​Verfällt Borussia Dortmund langsam wieder in alte Unsitten? Nach dem 1:1-Remis gegen de FC Augsburg fragen sich BVB-Fans zu recht: "Quo Vadis Borussia Dortmund?" Unter Peter Stöger stimmten zuletzten zwar die Resultate, doch die Art und Weise, wie die Mannschaft die Punkte einfuhr, widersprechen ziemlich deutlich der Vereins-DNA. Der Revierklub hat ein tiefsitzendes Problem, dass aktuell noch von den positiven Ergebnissen überdeckt wird.


"Ich hatte nicht das Gefühl, dass alle alles geben haben, um zu gewinnen. Ich bin mit dem Spiel nicht zufrieden. Es war mein Eindruck, dass wir nur verwalten wollten", resümierte Peter Stöger im Anschluss an die Partie. Doch genau dieses "Verwalten" zeichnet den BVB unter Stöger derzeit aus. In neun Bundesligapartien unter dem Österreicher blieben die Borussen bisher noch ungeschlagen und holten satte 19 Punkte. Allerdings gewann der BVB lediglich die Partien gegen Mainz (2:0) und den HSV (2:0) mit mehr als einem Tor Abstand. 



Ansonsten schienen sich die Akteure auf dem Platz mit einem knappen Vorsprung zufrieden zu geben und retteten diesen dann meist auch ins Ziel. Nichts ist mehr übrig von dem Kloppschen Vollgas-Fußball vergangener Tage, als die Gegner im Signal Iduna Park in aller Regelmäßigkeit mit 4:0, 5:0 oder gar 6:0 aus der Arena geschossen wurden. 


Dabei kann man den Spielern nicht einmal einen mangelnden Siegeswillen unterstellen. Den bewies die Mannschaft nämlich in zahlreichen Spielen der letzten Wochen: beim Last-Minute-Sieg gegen Hoffenheim zum Beispiel, beim 3:2-Erfolg in Köln, oder aber auch in den Partien gegen Bergamo, wo der BVB jeweils nach Rückstand wieder zurückkam. 


Allerdings benötigen die BVB-Akteure dieser Tage anscheinend aber immer einen Rückstand, um diesen Siegeswillen hervorzurufen. Führt man mit 1:0, ist man zufrieden und schaltet einen Gang runter. "Für mich ist es nicht verständlich. Es wäre viel leichter mit einem zweiten Tor gewesen. Mir hat es nicht gefallen. Wir verlangen nichts, was die Spieler nicht bringen können. Wir wünschen uns aber, dass man mehr Verantwortung übernimmt", analysierte Stöger weiter.



Doch diesen Spieler sucht man in Dortmund vergeblich. Die Spieler sind nicht gierig genug. Ein Blick zur Konkurrenz im Süden könnte da helfen. Der FC Bayern spielte Gegner Besiktas im Champions-Leage-Achtelfinal-Hinspiel auch nach 3:0-Führung noch weiterhin an die Wand, obwohl der Drops schon längst gelutscht war. Am Ende siegten die Münchener gar mit 5:0. Eine solche Mentalität müssen auch die Spieler von Borussia Dortmund an den Tag legen. Das machte den Verein in den letzten Jahren aus. Die Qualität dazu ist wahrlich vorhanden, doch die elf Akteure müssen wieder Galligkeit versprühen und die Gegner an die Wand spielen. Ansonsten wird man sich auch in Zukunft zu 1:0- oder 2:1-Siegen zittern müssen. Oder eben zu einem 1:1 gegen Augsburg.