, die nur ein Ribery in Gala-Form über links ebenfalls bieten kann. Im Konzert der ganz Großen ist das Bayern-Spiel darauf angewiesen. Der Altmeister muss es jetzt wieder richten. Es wird ein Ritt auf der Rasierklinge.