​Berkay Özcan galt als einer der Lieblingsschüler von Stuttgarts Ex-Trainer Hannes Wolf. Unter seinem Nachfolger Tayfun Korkut hat der Edeltechniker derzeit ​einen ganz schweren Stand. Dabei kommen die erfolgreichen Systemanpassungen des 43-Jährigen dem Stuttgarter Eigengewächs alles andere als zugute.


Unter dem Aufstiegscoach agierten die Schwaben zumeist in einem 3-4-2-1-System. Dabei kam der 20-Jährige zumeist auf der linken Seite hinter einer einzigen Sturmspitze zum Einsatz und konnte seine spielerischen Fähigkeiten gewinnbringend einsetzten. Zu den Stärken des Youngsters gehören seine große Spielintelligenz, seine gute Technik und sein Auge für den Nebenmann.


​Durch den Trainerwechsel kam es auch zu einem Systemwechsel beim VfB. Tayfun Korkut ist ein Verfechter des klassischen 4-4-2-Systems. Dadurch entfällt die Postion für die Özcan eigentlich prädestiniert ist. Zwar zeigte sich der Deutsch-Türke bei seinem Einsätzen eigentlich stets bemüht, ein echter Dauerläufer wird aus dem gebürtigen Karlsruher aber nicht mehr. Auf der linken Seite setzte Korkut deswegen bisher stets auf Erik Thommy, der die Linie auf und ab marschieren und durch sein Tempo auch Eins-gegen-Eins-Situationen lösen kann.

Für den ehemaligen Stammspieler, der bereits zweifach für die türkische U21-Nationalmannschaft aufgelaufen ist, stehen die Chancen auf eine baldige Rückkehr in die Stammelf somit nicht gerade gut. So durfte er unter Korkut bislang lediglich am 23. Spieltag in den Schlussminuten mithelfen, den knappen 1:0-Sieg gegen den FC Augsburg über die Ziellinie zu retten.


Am 24. Spieltag verpasste der offensive Mittelfeldspieler zum ersten Mal seit dem 9. Spieltag sogar den Sprung in den Kader. Beim Spiel gegen die Hessen durften, neben Ersatztorhüter Jens Grahl, Abwehrspieler Marcin Kaminski, Dennis Aogo, Orel Mangala, Takuma Asano, Chadrac Akolo und Anastasios Donis auf der Ersatzbank Platz nehmen. Dabei wird die Marschroute des neuen Cheftrainers deutlich.


Für die Offensive setzte er auf der Bank mit Asano, Akolo und Donis auf schnelle Spieler, die in kritischen Situationen gegen müde Gegner, durch ihr Tempo in Kontersituationen für Gefahr sorgen können. Dieses Anforderungsprofil erfüllt Özcan schlicht nicht. Von einer taktischen Umstellung auf eine alleinige Spitze mit zwei offenisiven Mittelfeldspielern dahinter, hält Korkut im Laufe eines Spiels wenig und so schaut der Jungspund aktuell in die Röhre. Dennoch ist es schon eine Überraschung, dass der zuletzt ebenfalls ausgebootete Takuma Asano noch vor Özcan zu stehen scheint.

Anstelle auf der Ersatzbank auf Einsatzzeit zu hoffen musste Özcan am vergangen Wochenende in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Südwest aushelfen. Beim 1:0-Derbysieg gegen die Stuttgarter Kickers konnte er dabei zumindest einige Impulse setzen. Für den gestiegenen Anspruch des talentierten Mittelfeldakteurs ist sein derzeitiger Status beim VfB aber definitiv nicht zufriedenstellend.


Im Dezember hatte der junge Deutsch-Türke seinen Vertrag beim Aufsteigertrotz angeblich lukrativer Angebote von anderen Vereinen, noch langfristig bis 2021 verlängert. Es wird spannend zu sehen sein, wie lange der Youngster seine aktuelle Situation noch stillschweigend erträgt. Zuletzt kamen Gerüchte über einen möglichen Wechsel zu Dynamo Dresden auf.Derzeit hat Tayfun Korkut aber mit drei Siegen in Folge alle Argumente auf seiner Seite und wird nur schwer von seinem Kurs abzubringen sein.